Oekingen
Die neue Ortsplanung sieht eine Innenverdichtung vor – ohne Einfamilienhäuser

Die Ortsplanung für Oekingen liegt auf. Durch die neue Planung wurde festgestellt, dass die Gemeinde noch genügend Potenzial hat, um weiterzuwachsen. Neueinzonungen gibt es jedoch keine mehr, nun ist Innenverdichtung angesagt.

Rahel Meier
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Entwicklungsgebiet im Zentrum von Oekingen. Die Spichermatt liegt vor dem Gebäude rechts.

Entwicklungsgebiet im Zentrum von Oekingen. Die Spichermatt liegt vor dem Gebäude rechts.

Hanspeter Bärtschi

Oekingen ist, was seine Bausubstanz angeht, ein junges Dorf. Ein grosser Teil der Liegenschaften wurde erst nach 1985 gebaut. Dabei füllten sich die Quartiere nach und nach mit meist frei stehenden Einfamilienhäusern rund um den kleinen Ortskern auf. Dort befindet sich der Grossteil der prägenden historischen Bauten. Erst in den letzten fünf Jahren wurden vereinzelt Mehrfamilienhäuser ­erstellt.

Der Raumplanungsbericht zur Ortsplanung zeigt auf, dass die Gemeinde innerhalb des heutigen Siedlungsgebietes noch genügend Potenzial hat, um weiterzuwachsen. «An der Fläche der Bauzone wurde nichts verändert. Wir versuchen aber, mit Änderungen im Zonenreglement und mit den neuen Baumassen und den neu definierten Baubegriffen ein Optimum herauszuholen», erklärt Christian Sigrist (Ortsplaner, SPI Planer und Ingenieure AG, Derendingen).

Kaum Veränderung in Wohnzone W1

Auch in Oekingen wird darum auf die innere Verdichtung gesetzt, Einzonungen sind nicht geplant. Trotzdem soll an der Wohnzone W1 festgehalten werden. Diese liegt im Bergacker. Wie es der Name antönt, ist dieser Bereich leicht erhöht. Würden hier neu zweigeschossige Bauten errichtet, würden diese das Ortsbild massgeblich beeinträchtigen, was nicht erwünscht ist.

«Dieses Gebiet ist heute bis auf eine Parzelle bebaut», so ­Sigrist. Die Häuser seien alle erst in den letzten Jahren entstanden. In den nächsten Jahren werden sich daher kaum Veränderungen im Bestand ergeben. Mit diesen Argumenten hat sich auch der Kanton für eine Beibehaltung der Wohnzone W1 einverstanden erklärt.

Nutzungen überprüft und teilweise verändert

Mit der Ortsplanung wird neu in eine Kernzone Erhaltung und eine Kernzone Entwicklung unterschieden. «Mit dem neuen Raumplanungsgesetz haben sich die Vorgaben in der Ortsplanung verändert. Grundsätzlich sind die Gemeinden dazu aufgerufen, ihr Potenzial innerhalb der bestehenden Bauzone auszuschöpfen.»

Östlich der Oesch, entlang der Waldstrasse sollen deshalb alle Parzellen in die Wohnzone W2 umgezont werden. Im Kreuzungsbereich Kriegstetten-/Horriwilstrasse werden nur die in unmittelbarer Nähe zum Kreuzungsbereich liegenden Parzellen in der Kernzone belassen. Für das teilweise unbebaute Gebiet Spichermatt wird neu eine Kernzone Entwicklung eingeführt. Dort soll künftig verdichtet gebaut werden.

Die Anzahl Geschosse wird von 2 auf 3 erhöht. In diesem Bereich dürfen keine Einfamilienhäuser mehr realisiert werden. Damit die Neubauten nicht zu gross werden, dürfen Baukörper nicht länger als 30 (Kernzone) oder 40 Meter (Wohnzone) werden. Westlich der Oesch werden die Grundstücke in der Kernzone Erhaltung belassen.

Sonderschule wird erweitert

Eine Einzonung wird es mit der Ortsplanung doch geben. Die Stiftung Focus Jugend möchte die Sonderschule erweitern und will auf Gemeindegebiet von Oekingen Land einzonen.

«Die Sonderschule wird im Auftrag des Kantons geführt. Der Betrieb der Sonderschule entspricht damit übergeordneten Interessen», so Sigrist. Die Einzonung muss darum nicht kompensiert werden. Unter ­dieser Voraussetzung hat der Gemeinderat der Einzonung ­zugestimmt.

Am Perimeter der Oeba (Zone für öffentliche Bauten und ­Anlagen) soll grösstenteils ­festgehalten werden. Einzig die erste Bautiefe entlang der Lindestrasse, angrenzend zum Sportplatz, soll in die Wohnzone W2 umgezont werden.

