Im Attisholz Süd wird weiter aufgeräumt und für mögliche Ansiedlungen das Terrain vorbereitet. Das kantonale Hochbauamt publizierte zwei Rückbaugesuche von Hallen im südöstlichen Bereich. Zu beiden Baugesuchen sind keine Einsprachen eingetroffen. Die eine Halle ist die Membranhalle an der Attisholzstrasse 25. Die andere Halle, in der seit 2009 CT-X Rail Service AG eine Unterhaltswerkstätte für Güterwagen betreibt, hat Geschichte. Die Halle wurde nach der Landi-Ausstellung 1939 von Hermann Sieber (1881–1946), Sohn des Gründers der Cellulose Attisholz Benjamin Sieber, gekauft, in Luterbach aufgestellt und genutzt.

«Eine Riesenhalle»

Der Luterbacher Roland Kissling ist 1966 bei der Attisholz AG eingetreten. Lebhaft berichtet er: «Es ist eine Riesenhalle, die als Zellulose-Lager diente.» In einem Teil der Halle wurden sogar Reserveteile für die Entwässerungsmaschinen unter Temperatur gelagert.

«Die Halle ist komplett aus Holz gebaut. Zudem führt ein Brückenkran über die ganze Länge der Halle.» Mit dem Gleis mitten durch die Halle sei es eine Universalhalle, die viel gebraucht wurde. «Sie diente vor allem dem Umschlag von Zellulose.» Ein Zugang auf das Dach erlaubte sofortige Reparaturen. «Das Dach musste dicht sein. Wasser wäre Gift für die Zellulose gewesen.»

Mit Welleternit verkleidet präsentiert sich heute die Landi-Halle.

Mit Welleternit verkleidet präsentiert sich heute die Landi-Halle.

Übernahme war willkommen

Zur Halle sind nur wenige Informationen zu finden. Laut einem Bericht aus dem Jahr 1956 über die Schrift 75 Jahre Cellulosefabrik liess «die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen recht deutlich die starke Krisenempfindlichkeit des Cellulosemarktes erkennen. Die Wirtschaftskrise anfangs der dreissiger Jahre wirkte sich ausserordentlich einschneidend aus. Hinzu kam die sehr starke ausländische Konkurrenz ... Die scharfen Einschränkungen während des Zweiten Weltkrieges infolge Rohstoffmangel konnten glücklich überwunden werden».

Die Übernahme einer fixfertigen Halle aus den Beständen der Landi-Ausstellung dürfte zu dieser Zeit willkommen gewesen sein. Einer Inventarliste im Besitz der heutigen Attisholz Infra AG ist eine Beschreibung der Halle aus dem Jahr 1990 zu entnehmen.

Demnach handelte es sich nicht um die Übernahme einer ganzen Halle, sondern: «Die wichtigsten Konstruktionsteile dieser Halle wurden von der Schweizerischen Landesausstellung Zürich 1939 übernommen. Das hölzerne Tragwerk diente dort der Chemiehalle (Angabe Urs Viktor Sieber).»

Urs Viktor Sieber (1942), Enkel von Hermann Sieber, weiss, dass die Halle ursprünglich kleiner war. Die Breite von 30 Meter ist original, aber die Halle wurde im Zweiten Weltkrieg, als das Dach von der schweren Schneelast eingedrückt wurde und repariert werden musste, um rund die Hälfte verlängert.

Dass die Cellulose Attisholz die Halle übernehmen konnte, dürfte, so Sieber, auf die Verbindungen zu den Chemiefirmen, welche an der Landi die Chemiehalle organisierten, zurückzuführen sein. Während des Krieges wurde in der Nordostecke der Halle für den Luftschutz eine Truppenunterkunft eingerichtet. «Als Chemiebetrieb musste man mit einer Bombardierung rechnen.»

Zur 75-Jahr-Feier der Cellulose Attisholz im Jahr 1956 diente die Halle als Festort. «Die Cellulose-Ballen, die je etwa 200 Kilo wogen, wurden auf einer Seite bis unters Dach gestapelt, damit Platz frei wurde für die rund 1200 Feiernden», berichtet Urs Viktor Sieber. Und auch Fahrzeuge der GM Biel wurden schon in der Halle gelagert.

Abbau im Sommer oder Herbst

Mit einem Brückenkran kann die ganze Halle, bis auf Ausnahme der drei Meter von der Aussenwand entfernten Ständer für die Tragbalken, erschlossen werden. Zudem führt ein Gleis mitten durch die Halle.

In der Beschreibung aus dem Jahr 1990 ist weiter nachzulesen, dass die Halle mit den 9 Segmentbindern um einige Binderelemente verlängert wurde. Verzichtet wurde auf eine shedartige Dachgestaltung mit senkrechten Glasflächen. Stattdessen wurden Fensterbänder in die Welleternitverkleidungen der Längswände angeordnet.

Laut Guido Keune, Abteilungsleiter Immobilienentwicklung beim kantonalen Hochbauamt, soll die Halle im Sommer oder Herbst abgebaut werden. «Natürlich sind wir offen für eine Nachnutzung. Aber das ist nicht einfach.»