Es ruhen sicher zwei Seelen in seiner Brust: das Konstruktive, Lineare und das eher malerisch Wirkende. Doch das Thema «Raum» bestimmt stets die künstlerische Haltung bei Percy Slanec. Der Raum als Phänomen, als bildnerisches Moment, als Spiel mit der Wahrnehmung, gesteigert nun in universelle sphärische Stimmungen, die sich der greifbaren räumlichen Idee entziehen – auch wenn partiell horizontale Verdichtungen die Vorstellung einer räumlichen Dimension erahnen lassen.

Dazu sprüht Slanec in mehreren Schichten den Grafit auf das Papier bis zu kompakten Verdichtungen, erweitert mit lichter und sukzessiver, mit fein nuancierter und sich steigernder Dichte und Transparenz die Vorstellung und Wahrnehmung räumlicher Ideen. Auch wenn er sich auf frühere Werke aus dem Jahr 1987 beruft, in denen das Spiel mit Licht und Dunkel die Arbeiten malerisch gewichtet, in diesen Arbeiten lotet der 1953 geborene Künstler mit den feinen und dichten Grafitsprenkeln von Hell nach Dunkel aufbauend die Zeichnungsräume zu «atmosphärischen» Wirkungen stimmungsdicht aus. Licht und Schatten, Tiefe, Transparenz und Dichte, Ahnbares und Losgelöstes bilden eine Einheit. Sie sind mehr zeichnerische Lyrik als konstruktiver Gedanke. Wie breit die Spannbreite trotz der Reduktion auf das Wesentliche ist, zeigen die anderen zeichnerischen Arbeiten. Die räumliche Dimension erweist sich als Illusion oder konstruktive Imagination.

In der Collage konstruiert Percy Slanec mit einfachen Mitteln eine raffinierte dreidimensionale Illusion oder erzeugt mit konstruktiv gegeneinander gesetzter lichter und kompakter Dichte die diskrete Spannung einer zeichenhaften Anspielung: Ist es eine Kiste? Ist es der Schatten eines Raumes? Die Assoziation ist frei. Wie er überhaupt treffsicher mit elementaren Mitteln und ausgeprägter Konzentration das zeichnerisch Zweidimensionale in ein sinnlich-wahrnehmbares Dreidimensionales steigert.

Mit seiner in der Kapelle zentrierten «Feuerstätte» wie auch der umgekehrten Entsprechung im Spiegeltischsaal hat Slanec wieder auf die Eisenstäbe zurückgegriffen. Weniger jedoch als architektonisches Konzept denn vielmehr als ein – geschmiedetes – archaisches Zeichen, das mit den zentrisch um eine Nabe gebogenen langen Eisenstäben durchaus martialisch wirkt, dabei vertraut mit der sakralen Umgebung und dem linearen Anspruch.

Linie als künstlerische Essenz

In dieser wohltemperierten und auf das Wesentliche konzentrierten Ausstellung zeigt sich mit den Arbeiten von Daniel Breu, aus Solothurn gebürtig und aufgewachsen, in Bern lebend, die vielseitige Intensität und die Wandelbarkeit des Zeichnungsraumes. Auch der 1963 geborene Breu arbeitet mit elementaren zeichnerischen Mitteln – mit der Linie. Eine Linie, die er bis zur tiefdruckgrafischen Wirkung steigert, wobei es weniger um die grafische Wirkung als vielmehr um den zeichnerischen Akt geht.

Die Linie als künstlerische Essenz in einem minuziösen zeichnerischen Akt also ist wichtig. Sei es als formales Mittel, um landschaftliche Geschichten zu inszenieren wie Gebirge an Seen, karstige Nahsichten, Felsformationen. Oder um konstruktive Geschehen zu generieren, die mit den wellenförmigen Strukturen durchaus an Felsiges oder Wellenartiges erinnern. Dicht an dicht und eindrücklich gleichmässig gesetzt, beinahe wie schraffierende, ja abrasive Eingriffe in das Papier – als Schablone dienen zersprungene Glasscheiben mit ihren linearen Rissen – variiert Daniel Breu die zeichnerische Ästhetik linearer Formgebungen. Er verdichtet die Linie bis zur scheinbaren Monochromie, lässt Wolkiges erblühen, schwebende Bewegungen, inszeniert mit dem Stift das Papier, oder inszeniert das Grafit als komplexe Materialität.

Kleinster gemeinsame Nenner

Vor allem aber in den kompakten Verdichtungen mit den lichten Effekten nähert sich Daniel Breu Percy Slanecs Bildwirkungen als kleinstem gemeinsamem Nenner ihrer «Zeichnungsräume». Wenn da nicht in der Nahsicht diese wellenartig sich formierenden, linearen Strukturen wären, die Breu als Urheber dieser zeichnerischen Strategien beweisen.

Bis 25. September. Mi/Do 16–19 Uhr, Sa/So 14–18 Uhr. Jazz-Matinee: Sonntag 11. 9., 11 Uhr, Künstlergespräch, Sonntag, 25. 9., 11 Uhr.