Mühledorf

Die spannende Reise zurück in die Reformation

Die vortragenden Martin Schoch und Marie Christine Egger.

Die vortragenden Martin Schoch und Marie Christine Egger.

Am Sonntag referierten Marie Christine Egger und Martin Schoch in Mühledorf zum Thema «Reformiert sein – gestern und heute». Es ging dabei vor allem auch um den Bucheggberg.

Die Bucheggberger Kirchgemeinden nahmen von 1529 bis 1532 die Reformation an. Wie das in einer an Wirren reichen Zeit möglich wurde, erlebten die Kirchenbesucherinnen und -besucher in zwei Vorträgen von Marie Christine Egger und Martin Schoch. Sie ist eine für ihre Themenvorträge bekannte Solothurner Stadtführerin, und er ist ein geschichtsliebender, ehemaliger Oberstufenlehrer.

Die beiden Vortragenden legten in ihrer spannenden Zeitreise den Fokus vor allem auf den Bucheggberg. Denn als Teil des Kantons Solothurn, der im 16. Jahrhundert den Katholizismus überwiegend beibehielt, galt für den Bucheggberg ein Sonderstatus. Seit 1451 besass der Staat Bern im Bucheggberg nämlich das sogenannte «Malefizrecht» als hohe Gerichtsbarkeit.

Wie fast ein Jahrhundert später der Reichstag in Augsburg mit «cuius regio, eius religio» bestätigte, gab der Inhaber der Landesherrschaft die Religionszugehörigkeit vor. Am 7. Februar 1528 hatte der Berner Rat ein Reformationsmandat und zuvor die Abschaffung
der Messe im katholischen Ritus beschlossen.

Erneuern, nicht spalten

Martin Luther hatte 1517 seine 95 Thesen gegen Missstände des Glaubens an die Schlosskirche in Wittenberg genagelt. Er wollte damit die Kirche an Haupt und Gliedern erneuen, aber nicht spalten. Seine Schriften, in denen er sich gegen das Ablasswesen und Ausschweifungen der Kirchenoberen wandte, wie auch seine volkstümliche Bibelübersetzung beeinflussten gemeinsam mit dem wichtigen Wirken der eidgenössischen Kirchenreformer Ulrich Zwingli und Johannes Calvin hierzulande Bevölkerung und Zeitgeist.

«Die Neugläubigen haben ja nicht unrecht, wen sie darauf pochen, dass Christen alle gleich sind und nur durch die Gnade Gottes ins Himmelreich gelangen», umriss Marie-Christine Egger in der Robe einer solothurnischen Patrizierdame aus dem 16. Jahrhundert die Einstellung der 1530 offenbar noch toleranten Stadt.

Denn 1528 hatte die von 800 Personen als Abgeordnete aus dem Kirchenwesen sowie von Ständen und Städten beschickte «Berner Disputation» die Erneuerung der Kirche diskutiert. Das Resultat unterschrieben 235 Delegierte, wobei 46 ausdrücklich verzichteten.

Grosse Tat von Niklaus Wengi

Stadt und Staat Bern, so hat Martin Schoch in seinen Quellen erfahren, wurden in dieser Zeit zur mächtigsten Bastion der Reformation nördlich der Alpen. Der Staat Bern war für Solothurn wegen seinen Expansionsgelüsten kein einfacher Nachbar, wie die geschichtlichen Fakten zeigen.

Weil man sich vor den «Bärentatzen» fürchtete, umgab sich die Stadt sogar mit neuen Schanzenanlagen. 1529/31 fanden bei Kappel schweizerische «Glaubenskriege» statt, die aber die Lage der Reformierten nicht sonderlich verbesserten, jedoch im Friedensschluss die Machtverhältnisse in der Schweiz bis 1712 festschrieben.

1533 setzten sich die Solothurner Reformierten, die sich im damals neuen Alten Spital verschanzt hatten, gegen den Druck aus den Reihen der Katholiken zur Wehr. Schultheiss Niklaus Wengi verhinderte mit seinem berühmten, opferbereiten Körpereinsatz, dass mit einer Kanone in die Vorstadt geschossen wurde. Beide Vortragenden schilderten eindrücklich dieses wichtige Ereignis.

Glaubensfriede kam später

1536 brachte die erste Helvetische Konfession Klarheit über das evangelisch reformierte Glaubensbekenntnis. Aber richtiger Glaubensfrieden kehrte im Bucheggberg erst ein, als 1664
der Wyniger Vertrag geschlossen wurde, in dem Bern auf gewisse Vorrechte im Bezirk verzichtete.

Am Schiedsgericht beteiligt war der Basler Bürgermeister Wettstein, der 1648 in den Verhandlungen zur Beendigung des 30-jährigen Kriegs in Münster und Osnabrück die Eidgenossenschaft aus dem Reichsverbund erfolgreich herauslösen konnte.

Vorbereitet hatten diesen musikalisch umrahmten Gedenkgottesdienst aus Anlass des weltweit gefeierten Jubiläums 500 Jahre Reformation Irene Isch, Kathrin Lanz, Eva Werlen und Ruth Mollet.

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