Judith Trüssel heisst die neue Pfarrerin, die jetzt das geistliche Zepter in Nachfolge von Mathias Fankhauser in der Kirche an der Gerlafinger Schulhausstrasse übernommen hat. Glücklich und beschwingt erinnert sie sich an ihre Antrittspredigt am letzten Sonntag, die sie thematisch auf der Grundlage des Bibel-Berichtes «Die Jünger von Emmaus» gestaltete. «Diese Episode hat mich immer angesprochen und könnte auch zur Orientierung für unsere Gemeinde hier werden», sagt Judith Trüssel, die ein wesentliches Ziel ihrer Arbeit im Brückenbau zwischen Menschen und Konfessionen sieht.

Sie sei bewegt von den ersten Kontakten zum Dorf, denn neben ihren Gemeindemitgliedern hiessen sie auch Vertretungen der beiden anderen Kirchen, die am Gottesdienst teilnahmen, willkommen. Ausgebildet wurde sie in einem fünfjährigen Theologiestudium, das für alle deutschsprachigen methodistischen Pfarranwärter in Reutlingen stattfindet. Das zurückliegende Jahr verbrachte die Mutter zweier erwachsener Kinder im Pfarrpraktikum in Bern.

80 Mitglieder in Gerlafingen

Die Freikirche, die sich der Lehre der grossen Reformatoren wie Luther, Zwingli, Calvin zugewandt fühlt, wurde 1784 von John Wesley, einem anglikanischen Geistlichen in Nordamerika, ins Leben gerufen.

Laut Trüssel kamen die Angehörigen der neuen Gemeinden damals zu ihrem Namen Methodisten, weil sie sich einem streng strukturierten Tagesablauf unterordneten, der von Aussenstehenden als Methodik bezeichnet wurde. Auf die Frage, worin sich denn die heute 112 evangelisch-methodistischen Gemeinden in der Schweiz mit 12 500 Mitgliedern und grossem Freundeskreis von den Landeskirchen und weiteren Freikirchen unterscheiden, betonte Pfarrerin Trüssel das ausgeprägte soziale Handeln ihrer Gemeinschaft.

«Ich werde alles dafür tun, dass unsere jetzt aus 50 Erwachsenen und 30 Kindern bestehende Gerlafinger Freikirche sich als blühende Gesellschaft vor Gott und den Menschen weiterentwickelt.» Die Türen des Gotteshauses seien offen für jedermann, der auch – unabhängig von der Glaubensrichtung – zu Gottesdiensten und zum Abendmahl willkommen sei. «Wir sind grosse Fans der Ökumene.»

Aufgewachsen ist Trüssel im Kanton Luzern und ist dem früher in Gerlafingen wirkenden Pfarrer Stefan Moll an seinen Arbeitsorten Zofingen und Baden häufig begegnet.