Neun Kinder spielen in der Aula des Schulhauses Langendorf «Ziggi». Wen es «het», hämmert aus Enttäuschung mit den Fäusten auf den Boden, springt jubilierend in die Luft oder macht wütende Grimassen. Es ist Theaterwerkstatt, und die Mädchen und Knaben aus der vierten bis sechsten Klasse sind beim Einwärmen. Im Rahmen des Ferienpasses Langendorf bietet Susanne Zimmermann bereits zum dritten Mal diesen Kurs an. Angestellt bei der Schulverwaltung arbeitet sie nebenberuflich als Theaterpädagogin, Theaterautorin und Regisseurin.

Dem Einwärmen folgen Improvisationsübungen. Jedes Kind wird zu einem Radio, dann schaltet jemand durch die verschiedenen Sender. Langsam trauen sich die Kinder mehr zu, und sobald die letzten Hemmschwellen überwunden sind, gibt es kein Halten mehr. Von Verkehrsnachrichten (überall Stau!) über Sport (Tooor, 1:0 für YB) bis hin zu Verbraucherinformationen (Woran man Bio-Eier und die Qualität der Tierhaltung erkennen kann.) gibt es alles zu hören.

Und zu sehen: Aus den Radiosendungen werden nämlich plötzlich TV-Shows. Mit Krawatte und Pinsel fechten zwei Duellanten in einem Actionfilm einen Kampf auf Leben und Tod aus, in einem Western kommt es zu einem Showdown und in den Nachrichten erfährt man vom Eishockey-Match zwischen Winterthur und St. Gallen (Ausgang unklar).

Impressionen aus dem Kurs Theaterwerkstatt des Ferienpasses Langendorf. Viel dreht sich ums Improvisieren.

Impressionen aus dem Kurs Theaterwerkstatt des Ferienpasses Langendorf.

Kreativität ist gefragt

Nach einer Verschnaufpause gilt es so richtig ernst: Es geht ans Verkleiden. Minutenlang wühlen die Kinder in Säcken voller Perücken, Sonnenbrillen und Kostümen, bis schliesslich alle mit ihrem Aussehen zufrieden sind. Nun kann richtiges Theater gespielt werden. In verschiedenen Szenen dürfen die Kinder ihr schauspielerisches Können unter Beweis stellen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Vorschläge, wovon so eine Szene handeln könnte, bekommen die Kinder zwar mit auf den Weg, für alles Weitere sind sie aber selbst zuständig. Und sie lassen sich nicht zweimal bitten.

In einer ersten Szene sucht eine Familie Rat, weil ihr Baby nicht mit Schreien aufhört. Die professionelle Hilfe rät: Nehmen Sie es hinaus, sobald ihm kalt wird, beruhigt es sich dann schon. Und direkt geht es weiter zur nächsten Szene: Ein etwas desinteressiert wirkender Lehrer versucht vergebens, der Klasse eine Fremdsprache beizubringen.

Als die Aussichtslosigkeit des Unterfangens offensichtlich wird, greift er ganz tief in die Trickkiste: «De göit doch hei.» So geht es fast eine Stunde lang weiter, immer wieder unterbrochen von minutenlangem Umkleiden und Diskutieren. Zwischendurch muss Zimmermann den Eifer etwas bremsen, anhand einer eben gespielten Szene macht sie die Kinder darauf aufmerksam, dass das Gezeigte nicht zwingend das Gleiche ist wie das Gesehene.

Und dann das grosse Finale: Eine Klasse bekommt eine neue Mitschülerin: die Tochter von Justin Bieber. Mit Handtäschchen und Sonnenbrille stolziert sie ins Klassenzimmer hinein. Die Reaktionen auf den Neuzugang fallen nicht gerade schmeichelhaft aus.

Ferienpass Langendorf: Vier Teilnehmerinnen sagen, was ihnen am Theaterkurs gefallen hat

Ferienpass Langendorf: Vier Teilnehmerinnen sagen, was ihnen am Theaterkurs gefallen hat.

Nächstes Jahr wieder

Am Ende ist Susanne Zimmermann begeistert. Und auch beeindruckt davon, wie gut die Kinder mitgemacht haben. Was ihr denn zum Thema noch auf dem Herzen liege? «Vielleicht, dass Theater etwas stärker in die Schule integriert wird.» Und was meinen die Kinder zum Erlebnis? Besonders, dass sie eigene Szenen kreieren durften, stösst auf grossen Anklang. Ob sie denn nächstes Jahr nochmals hingehen würden? «Joo.»