Wie gehts weiter?

Die Jugendarbeit ist aus Bellach und Selzach verschwunden

Beispiel eines Angebots der Jugendarbeit in Selzach: Jugendliche gestalteten mit Graffiti die Unterführung. Archiv

Beispiel eines Angebots der Jugendarbeit in Selzach: Jugendliche gestalteten mit Graffiti die Unterführung. Archiv

Im Sommer lief das Mandat der gemeinsamen Schule für die Jugendarbeit in den beiden Gemeinden Bellach und Selzach aus. Ist die Jugendarbeit kein Bedürfnis mehr?

Bellach und Selzach betreiben aktuell keine Jugendarbeit mehr. Was bis vor kurzem im Mandat durch die gemeinsame Schule Belose (Bellach/Lommiswil/Selzach) für die zwei Gemeinde erledigt wurde, fand mit der Kündigung von Selzach ein abruptes Ende. «Selzach wollte nicht mehr, weil das Angebot von den Selzacher Jugendlichen kaum genutzt wurde, und Bellach wollte es anschliessend nicht alleine stemmen», erzählt Bellachs Gemeindepräsident Roland Stadler (FDP) die kurze Geschichte zum Aus der Jugendarbeit.

In Bellach beschloss daraufhin der Gemeinderat, die Jugendarbeit neu zu überdenken und ein Konzept zu erarbeiten. Das Konzept soll sich auf eine Bedürfnisabklärung abstützen und die Gesamtkosten dürfen den bisherigen Budgetbetrag nicht übersteigen.

«Momentan kein Bedürfnis»

Die Grundfrage ist: Braucht Bellach überhaupt eine Jugendarbeit? Er sei überzeugt, dass jede Jugend ihren Freiraum brauche, sagt Roland Stadler. «Das hat sich in den letzten fast 50 Jahren nicht geändert. Die Jugend sucht immer wieder Räumlichkeiten, in denen sie sich nicht konsumorientiert, selbstbestimmt ausprobieren kann.» Trotzdem sei die Frage schwierig zu beurteilen. Die Jugendarbeit stehe grundsätzlich in einem steten Wandel, weil die Jugendlichen rauswachsen und neue nachkommen.

Mitentscheidend seien aber auch die anbietenden Personen, die Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter. «Andererseits ist das Kulturangebot in der Region riesig. Und im Sportbereich haben wir Vereine. Nur schätzen viele Leute das Vereinsleben nicht.» Es sei daher, so der Bellacher Gemeindepräsident, richtig, dass eine Arbeitsgruppe eingesetzt wurde, welche das Bedürfnis zuerst abklärt. Er könne sich auch eine Vernetzung in der Region vorstellen, so Stadler.

In Selzach hat die Gemeindepräsidentin Silvia Spycher (FDP) vom Gemeinderat den Auftrag erhalten, die Jugendarbeit wieder ins Leben zu rufen. «Im Moment ist diese aber vollständig verschwunden. Sie entspricht nicht dem Bedürfnis unserer Jugendlichen. Sie haben keinen Zugang gefunden, deshalb haben wir die Jugendarbeit aufgekündet», erklärt Silvia Spycher.

Sie mache sich deswegen keine Gedanken, werde aber das Gespräch mit Roland Stadler oder allenfalls weiteren Gemeinden suchen. «Wir werden mit Bellach und der Schule das weitere Vorgehen koordinieren.» Aber im Grunde genommen, sei bei den Selzacher Jugendlichen kein Interesse vorhanden. «Die Einführung von Jugendarbeit ist bei uns keine politische Frage, sie entspricht momentan einfach keinem Bedürfnis.» Die Jugendlichen seien sehr mobil und wollen nicht auf dem Lande etwas unternehmen.

«Jugendarbeit ist wichtig»

In Bellach ist die Arbeitsgruppe intensiv dran. Erste Resultate erwünschte sich der Gemeinderat im September. Aber bereits im August erklärte die Präsidentin der Arbeitsgruppe, die 23-jährige Cindy Aebi (FDP-Ersatzgemeinderätin), dass der Zeitrahmen zu knapp sei und im September noch keine Resultate vorliegen werden. Bis anhin hat die Arbeitsgruppe die vergangenen Jahre der Jugendarbeit dokumentiert. «Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden», erklärt Arbeitsgruppen-Mitglied Martin Röthlisberger (SP).

Nun will man eine Umfrage starten. Laut Cindy Aebi sollen Oberstufen-Schülerinnen und -Schüler, sowie Lehrkräfte befragt und eine Bedürfnisabklärung gemacht werden. Sie habe selber das Angebot der Jugendarbeit nie genutzt, erklärt Cindy Aebi. «Ich hatte keine Zeit neben der Schule und meinen Hobbies wie Reiten und Schiessen. Ich war ziemlich beschäftigt.» Aber sie findet die Jugendarbeit wichtig und würde es bedauern, wenn im Falle eines Falles die Jugendarbeit nicht mehr angeboten wird.

Im Moment ist nordwestlich von Solothurn ein Vakuum in Sachen Jugendarbeit festzustellen. Ein Ausweichen beispielsweise nach Langendorf, was von Seiten der Bellacher Behörden ausdrücklich nicht erwünscht wird, ist den Jugendlichen aktuell gar nicht möglich. Dort ruht der Jugendarbeit ebenfalls.

Der aktuelle Jugendarbeiter fällt seit geraumer Zeit aus gesundheitlichen Gründen aus. Laut Kurt Kohl, Gemeindeverwalter in Langendorf, hat die Jugendkommission den Auftrag eine Stellvertretung zu finden.

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