Mit Beschluss vom Mai 2018 hat der Kantonsrat eine Änderung des Sozialgesetzes beschlossen, welche die Restkostenfinanzierung bei der ambulanten Pflege neu regelt. Bis 1. Januar 2022 müssen alle betroffenen Dienstleistungsbringer auf die neue Subjektfinanzierung umgestellt haben. Subjekt- statt Objektfinanzierung heisst, es wird der Klient «finanziert» und nicht der Betrieb.

Biberist beginnt mit der Einführung ab 2020. «Es gibt keinen Grund länger abzuwarten, denn wir finden diese Lösung gut», erklärt Sascha Gelbhaus, Geschäftsführer des Läbesgarte. Dem Vorstand der Genossenschaft Läbesgarte obliegt auch die strategische Führung der Spitex Biberist.

Anteil nicht verrechenbare Zeit liegt bei 47 Prozent

Der Regierungsrat legt künftig die Taxen für die ambulante Pflege fest. Dies geschehe pro Leistungsgruppe und Stunde. Die Spitexorganisationen stellen den Patienten künftig Rechnung auf Basis der geltenden Taxen. Die Gemeinde wiederum beteiligt sich mit einem Restkostenbeitrag pro Stunde an den Kosten. Defizitübernahmen für das Grundangebot fallen dadurch weg. Restkosten bedeutet: Da sowohl die Leistungen der Krankenkassen als auch die Selbstbeteiligung der Patienten plafoniert sind, verbleiben ungedeckte Kosten.

So zählt etwa zu den sogenannten verrechenbaren Stunden nur jene Zeit, welche direkt beim Patienten verbracht wird. Alles andere wie Administration, Nachbereitungen oder das Richten von Medikamenten seien Leistungen, welche nicht dem Kunden verrechnet werden können. «Insgesamt macht die nicht verrechenbare Zeit rund 47 Prozent aus.»

Defizit mit mehr Leistung stark verringert

Die geleisteten Stunden sind bei der Spitex Biberist Dorf heute dreimal so hoch wie noch vor 15 Jahren. Ein Kosten-Vergleich des Amtes für Soziale Sicherheit habe gezeigt, dass sich Biberist im vorderen Drittel bewege. In Spitexkreisen herrsche die Meinung vor, dass Spitexorganisationen grundsätzlich strukturell defizitär seien.

«Uns ist es aber gelungen, dass wir mit mehr geleisteten Stunden das Defizit immer wieder nach unten drücken konnten», sagt Gelbhaus. 2008 Betrug das Defizit beinahe 40 Franken pro Stunde. Letztes Jahr waren es noch rund 13 Franken. Mithilfe von Optimieren und besserem Organisieren lasse sich viel erreichen. Einen Grund für den Erfolg sieht Gelbhaus nicht zuletzt durch die Einbettung der Spitex in eine professionelle Organisation wie den Läbesgarte.

24-Stunden Notruf wird eingeführt

Die bisherigen Dienstleistungen werden aber nicht gekürzt, sondern gar noch ausgebaut. So soll neu ein 24-Stunden-Notruf eingeführt werden, der gemeinsam mit der Spitex Derendingen-Deitingen geführt wird. Als wichtige Dienstleistung gilt nach wie vor der Mahlzeitendienst. «Es ist für einige Menschen der einzige Kontakt zur Aussenwelt», so Gelbhaus. Dementsprechend nehme der Dienst auch eine Kontrollfunktion wahr, indem überprüft wird, wie es den Leuten geht. Dadurch wird auch ein längeres Verbleiben zu Hause ermöglicht.

Der Gemeinderat genehmigte den neuen Leistungsvertrag zwischen der Gemeinde und der Genossenschaft zur Führung der Spitex Biberist. Allerdings mit einer Anpassung. So soll der neue Vertrag nicht wie die letzte Vereinbarung aus dem Jahre 2010 unbefristet gelten, sondern – auf Antrag von Gemeinderat Stephan Hug (SP) – begrenzt sein auf eine Laufzeit von 5 Jahren.