Langendorf
Die Tagebücher des Anton Zappa

Am Pensionierten-Treff las Anton Zappa im katholischen Pfarrsaal von Langendorf Episoden aus seinen insgesamt 40 Tagebüchern vor.

Christian Sutter
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Anton Zappa mit einem seiner 40 Tagebücher, welche jeweils rund 350 Seiten umfassen.

Anton Zappa mit einem seiner 40 Tagebücher, welche jeweils rund 350 Seiten umfassen.

Christian Sutter

Dass es sich nicht einfach um Tagebücher mit rein privaten Einträgen handelt, wurde dem Publikum schnell klar. Neben privaten Ereignissen fügte Zappa schon bald Zeitungsberichte hinzu aus dem lokalen und regionalen Geschehen. Seine Ausführungen wirken entsprechend lebendig und kurzweilig.

Begonnen mit dem umfassenden Werk hatte Zappa 1945. Führen die ersten Aufzeichnungen noch stark durch das Geschehen der alten Steinsäge von Langendorf, wo Zappa aufwuchs, und seiner Tätigkeit als Gärtner, kommen ab Beginn der Fünfzigerjahre schon Zeitungsberichte dazu.

So ist etwa am 28. März 1956 aufgezeichnet, dass in besagter Woche eine neue Zwanzigernote erschienen ist. Zappa kommentiert dies mit folgender Notiz: Sie reicht aber nicht weiter, wenn sie schon länger ist als die Alte.

Polizistenmord im Jahr 1963

Auch ernstere Themen sind zu finden. So ist einer kurzen Zeitungsmeldung vom 12. Februar 1963 zu entnehmen, dass der Ortspolizist von Langendorf durch einen Schuss bei einem Einsatz schwer verletzt wurde. Neben dem Zeitungsausschnitt notierte Zappa einige Tage später am 19. Februar: Wm Kpl A. Wyss ist heute seinen Verletzungen erlegen. Die Chesslete wurde abgesagt, ebenso der Maskenball bei Anni.

Zum Geschehen auf Bundesebene
ist den Tagebüchern ebenfalls viel zu entnehmen, etwa dass im März 1955 verärgerte Abonnenten durch eine
Erhöhung der Radiogebühr von 20
auf 26 Franken mit dem Versprechen zur Einführung eines zweiten Beromünster-Programmes und dem
unverzüglichen Ausbau des UKW-Netzes hätten bei Stange gehalten werden sollen.

Schwierige Auswahl

So zeigen die 40 Tagebücher und zusätzlichen ersten fünf Hefte einen Querschnitt von 1945 bis heute. Ein Kantonsschullehrer habe einmal gesagt, dass das gesamte Werk einer Teilchronik gleichzustellen sei, erzählt Zappa. «Es ist schwierig gewesen, für den Vortrag im Pensionierten-Treff eine Auswahl zu finden», führt er weiter aus. Zappa betont, dass er nur während der Aktivzeit im Militär wegen fehlender Gelegenheit keine regelmässigen Aufzeichnungen vornahm.

Sonst schreibe er jeden Tag in sein aktuelles Tagebuch, welches irgendwann als Nummer 41 in die Sammlung eingehen wird. Dabei verhalte er sich stilistisch nicht immer korrekt, führt Zappa weiter aus. «Ich trenne die Worte so, damit sie in Lücken passen», so Zappa. Wer dies später einmal lese, müsse beim Lesen halt ein bisschen stottern. Die Bücher sind zudem mit Zeichnungen ausgeschmückt.

Prominenz vertreten

In den Büchern finden sich auch Briefe von prominenten Personen aus Politik und Kultur, so etwa von Alt-Bundesrat Otto Stich. Dieser habe sich einmal persönlich mit einer Flasche Wein und einem Brief aus dem Bundeshaus bedankt, da er ihm damals zu seiner Wahl gratulierte, so Zappa.

Für die Veranstaltung wurden Ausschnitte der Tagebücher auf Leinwand projektiert und Zappa kommentierte sie jeweils. Viele der Zuhörerinnen und Zuhörer erinnerten sich lebhaft an Episoden aus der Vergangenheit und genossen den Nachmittag.