Lüterkofen
«Die Schule vor fast 100 Jahren war viel strenger»

In ihrer Projektwoche widmeten sich Lüterkofer Primarschüler in Form eines Filmdrehs der Vergangenheit in der Schule. Dies auf Anfrage der Kulturkommission von Lüterkofen, da die Gemeinde dieses Jahr Jubiläum feiert.

Nadine Schmid
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Lüterkofer Schüler drehen einen Film
18 Bilder
Pascal Hug fängt die Stimmung ein
Mal was anderes als ein Taschenrechner
Klappe, wie in Hollywood
Geht die Rechnung auf_
Filmprofi Pascal Hug nimmt spannende Szenen auf
Filmprofi Davide Cirrincione macht sich bereit
Eine Schulstube wie anno dazumal
Eine Schulstube wie anno dazumal
Eine Schulstube wie anno dazumal
Die Schüler lassen sich von der Kamera nicht irritieren
Eine Schulstube wie anno dazumal
Die Rechenaufgabe an der Wandtafel ist schwierig
Die improvisierte Garderobe
Die Requisiten stimmen bis ins Detail
Die Filmprofis Pacal Hug und Davide Cirrincione in Aktion
Der Film wird mit grossem technischen Knowhow gedreht
Anno dazumal waren die Schüler barfuss unterwegs

Lüterkofer Schüler drehen einen Film

Hanspeter Bärtschi

«Schaut einfach nicht in die Kamera, sonst ist die Illusion vorbei», erklärt der Filmschaffende Davide Cirrincione den Kindern, die in Kleidern im Stil des frühen 20. Jahrhunderts an den Schulpulten sitzen. Gerade eben haben sie einen Probedurchlauf hinter sich. Nur noch wenige Augenblicke wird es dauern, bis Cirrincione zusammen mit seinem Kollegen Pascal Hug zu filmen beginnen wird.

Schule im Wandel der Zeit

Im Rahmen der Projektwoche der fünften und sechsten Klasse der Primarschule Lüterkofen, die von Montag bis Freitag dauerte, stellten die Kinder einen Film zum Thema «Schule im Wandel der Zeit» auf die Beine. Dies auf Anfrage der Kulturkommission von Lüterkofen, da die Gemeinde dieses Jahr Jubiläum feiert. Neben dem Buch über Lüterkofen von Pascal Hegner und seinem Team bestand Interesse über einen Film zur Schulgeschichte.

Schon im Vorfeld gab es für die zweiundvierzig Kinder und die rund zehn beteiligten Lehrpersonen etliches zu organisieren. Im Zuge des Sachunterrichts besuchten die Schüler das Schulmuseum in Köniz, wo sie eine Schulstunde der 1920er-Jahre hautnah miterleben konnten. Im Anschluss mussten sie mit einer Person aus dieser Zeit ein Interview führen, so beispielsweise mit ihren Grosseltern, um sich ein Bild zum damaligen Schulunterricht und dem Leben der Kinder zu machen. Die Requisiten stellte das Museum Köniz zur Verfügung, die Kleider stammen aus dem Kostümfundus Oberburg.

Viele Erfahrungen gesammelt

Die Schüler konnten profitieren. Einen Teil der Kostüme, so die Schürzen, nähten sie selbst. Auch die Schrift von damals mussten sie üben. Sie wurden in sechs Gruppen aufgeteilt, in denen sie am Montag und Dienstag die Drehbücher zu den sechs kurzen Filmszenen schrieben. Als Vorlage dienten die Interviews. Neben Unterrichtsstunden wie Naturlehre, Rechnen und Lesen, wurde auch der Schulbeginn beleuchtet, der mit einem Gebet anfing. Spannend erscheint auch die Idee der Dialogszene, in der sich jeweils ein Schüler der heutigen Zeit einem Schüler von früher gegenüberstellt und mit ihm ins Gespräch kommt. Im Mittelpunkt standen dabei die Unterschiede zu diversen Themen wie Schulweg, Hobbys, Freizeit und Unterricht.

Eine siebte Gruppe von Schülern kümmerte sich um die Dokumentation der Projektwoche und gestalteten ein Making-of. Neben den Schülern spielten auch die Lehrer. Melanie Braun und Kurt Egger stellten die Lehrpersonen dar.

«Damals war es viel strenger»

Mittwoch und Donnerstag probten die Schüler die Szenen, am Freitag wurde gefilmt. Über die Filmdauer können die beiden Hobbyfilmer noch nichts sagen. Die Kinder erstaunte, wie viel vor fast hundert Jahren anders war. «Es war viel strenger», beschreibt zum Beispiel Anja. Auch hätten die Kinder kaum Freizeit gehabt, da sie viel daheim geholfen hätten. Am meisten beeindruckte die Schüler das Strafsystem. «Es gab eine Strafe, bei der man eine halbe Stunde lang auf der Kante eines Holzscheits knien musste, während man Bücher als Gewichte in den Händen tragen musste», erklärt Ellie.

Dafür reichte schon nur ein kleines Vergehen, wie laut zu sein oder dem Lehrer ins Wort zu fallen. Lisa fügt dabei hinzu: «Den Lehrern waren die Kinder egal.» Die Klassenlehrerin Annamarie Kuratli zieht eine positive Bilanz auf allen Ebenen. Genauso begeistert sind die Kinder der drei Klassen. Amon beispielsweise gefällt, dass er einen Einblick in die Filmproduktion erhielt und viel über das damalige Leben der Kinder lernen konnte. «Es ist schön, dass wir die Chance bekommen haben, diesen Film zu machen», findet Ellie. Es mache zudem Spass die Kleidung von damals zu tragen, und nervös, vor der Kamera aufzutreten seien sie auch nicht. «Wir haben so oft geprobt, es besteht kein Druck», erklärt Noah.

Der Film wird bei der Jubiläumsfeier vom 29. August mehrmals gezeigt. Die Feier beginnt um 15 Uhr.