Deitingen
Die Stromleitung geht direkt unter der Hauptverkehrsschlagader A1 hindurch

Von Luterbach aus wird eine Stromleitung neu unter den Boden verlegt. Der Kabelkanal quert die Autobahn.

Urs Byland
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Marc Kurth erklärt das Projekt
7 Bilder
Das Bohrgestänge wird montiert
Ein Problem ist aufgetreten....
Teamwork ist gefragt
Besichtigung Spülbohrung
Recycling mit einer Zentrifuge
verschiedene Bohrköpfe

Marc Kurth erklärt das Projekt

Hanspeter Bärtschi

Ein Stromkabel verlegen, ist technisch kein grosses Ding. Wenn man nicht eine Autobahn queren müsste. Da kann man nicht einfach einen Graben aufreissen und den nationalen Verkehr blockieren.

Die Grenchner Firma Panaiia & Crausaz AG, die zu 100 Prozent der SWG Grenchen gehört, hat schon reichlich Erfahrung mit dem Verlegen von Leitungen, ohne dass der Boden aufgerissen werden muss. Sie hat die Maschinen und Ausrüstungen, um einen Kanal in verschiedene Erdschichten zu bohren. Mithilfe des Spezialisten aus Grenchen kann die Bauherrin AEK Energie AG eine 16 kV Leitung von Luterbach nach Subingen unter der Autobahn hindurch verlegen, ohne die Autobahn eine Minute sperren zu müssen.

Auslöser für die Verlegung des Stromkabels ist – die Erweiterung des Golfplatzes Wilihof. Die Freileitung über das Areal ist beim Golfen hinderlich. Mit der Bodenverlegung werden 13 Beton und 15 Holzmasten eliminiert. Das Bauprojekt umfasst einen Bodenkanal mit einer Länge von 3,8 Kilometern. Verlegt werden mehrere Leitungen. Mit der Spülbohrung des Spezialisten werden insgesamt 250 Meter Kanal gebohrt. Die AEK Energie AG investiert zirka 1,6 Mio. Franken.

4 Meter unter der Autobahn

Am Donnerstagmorgen war Ortstermin bei der Eisenbahnbrücke über die A1 kurz nach der Auffahrt Richtung Zürich beim Autobahnabzweiger A1/A5. Hier soll die Leitung die Autobahn unterqueren und anschliessend gleich noch das Eisenbahntrassee. Eigentlich hat es bereits einen Kanal unter der Autobahn weiter östlich bei der Pumpstation.

Bei einem Ausbau der Autobahn auf sechs Spuren deckt dieser Kanal die Bedürfnisse der AEK nicht mehr ab. Deshalb hat die Bauherrin von der Astra, dem Bundesamt für Strassen, eine Genehmigung eingeholt, bereits jetzt in den künftigen Dimensionen bohren zu dürfen.

Zirka 110 Meter lang wird die Bohrung. Weil die Autobahn an dieser Stelle rund 5 Meter unter dem Geländeniveau liegt und das Kabel 4 Meter unter der Autobahn geführt werden muss, bohrt die Maschine von ihrem Standort neben der Autobahn aus schrägt rund 10 Meter in den Boden, danach 35 Meter lang horizontal unter der Fahrspur durch und am Ende wieder schräg in die Höhe.

Chirurgie im Erdreich

Die Technik der Spülbohrung ist bei den Ingenieurfirmen bekannt. Die ganze Anordnung gleicht einem chirurgischen Eingriff mit Nadel und geschlossenem Kreislaufsystem. Die Nadel ist der Bohrer. Das Kreislaufsystem besteht aus Schläuchen, die den ausgespülten Abraum aufnehmen. Neu ist erstmals eine Recycling-Anlage im Einsatz.

Der Abraum wird mit einem Material (Bentonit) verflüssigt, in einer Grube gesammelt und einer Zentrifuge zugeführt, wo die Erde oder der Kies wiederum vom Bentonit getrennt wird. Es entstehen keine zusätzlichen Transporte. Das Material wird vor Ort recycelt. Nach der Pilotbohrung, die mit Sonden punktgenau durch den Untergrund geführt wird, können anschliessend durch das Loch mit kleinem Durchmesser grössere Bohrkaliber zurückgezogen werden und so der Kanal beliebig vergrössert werden.