Es dauerte gerade einmal 30 Minuten, bis der Kulturhof Weyeneth in Nennigkofen auf das «Facebook»-Inserat reagierte. Die «LernStatt Schule» hatte im Frühling eine neue Bleibe gesucht – und umgehend eine gefunden. In den Sommerferien fand der Umzug statt; für die neun Privatschüler vom Kindergarten bis zur neunten Klasse hat das Schuljahr gut angefangen.

Petra Maarsen, Gründerin und Leiterin der alternativen Schule, schaut sich im geräumigen Zimmer im Kulturhof um. Spielzeug, Instrumente, Holzkisten und Bücherregale schaffen eine gemütliche Atmosphäre. «Meine Mitstreiter Corinne Keller und Mark von Gunten haben das Zimmer eingerichtet», sagt Maarsen zufrieden.

In der ersten Woche sei es für die Kinder und die sechs Lehrpersonen primär ums Kennenlernen und Zurechtfinden gegangen. Vom Miteinander im Kulturhof seien alle begeistert. Am Mittag darf die Schule die Restaurantküche benützen, auf dem Estrich hat sie zusätzlichen Stauraum erhalten. Und der Spielplatz stehe sowieso allen Kindern im Dorf offen.

Die Kanti ist weniger relevant

«Wir schwimmen gegen den Strom», gesteht Petra Maarsen. Bei Eltern liege es im Trend, die Kinder möglichst in die Kanti zu schicken, Meister fänden fast keine guten Lehrlinge mehr. «Für uns ist die Kanti weniger relevant», sagt die 42-Jährige.

«Man muss wissen, was man will und wofür man brennt. Wir helfen den Kindern, das herauszufinden.» Im Sinn dieser individuellen Förderung steht auch, den Unterricht den Kindern anzupassen. Zwar gebe es klassische Kurse wie Mathe, Englisch, Französisch, Kochen oder gar Chinesisch.

«Aber wenn ein Kind mit fünf Jahren schon lesen kann, ist es nicht sinnvoll, ihm in der ersten Klasse noch das Lesen beibringen zu wollen. Das Lernen passiert, im Leben eingebettet, ganz von selbst. Das ist unsere Überzeugung.»

Im Zentrum der Schulphilosophie stehen daher gemeinsame Aktivitäten, bei denen herkömmlicher Schulstoff beiläufig vermittelt wird. Oft inspirieren sich die Kinder auch gegenseitig. So hielten kürzlich zwei Kinder freiwillig einen Vortag.

Nichts mit Kirschblüten zu tun

Die Schule, die es nunmehr seit zehn Jahren gibt, wurde in Gerlafingen gegründet. Vor vier Jahren zog Petra Maarsen mit ihrem Team nach Zielebach, weil die Behörden dort das leere Schulhaus wiederbeleben wollten. Doch das Haus war der kleinen «LernStatt Schule» zu gross.

Dass man nun ausgerechnet in Nennigkofen gelandet sei, wo Alternatives gerne mit der Kirschblütengemeinschaft gleichgesetzt wird, sei purer Zufall, sagt Maarsen. «Wir werden oft darauf angesprochen, das ist eine Knacknuss für uns. Ich habe nichts gegen die Gemeinschaft, und interessierte Eltern dürfen uns sehr gerne ihre Kinder bringen. Aber unsere Ansätze grenzen sich klar von ihren ab.»