Lüterswil-Gächliwil
«Die Öffnung des Bachlaufs ist eine Verschwendung von Kulturland und rausgeworfenes Geld»

Die Gemeindeversammlung Lüterswil-Gächliwil genehmigt die Renaturierung des Mülibachs, aber ohne eine Teilausdolung.

Gundi Klemm
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Der Mülibach bleibt teilweise unter der Erde.

Der Mülibach bleibt teilweise unter der Erde.

Zur Verfügung gestellt

Die Renaturierung des Mülibachs beschäftigt Lüterswil schon längere Zeit. Zwei Orientierungsversammlungen zu zwei vorgeschlagenen Varianten haben bereits stattgefunden. Baupräsident Beat Wehrle fasste die wesentlichen Unterschiede der Variante 1 «Mülibach-West: Revitalisierung/Renaturierung mit Teilausdolung» (geschätzte Kosten 440'000 Franken) zur Variante 2 «Revitalisierung ohne Teilausdolung» (Kostenschätzung 340'000 Franken) nochmals zusammen. Wichtig zu wissen sei, dass der Landeigentümer positiv zu dieser Freilegung des Bachlaufs eingestellt ist. Die Ausdolung betrifft ein 90 Meter langes Teilstück, in dem der Bach durch ein Kanalrohr fliesst.

Da diese Revitalisierung grosszügig subventioniert wird, trägt die Gemeinde nur 10 Prozent der Kosten. Grossmehrheitlich sprach sich die Versammlung in einer Konsultativabstimmung für die Revitalisierung ohne Ausdolung aus. Die Öffnung des Bachlaufs sei eine Verschwendung von Kulturland, und mit den Ausgaben dafür werde «Geld zum Fenster herausgeschossen», lauteten einige Argumente.

Noch eine Geldverschwendung

Das Budget 2018 der Erfolgsrechnung über 1,9 Mio. Franken mit einem Ertragsüberschuss von 2850 Franken wurde von der Gemeindeversammlung mit deutlichem Mehr genehmigt. Erwartet wird ein leichtes Plus von 1.37 Prozent auf 1,45 Mio. Franken im Bereich Finanzen und Steuern. Das Eigenkapital ist mit 1,06 Mio Franken noch gut gepolstert. Einverstanden waren die 38 anwesenden Stimmberechtigten auch mit der Beibehaltung der Steueranlage in Höhe von 120/115 Prozent und der Feuerwehrsteuer mit 6 Prozent der Staatssteuer.

Doch bei den in Höhe von 167'000 Franken geplanten Investitionen für Verkehr, Sanierung von Schulhaus, Kanalisationsnetz sowie Renaturierung Mülibach setzte Kritik an. Und zwar bei der Verlegung der Bushaltestelle mit zugehörigem Unterstand. Aus Sicherheitsgründen hatten kantonale Fachleute geraten, die jetzige Haltestelle an die Liegenschaft Bartlomé zu verschieben. Dazu ergriffen etliche Votanten das Wort. Ueli Trittibach fand, dass die Haltestelle im Zentrum bleiben solle. Die Planung sei nicht fertiggedacht, und hierfür 12'000 Franken auszugeben, sei reine Geldverschwendung.

Gemeindepräsidentin Silvia Stöckli und Gemeinderat Kevin Affolter erläuterten die Gründe, die die Verantwortlichen dazu bewogen haben, einen neuen Standort zu suchen. Denn die Verlagerung der Haltestelle, für die man die beste Lösung anstrebe, sei bereits jahrelang ein Thema im Dorf. Aber mit 28 zu 6 Stimmen, bei 4 Enthaltungen sah die Mehrheit der Anwesenden im Vorschlag keine gute Idee und unterstützte den Antrag Trittibach auf Streichung dieses Investitionspostens.

Sorgenkind Abfall

Das Budget, das Finanzverwalterin Corinne Blaser wegen Änderungen in allen Funktionen ausführlich erläuterte, führte zu Nachfragen aus der Versammlung. Genaueres wollte ein Beteiligter zur Höhe der Allgemeinen Verwaltungskosten von gesamthaft 301'700 Franken und zur Personalausstattung wissen. Schon benannt war bei den Spezialfinanzierungen das «Sorgenkind» Abfallentsorgung, das vor allem durch die Grünabfuhr und nicht ausreichend mit Marken versehenem Gebinde zu einem Fehlbetrag von 3000 Franken geführt hat. Gemeinderat Cyrill Schildknecht skizzierte, um mit dieser kommunalen Dienstleistung weiterhin wilde Deponien zu verhindern, die Massnahmen der Gemeinde, die mit künftiger Häckselabgabe zu einer leichten Anhebung der Gebühren führen. Zudem, so mahnte ein Stimmbürger, stimme das rechnerische Verhältnis zwischen Jahresvignette und den teureren Einzelmarken nicht.

Die Bildung ist mit fast 600'000 Franken der grösste Ausgabeposten. Ein Votant die Kostenzunahme um rund 10'000 Franken gegenüber dem Budget 2017 und 30'000 Franken gegenüber der Rechnung 2016 begründet haben. «Wir wollen nicht zu allem Ja und Amen sagen und wollen mehr Transparenz.» Aus dem Gemeinderat hiess es: «Wir sind mit den anderen Gemeinden im Schulverband A3 dabei, die Statuten zu überarbeiten, um so die Strukturen beeinflussen zu können.» Verständnis zeigte das Plenum für die einmalige Unterstützung mit 5000 Franken des überkommunalen Förderprojekts «Umsetzung Naturkonzept».

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