Lommiswil
Die Rinder mit dem Jööh-Effekt

Die Schweizer Züchter der Hochlandrinder – der Highland Cattle – lassen dieses Wochenende ihre Tiere zum 16. Mal begutachten. Der Präsident des Vereins Highland Cattle Society, Walter Schluep, gibt Auskunft.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Highland Cattle Show Lommiswil
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Highland Cattle Show Lommiswil
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Schweizer Züchter der Hochlandrinder zeigen ihre Tiere in Lommiswil
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Highland Cattle Show Lommiswil

Thomas Ulrich und Tina Dauwalder

Walter Schluep, seit wann wird in der Schweiz das Schottische Hochlandrind gezüchtet?

Walter Schluep: Die ersten Hochlandrinder kamen als Zootiere in den Zoo Basel. Die Tiere wurden von Mac Donald 1980 anlässlich der Eröffnung der Filiale in Basel gesponsert. Ihre Vorfahren waren von der englischen Königin dem Zoo Nürnberg geschenkt worden. Die Queen hat auf Schloss Balmoral eine grosse Highland-Cattle-Zucht. Der Nachwuchs aus dem Zoo Basel wurde an Landwirte verkauft. Das Jugendheim Erlenhof in Reinach BL war 1989 der erste Betrieb, der mit der Zucht begann. 1994 konnten dann die ersten Tiere im Rahmen eines Projektes zur Nutzung von Grenzertragsflächen als landwirtschaftliche Nutztiere importiert werden. Inzwischen ist der
Bestand auf rund 10 000 Tiere angestiegen.

Was ist das Besondere an der Rasse?

Highland Cattle ist die pflegeleichteste Rinderrasse überhaupt. Eine reine Fleischrasse, die als Mutterkuh gehalten wird. Die Tiere wachsen eher langsam, dafür sind sie genügsam und fressen Pflanzen, die von anderen Rindern verschmäht werden: Schilf, Seggen, Brennnesseln, Brombeeren. Grund dafür ist, dass sie dickere Schleimhäute haben und so weniger sensibel sind. Sie brauchen keine Hilfe beim Kalben und sind wenig krankheitsanfällig. Deshalb werden sie vielerorts für die Pflege von Naturschutzgebieten eingesetzt. Ebenfalls werden sie von den Landwirten geschätzt, weil sie wenig Arbeitsaufwand erfordern und geringe Tierarztkosten verursachen.

Welche Bedingungen für die Haltung müssen erfüllt werden?

Für die Haltung sind im Winter einfache Unterstände geeignet, im Sommer Weiden mit Schatten. Regen und Wind können den Tieren nichts anhaben.

Wie ist die Akzeptanz der Tiere in der Bevölkerung und bei anderen Landwirt-Kollegen?

Das Cattle hat in der Bevölkerung eine grosse Akzeptanz. Einerseits wegen seiner äusseren Erscheinung, anderseits schätzen die Leute die natürliche Haltung. Gerade deswegen wird mit diesen Tieren ein äusserst schmackhaftes und gesundes Fleisch produziert. Im Gegensatz zu Fleisch, das mit Kraftfutter produziert wurde, sind darin viel mehr der nützlichen Omega-3-Fettsäuren enthalten. Zudem hat der Konsument Gewissheit, dass für diese Tiere kein Futter eingesetzt wurde, das in Drittwelt-Ländern als Nahrungsmittel fehlt. Die anderen Landwirte waren früher – und sind es teils heute noch – eher skeptisch gegenüber unserer Rasse, da der Gesamtertrag kleiner ist als in der Intensivtierhaltung. Mehr und mehr setzt sich aber die Erkenntnis durch, dass Arbeitszeit, Tierarztkosten und Infrastrukturkosten viel vom Ertrag wieder wegfressen.

Wie steht es mit dem Fleischabsatz?

Sehr viele Highland-Cattle-Halter verkaufen das Fleisch ihrer Tiere über die Direktvermarktung. Dabei sind unsere Tiere die besten Werbeträger.

Was sind die Kriterien für eine erfolgreiche Bewertung in der Zucht?

Ein guter Rasse-Typ bedeutet ein kurzer Kopf, die richtige Hornform (Stiere und Kühe haben unterschiedliche Hornformen), dichtes Fell mit langem Oberhaar, das Regen abweist, und wolligem Unterhaar, das Wärme speichert. Die Tiere haben eine mittlere Widerristhöhe von 116 cm. Die Kühe sollen gute Muttereigenschaften und alle ein gutes Gangwerk haben, denn sie müssen sich viel und in zum Teil schwierigem Gelände bewegen können.

Wo stehen die Schweizer Züchter im internationalen Vergleich?

Der Schweizer Verband hat die Zuchtrichtlinien vom schottischen Verband übernommen. An den vorherigen Schauen haben uns die Schaurichter ein gutes Zeugnis über den Stand unserer Zucht ausgestellt.

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