Seit dem Jahr 1990 wird in Biberist die Luftbelastung gemessen. Die Mess-Stationen befinden sich im Grütt und im Schachen und liegen damit nahe bei den beiden grossen Industriekomplexen in der Region. Die Anlage im Schachen ist in einem Wohnquartier gelegen, diejenige im Grütt liegt zusätzlich an einer stark verkehrsbelasteten Strasse. Die Messwerte zeigen, dass die Grenzwerte die nach Luftreinhalteverordnung definiert sind, überall eingehalten werden, ausser beim Zink.

Dieser Wert liegt bei 400 Mikrogramm pro Tag und wird an beiden Mess-Stationen seit Jahren kontinuierlich überschritten. Von 2009 bis 2014 war der Wert im Grütt deutlich tiefer (aber immer noch über 600 Mikrogramm), seit 2105 ist er wieder angestiegen. Im Schachen war er von 2009 bis 2011 ebenfalls bei rund 600 Mikrogramm, stieg 2012 auf über 1000 an und liegt seither wieder durchschnittlich bei 800 Mikrogramm.

Die Karte zeigt die Fläche, wo der Grenzwert der Zinkbelastung überschritten wird.

Die Karte zeigt die Fläche, wo der Grenzwert der Zinkbelastung überschritten wird.

Hemmt Pflanzenwachstum

«Die Zinkdepositionen liegen auch ausserhalb des Stahlwerkes über dem Grenzwert der Luftreinhalteverordnung», erklärt Markus Chastonay (Leiter Abteilung Luft/Lärm, Amt für Umwelt) auf Nachfrage. Betroffen seien vor allem Gebiete im Biberister Schachen und Biberist Winkelmatt/Grütt. «Zink ist für Menschen, Tiere, Pflanzen und Mikroorganismen ein lebenswichtiges Spurenelement.» Anreicherungen im Boden dagegen würden das Pflanzenwachstum hemmen. Für Menschen seien nur leichte Beeinträchtigungen bei kurzzeitig eingenommenen, hohen Dosen bekannt, so Chastonay weiter. Weil die Gefährdung des Menschen durch diesen Schadstoff gering und die Fläche mit Grenzwertüberschreitung klein sei, habe der Kanton keine einschneidende Sanierung angeordnet.

Im Schachen wird seit einiger Zeit auch der Wert der Dioxine, Furane und polychlorierten Biphenyle (PCB) als Inhaltsstoffe der Staubdeposition gemessen. In der Luftreinhalteverordnung sind für diese Schadstoffe keine Grenzwerte aufgeführt. In Biberist sind sie seit Anbeginn der Messungen sehr tief. Sie unterschreiten gar die Nachweisgrenzen der verfügbaren Messgeräte und erfüllen zudem die Zielvorgaben der Sanierungsverfügung mit der Stahl Gerlafingen AG aus dem Jahr 2002, wie Chastonay aufzeigt. In der Schweiz liegt die Summe der Dioxine, Furane und PCBs typischerweise bei Werten von 6 bis 12 pg pro Tag (Piktogramm) für ländliche Räume und von 8 bis 40 für den innerstädtischen Raum. Die Werte in Biberist liegen bei rund 5 pg.

Alle fünf Jahre messen reicht

Deshalb soll der Messrhythmus angepasst werden. Künftig sollen die Erhebungen nur noch alle fünf Jahre durchgeführt werden. Die nächste Messung wird demzufolge im Jahr 2021 durchgeführt. Schon im Jahr 2009 habe die eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) die lufthygienische Situation rund um das Stahlwerk in Gerlafingen beurteilt, erklärt Chastonay. Die Empa kam zum Schluss, dass «die Bevölkerung in der Nachbarschaft des Stahlwerkes, trotz teilweise unsicherer Datenlage, keiner messbaren Zusatzbelastungen ausgesetzt ist.» Zusätzlich hat das Amt für Umwelt (AfU) in den Jahren 2013 und 2014 Vergleichsmessungen zur Deposition der Dioxine und Furane in einem Wohnquartier in Solothurn und in der Grenchner Witi durchgeführt. An beiden Orten wurden ähnliche Werte registriert wie in der Umgebung des Stahlwerkes. Somit rechtfertigt sich laut Chastonay die Veränderung des Messabstandes. Er betont zudem, dass die Dioxine und Furane weiterhin alle drei Jahre am grossen Kamin des Stahlwerkes gemessen werden. Ebenso werden die Emissionen der flüchtigen organischen Verbindungen und Staub im Stahlwerk täglich an 24 Stunden überwacht. Auch die Schwermetallmessungen werden weitergeführt. Sie gelten als Indikator für eine Veränderung. Würden sich bei der Überwachung Unregelmässigkeiten ergeben, könnten die Messungen für Dioxine und Furane innert Monatsfrist wieder aufgenommen werden.