In diesem Jahr zeigte sich Einwohner Christian Scheuermeyer befriedigt über den Verlauf des Budgetprozesses. «Heute stimme ich für eine Steuererhöhung von 120 auf 125 Punkte.» Vor einem Jahr hatte er sich an der Budget-Gemeindeversammlung noch gegen eine Steuererhöhung ausgesprochen. «Seither ist ein Ruck durchs Dorf gegangen», so der FDP-Kantonsrat.

Zuvor hatte SVP-Gemeinderat Michael Tüfer (Ressort Finanzen) in überzeugender Manier von den Bemühungen des neuen Finanzausschusses berichtet. Dieser tagte sieben Mal und hatte diverse Punkte, die das Budget beeinflussen, untersucht und Massnahmen empfohlen. Dazu gehören Einsparungen, beispielsweise die Sistierung der Repla-Beiträge oder das Verschieben von Investitionen auf die nächsten Jahre, aber auch die Überprüfung aller Verträge oder der Verwaltungspensen.

Das akuteste Problem sei aber der Bilanzfehlbetrag, der mit der laufenden Rechnung 2018 bei mehr als einer halben Million Franken liegen wird. «Das Amt für Gemeinden sieht ein Schuldencontrolling vor. Der Bilanzfehlbetrag muss innert vier Jahren abgebaut werden», weist Tüfer auf den Ernst der Lage hin, die insbesondere durch den Weggang 2014 der Firma ABB Turbo Systems AG heraufbeschworen wurde. Dieser Wegzug führte zu einem Einbruch der Steuererträge der juristischen Personen. Wegen der seinerzeitigen guten Jahresrechnungen zahlt die Gemeinde verzögert in der laufenden Periode immer noch in den Kantonalen Finanzausgleich ein. Erst mit dem Budget 2019 wird Deitingen vom Geber zum Empfänger im Finanzausgleich.

Investitionen werden geschoben

Mit dem Budget 2019, das ein Minus von 84'100 Franken vorsieht, wird bereits eine erste Tranche des Bilanzfehlbetrages abgeschrieben. Desinvestitionen und Abschreibungen führen zu einem Finanzierungsüberschuss, mit dem Schulden abgebaut werden können. Der Finanzplan sieht vor, dass ab 2021 ein Eigenkapital aufgebaut werden kann. Dieses ist mit der neuen Rechnungslegung HRM2 ein Muss und sollte im Fall von Deitingen bei etwa 3 Mio. Franken liegen. «Aktuell haben wir kein Eigenkapital», so Tüfer.

Die Spezialfinanzierungen Wasser und Abwasser werden mit grösseren Aufwandüberschüssen (jeweils über 100'000 Franken) abschliessen. Beim Wasser ist das Eigenkapital mit 333'000 Franken eher gering. Beim Abwasser müsse man sich noch keine Gedanken machen. Dort beträgt das Eigenkapital über 1,875 Mio. Franken.

«Wir freuen uns, dass die kritisierten Punkte in Angriff genommen wurden, aber ich gehe von einer langen Durststrecke aus», meldete sich ein Einwohner. Und Scheuermeyer ergänzte: «Sobald sich die Lage verbessert, darf man mit den Steuern auch wieder runter.» Er ermunterte zudem den Finanzausschuss, noch eine weitere Person von aussen beizuziehen. «Ich vermisse nach wie vor diese wichtige Aussensicht.»

Das Budget 2019, das keine Erhebung der Personalsteuer vorsieht, wurde mit grossem Mehr genehmigt. Gemeindepräsident Bruno Eberhard versprach den 107 anwesenden Einwohnerinnen und Einwohnern: «Wir wollen dranbleiben und die Finanzlage wieder ins Lot bringen.»

Im Schachen wird gebaut

Zu Beginn der Versammlung unterrichtete Eberhard die Anwesenden von der Niederlage der Gemeinde vor Bundesgericht in Sachen Beschwerde Bundesasylzentrum. «Damit wurde die Baubewilligung rechtskräftig. Die Vorbereitungsarbeiten haben begonnen.»

Eine Inbetriebnahme des Bundesasylzentrums sei auf Ende 2019 geplant. «Wir werden weiterhin versuchen, in Gesprächen mit Bund und Kanton das Beste für unser Dorf herauszuholen», sagte der Gemeindepräsident.