Biberist
Die unbekannten Welt- und Europameister fahren auf dem Einrad

In Biberist trainieren mehrere Welt- und Europameister. Sie sind Weltspitze in der Sparte Einradhockey. Im August wurde sogar die Europameisterschaft im Wasseramt ausgetragen

Rahel Meier
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 Checkübergabe an die Biberister Nationalspieler, v.l. Fabio Gianformaggio, Christian Jäggi, Simeo Grimm und rechts Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann.
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Einradhockey in Biberist
Einradhockey in Biberist
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Einrad-Unihockey in Biberist
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Einradhockey in Biberist
Einradhockey in Biberist
Einradhockey in Biberist
Einradhockey in Biberist

Checkübergabe an die Biberister Nationalspieler, v.l. Fabio Gianformaggio, Christian Jäggi, Simeo Grimm und rechts Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann.

Michel Lüthi/bilderwerft.ch

Praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit fanden in Biberist Europameisterschaften statt. Die von der Schweiz auf Platz 1 und Platz 3 beendet wurden. Ein drittes Schweizer Team schied vorzeitig aus. Drei Nationalteams? Das ist möglich im Einradhockey. Einradhockey wird, wie es der Name sagt, auf dem Einrad ausgeübt. Dabei wird mit Eishockeyschläger und Tennisball gespielt. Pro Team sind ein Goalie und vier Feldspieler im Einsatz. Die Teams sind unabhängig von Alter und Geschlecht zusammengesetzt. Biberist ist eine Hochburg, wenn es um Einradhockey geht. Darum haben Fabio Gianformaggio, Simeo Grimm und Christian Jäggi – drei Mitglieder des ATB Biberist – nun auch eine Auszeichnung von der Gemeinde und einen symbolischen Check in der Höhe von 500 Franken erhalten.

Der Verein zählt rund 60 Mitglieder

«Ich habe als Kind jemanden Einrad fahren sehen und fand das faszinierend. Dann habe ich es selbst ausprobiert, und es hat mir gefallen. Zum Einradhockey kam ich erst später.» Christian Jäggi ist Präsident des ATB Biberist und hat diesen Sommer an den Europameisterschaften Bronze gewonnen. Das ist aber nicht die einzige Medaille, die er sich bisher erspielt hat.
Wer Einrad fährt, kann diverse Sportarten ausüben. Neben Einradhockey gibt es beispielsweise auch noch Einradbasketball, Weitsprung und Hochsprung, Freestyle, Downhill oder ganz einfach Rennen auf Zeit. In Biberist wird am Mittwoch normalerweise Einradhockey geübt. Am Montag findet ein Training statt, in dem es um das Fahren, und um Tricks oder Akrobatik geht. Rund 60 Mitglieder zählt der ATB Biberist, 35 davon spielen Einradhockey und wiederum knapp 20 sind Jugendliche.

Verspätete Anerkennung

Die Schweiz hat zwar schon mehrfach Welt- und Europameistertitel im Einradhockey gewonnen, aber die Spielerinnen und Spieler sind sich Medienpräsenz nicht gewöhnt. Denn Einradhockey gilt als Randsportart. Umso mehr haben sich die Verantwortlichen des ATB Biberist gefreut, dass ihre Leistungen von der Gemeinde zur Kenntnis genommen und mit einem Check belohnt wurden.

Gemeindepräsident Stefan Hug-Portmann freute sich, dass er als «einfacher Gemeindepräsident» Europa- und Weltmeister begrüssen und ehren durfte. Er gab zu, dass er selbst nicht gewusst hatte, dass Anfang August die Europameisterschaften im Einradhockey in Biberist stattfanden. «Dabei beteiligten sich auch Sportler sehr erfolgreich, die wöchentlich hier in Biberist trainieren.» Das macht Stefan Hug stolz, wie er selbst bei der Checkübergabe an Fabio Gianformaggio (Gold an der EM 2019, Gold an der EM 2017, Gold an der WM 2016); Christian Jäggi (Bronze an der EM 2019, Gold an der WM 2018, Silber an der EM 2017) und Simeo Grimm (Bronze an der EM 2019) sagte. «Das beweist auch, dass der seinerzeitige Bau dieser Sporthalle eine gute Investition war.» Die Halle sei an praktisch allen Wochenenden belegt, und von den Tagen unter der Woche wolle er gar nicht reden.

In Biberist gebe es über 60 Vereine, 17 davon seien Sportvereine. «Ein reges Vereinsleben zeichnet uns aus, dies ist tief in unserer DNA verwurzelt». Die Gemeinde unterstütze die Vereine, indem sie ihnen unentgeltlich Trainings- und Probemöglichketen zur Verfügung stellt oder sie ganz direkt finanziell unterstützt. Biberist gebe jährlich 230 000 Franken für Sport aus. Darin sei die Nutzung der Anlagen nicht eingerechnet. Dies würde den Betrag gleich nochmals verdoppeln. So habe die Bauverwaltung auch flexibel und lösungsorientiert mitgeholfen, als es um die Räumlichkeiten für die Europameisterschaften ging.
«Die Sportförderung ist uns ein grosses Anliegen. Damit leisten wir einen kleinen Beitrag für sportliche Erfolge. Die Leistungen müssen jedoch sie, die Sportlerinnen und Sportler erbringen», so Hug weiter. Damit gratulierte er den den Biberister Nationalteam-Mitgliedern offiziell und bediente sich eines bekannten Zitates eines ehemaligen Bundesrates und Sportfunktionärs: «Freude herrscht!».

«Eigentlich sollte die Einrad-EM in den Niederlanden stattfinden», erklärt Jäggi. Die Veranstalter mussten aber kurzfristig absagen. Und so sprang Biberist ein. «Wir haben allerdings nur die Einradhockey-Europameisterschaft übernommen. Die anderen Disziplinen fanden nicht statt.» Mit der Dreifachhalle und der Truppenunterkunft, die als günstige Unterkunft für die Teams angeboten werden konnte, waren die Bedingungen optimal. Dazu konnten sich die EM-Teilnehmer am Morgen und am Mittag im «Läbesgarte» verpflegen. An der Europameisterschaft in Biberist nahmen Teams aus England, Wales, der Schweiz und aus Deutschland teil. In diesen Ländern ist Einradhockey stark verbreitet. Einrad wird auch in anderen Ländern gefahren. Aber je nach Land liegen die Stärken in den einzelnen Disziplinen an einem anderen Ort.

Konzentration und Stocktechnik

Der Modus für die Schweizer Meisterschaften – der auch an der EM angewandt wurde – ist anders, als man sich das vom Fussball oder Eishockey gewöhnt ist. Es werden nicht einzelne Runden, sondern Turniere durchgeführt. Dabei spielen alle Mannschaften gegeneinander (je 18 Minuten). In der darauf folgenden Zwischenrunde, in der nur noch die besseren Teams dabei sind, sind es dann 2 mal 15 Minuten und die beiden Finalspiel dauern dann je 2 mal 20 Minuten.

«Einradfahren ist gut fürs Gleichgewicht, aber auch für die Konzentration», meint Jäggi. Wer Einradhockey spiele, müsse zusätzlich auch noch taktisch denken können und die Stocktechnik beherrschen. Körpereinsatz werde nicht toleriert und von den Schiedsrichtern gepfiffen. Darum gebe es auch relativ wenig Verletzungen. «Selbstverständlich kann man fallen und sich etwas brechen», so Jäggi. Aber Checks wie im Eishockey seien tabu.