Bauland gesucht in Oekingen

Mit der Umzonung hätte auch die Gemeinde einige ­wenige Grundstücke, die sie verkaufen könnte. Denn auch in Oekingen wird teilweise Bauland gehortet. Es mache aber wenig Sinn, Einzelparzellen innerhalb des Siedlungsgebietes auszuzonen.

Immerhin ergab eine Umfrage, dass es auch Grundeigentümer gibt, die durchaus bereit sind, ihr Land zu verkaufen, und für eine Fläche von rund 3500 Quadratmeter konnte eine Bauverpflichtung abgeschlossen werden. Um grössere Umbauprojekte mit zusätzlichen, eigenständigen Wohneinheiten oder Arealüberbauungen zu fördern, soll es künftig einen Nutzungsbonus geben.

Grüne Aussenräume sind erwünscht

Trotz innerer Verdichtung sollen die Aussenräume nicht vernachlässigt werden. Das Zonenreglement wurde deshalb ergänzt.

Es wird Wert gelegt auf eine Durchgrünung mit standortheimischen, regionstypischen Bäumen und Sträuchern. Das Anlegen von grossen Stein- und Schottergärten soll verhindert werden.

Flachdächer werden weiterhin nur bei An- und Neubauten zulässig sein. Im Rahmen eines Gestaltungsplanverfahrens können sich die Behörden aber Sonderbauvorschriften und allfällig Flachdachbauten vorstellen.

Oekingen gilt mit den bestehenden Infrastrukturanlagen als erschlossen. Es sind nur punktuelle Erweiterungen oder Ausbauten erforderlich. So wird mit der Ortsplanung die Grundlage für den Ausbau der Lindenstrasse gelegt. Wegen neu erstellten Mehrfamilienhäusern soll zudem auch der südlichste Teil der Mülimattstrasse ausgebaut werden.

Hinweis: Die Ortsplanung liegt bis zum 15. September auf. An diesem Tag läuft auch die Einsprachefrist ab.

«Oekingen ist arm an vielfältigen, naturnahen Lebensräumen»

Mit der Ortsplanung wurden auch das Naturinventar und das Naturkonzept für Oekingen erarbeitet. Die beiden Berichte haben zwar nur orientierenden Charakter, sie zeigen den Bestand und die wünschbare Entwicklung trotzdem sehr deutlich auf. Insgesamt gibt es 20 Gebiete, die als Lebensräume für einheimische Tiere und Pflanzen bedeutend sind und darum ins Naturinventar aufgenommen wurden. Als wertvoll werden die unverbauten Bäche, die Uferbestockungen an den Bächen, einzelne Hecken und Gehölzgruppen, sowie Waldränder auf feuchten Standorten mit Eichen und Eschen beurteilt.

Im Bericht, der von der ALN Beratungen Solothurn, hinter der Rolf Glünkin steht, verfasst wurde, steht aber auch deutlich: «Insgesamt ist die Gemeinde Oekingen eher arm an vielfältigen, naturnahen Lebensräumen. Es fehlen vor allem Hecken, Feldgehölze mit grösseren angrenzenden, ungedüngten und artenreichen Wiesen und alten Bäumen. Viele ökologische Ausgleichsflächen sind zu klein, artenarm und isoliert.» Nur gerade zwei Flächen erfüllen die Mindestkriterien der Biodiversitätsoberflächen für extensive Wiesen, wenig genutzte Wiesen und Streuflächen.

Auch der Rückgang von Brutvogelarten und des Feldhasen würde darauf hinweisen, dass der Lebensraum von Tieren und Pflanzen in den letzten Jahrzehnten stark geschmälert wurde. Bei Begehungen vor Ort wurden nur noch wenige Schmetterlingsarten, Heuschrecken und kaum Grillen gefunden.

Es gibt aber auch eine gute Meldung: Die Hecke im Galgacker wird als «bemerkenswert und sehr wertvoll» bewertet. Als wertvollstes Naturobjekt wird die «alte Oesch» bezeichnet. Sie ist Teil des kantonalen Naturreservates «Oeschmatt, Altlauf». Auch die kleine Oesch fliesst zum Teil naturnah und die Ufer sind gesäumt von Bachröhricht, Speierstaudenfluren oder Wiesen.

Oekingen weist einen vergleichsweise eher geringen Anteil an Wäldern auf. In verschiedenen Bereichen finden sich letzte Ansätze von Erlen-Eschen-(Auen-)Wald. Diese Standorte sind selten. Gar nicht mehr vorhanden sind Obstgärten oder Streuobstwiesen mit mehr als 25 Obstbäumen, die früher das Bild der Gemeinde prägten. (rm).