Selzachs Schützenwelt ist seit der Abspaltung der Sportschützen Leberberg von den Sportschützen Selzach-Altreu nicht mehr im Lot. Miteinander können sie es nicht. Und einzeln sind die Sportschützen Selzach-Altreu klar im Vorteil. Sie schiessen auf der gemeindeeigenen 300-Meter-Anlage im Rüttenen, wo im Keller auch auf 10 Meter geschossen werden kann, und sie haben zwei weitere 50-Meter-Anlagen, wovon eine nicht im Betrieb ist.

Die «leistungsorientierteren», wie deren Präsident Peter Brudermann es vor Jahren formulierte, Sportschützen Leberberg dürfen inzwischen auf der 300-Meter-Anlage ebenfalls schiessen. Aber seit 2014 fehlt ein Reglement für Nutzung, Unterhalt und Betrieb der Anlage.

Auch der Einsatz der Gemeindepräsidentin Silvia Spycher brachte keine Einigung der zerstrittenen Schützenvereine. Und im Keller auf die 10-Meter-Anlage schiessen nur die Sportschützen Selzach-Altreu. Um auf 50 oder 10 Meter schiessen zu können, müssen die Sportschützen Leberberg auswärts Schiessstände besuchen.

Alternativer Standort

Zwischenzeitlich stellten die Sportschützen Leberberg das Gesuch, im gemeindeeigenen Schiessstand auf der Rüttenen bei den bisherigen 300-Meter-Scheiben 11 bis 16 die notwendigen Massnahmen durchzuführen, um sechs Scheiben für Gewehr 50 Meter einrichten zu können. Und als weitere Idee brachten die Sportschützen Leberberg sogar einen alternativen Standort für eine Schiessanlage im «Unter Leim» östlich der Fussballfelder ins Gespräch.

Doch im Februar 2015 zogen die Sportschützen Leberberg diese Gesuche wieder zurück. Sie wollten die Umfrage der Kulturkommission abwarten, welche die Infrastrukturen der Dorfvereine aufnahm. Zudem hätten sie gehört, dass die Sportschützen Selzach-Altreu ihre 50-Meter-Anlage der Gemeinde verkaufen wollten. Diese würden sie nach dem Verkauf gerne mieten.

Inzwischen sind drei Jahre vergangen, und die Sportschützen Leberberg haben einen neuen Vorschlag zuhanden des Gemeinderates formuliert. Sie beantragen den Kauf und Betrieb der 300-Meter-Schiessanlage auf Rüttenen für 90'000 Franken.

In seinen Erwägungen betont der Gemeinderat, er habe schon 2008 ein ähnliches Gesuch der Sportschützen Leberberg (damals im Baurecht) abgelehnt. Öffentliche Anlagen würden erstellt, damit die Allgemeinheit davon profitieren kann. Im vorliegenden Fall war nie bestritten, dass beide Vereine die Anlage nutzen können. Jedoch seien zahlreiche Versuche, die Nutzung zu regeln, im Sand verlaufen. Im Endeffekt könne es nicht die Aufgabe der Gemeinde sein, uneingeschränkt und auf unbestimmte Dauer Schlichtungsversuche zwischen zwei Vereinen zu unternehmen. Das Kaufgesuch wurde vom Gemeinderat abgelehnt.

Weiter stimmte der Gemeinderat zwei Vorgehensweisen zu. Entweder einigen sich die Schützenvereine bis Februar 2019 auf ein gemeinsames Nutzungsreglement, worauf die Bauverwaltung auch den notwendigen Investitions- und Unterhaltsbedarf fürs Budget 2020 ermitteln soll. Für Schlichtungsgespräche haben sich die Gemeinderäte Thomas Studer und Peter Bichsel zur Verfügung gestellt. Die zweite Variante sieht eine mögliche Auslagerung der gesetzlichen Pflichten im Bereich des Schiesswesens vor. Also eine mögliche Schliessung der 300-Meter-Anlage in Selzach.