Leberberg
Die Jagdhorngruppe Wandfluh will sich von den Jägern trennen

Die Bläser trennen sich von den Jägern des Hegerings Leberberg, obwohl sie offiziell gar nie zusammen waren. Die Präsidenten beider Vereine bedauern diese Entwicklung.

Urs Byland
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Jäger und andere Bläser lassen die Jagdhörner ertönen.

Jäger und andere Bläser lassen die Jagdhörner ertönen.

Oliver Menge

Wenn die Jagdhörner ertönen, sind nicht nur die Jägerinnen und Jäger ergriffen. Auch in der Öffentlichkeit erfreuen die Bläserinnen und Bläser mit ihren simplen Hörnern die Gemüter der Zuhörenden. Auerhahn Luzern, Lengnauer Füchse, Waldkauz Winterthur oder die regionale Jagdhorngruppe Wandfluh-Bettlach sind die besten Werbeträger für eine Zunft, die von vielen Seiten angeschossen wird. Aber wer Erfolg hat, hat nicht immer keine Probleme.

An der Generalversammlung des Hegeringes Leberberg wurde der Vorstandsentscheid, nicht mehr an der Oberdörfer Chilbi teilzunehmen, bedauert. Bisher war die Standorganisation an der Oberdörfer Chilbi eine Sache der Jagdhornbläser Wandfluh-Bettlach, natürlich immer mithilfe Kollegen aus dem Hegering. Zweimal nun machten die Bläser, die schon seit Jahren in Oberdorf mitmachen, mit dem Hegering auch offiziell gemeinsame Sache.

«Unglückliche Umstände haben beim ersten Mal dafür gesorgt, dass wir mit dem Stand kaum verdienten», erklärt Walter Frei, Präsident des Hegerings Leberberg. Die unglücklichen Umstände waren eine Terminkollision mit der Lommiswiler Chilbi, so die Meinung Freis, sowie aus seiner Sicht eine gewisse Unordnung. «Es braucht halt etwas Disziplin, genügend Auftritte zu absolvieren», umschreibt Walter Frei die Problematik.

Er habe daraufhin die Regie des nächsten Anlasses ad interim übernommen. «Das hat – eben mit der nötigen Disziplin – gut geklappt, und wir haben innert weniger Stunden einen tollen Erlös gemacht.» Aber der Vorstand des Hegeringes Leberberg beschloss nun dennoch, nicht mehr an der Oberdörfer Chilbi mitzuwirken. «Gegen meinen Willen, ich hätte gerne weitergemacht, aber ich bin nicht allein im Vorstand des Hegeringes Leberberg», sagt Walter Frei. Denn sehr am Herzen liege ihm der Austausch mit der Bevölkerung, um diesem das sensible Thema Jagd näherzubringen.

Ungewollte Trennung

Der Vorstandsentscheid fand noch in der gleichen Nacht eine Replik. Anton Pürro, Bläser, aber auch Vorstandsmitglied des Hegerings, formulierte in einem Brief an die Generalversammlung der Bläser den Antrag, künftig nicht mehr für den Hegering zu blasen. Und wenn die Jagdhorngruppe Wandfluh-Bettlach für den Hegering Töne dem Blech entlocken soll, dann nur gegen Bezahlung. Es habe ihm nicht gepasst, dass die Bläser keine Unterstützung mehr vom Hegering erhalten sollten. Dabei: «Wenn wir Bläser auftreten, machen wir immer Öffentlichkeitsarbeit für die Jäger», sagt Anton Pürro.

Walter Gfeller, Präsident der Jagdhorngruppe winkt ab. «Wir sind das Bläsercorps des Hegerings, haben bisher immer etwas Geld erhalten und an allen Anlässen des Hegerings gespielt. Aber nun hat man gemerkt, dass wir gar nirgends in den Statuten des Hegerings vermerkt sind», so Gfellers Version. «Wir sind also ein unabhängiger Verein.» Der Trennungsantrag für etwas, das formal gar nicht zusammen ist, sei angenommen worden. Künftig müsse der Hegering jeweils anfragen und bezahlen.

«Gegen den Strich»

«Wir wollen nicht grundsätzlich gegeneinander arbeiten, aber so haben wir eine klare Linie», findet Antragssteller Anton Pürro. Denn die Bläser haben jährlich gegen 20 Auftritte und proben jede Woche. Zudem seien nicht alle Bläser auch Jäger.

«Der Entscheid der Bläser geht mir natürlich gegen den Strich», sagt ein verärgerter Präsident der Jagdhornbläser. Er, Walter Gfeller, sei aber zuversichtlich, dass es bald wirklichen einen Zusammenschluss geben wird. Ein entsprechender Antrag werde bereits an der nächsten Generalversammlung der Bläser vorliegen.

Heirat nicht ausgeschlossen

Hegering-Präsident Walter Frei bedauert die Entwicklung ebenfalls. Er sei zudem enttäuscht, dass aus der Hegering-Versammlung kein Gegenantrag zum Vorstandsentscheid gekommen ist. Der Hegering werde nun statt an der Chilbi am 19. Mai am Solothurner Samstagsmäret Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache betreiben. «Wir wollen den Interessierten vermitteln, wie sie sich bei einem Unfall mit Wild zu verhalten haben.»

In der Sache mit der Jagdhorngruppe strebe er eine stärkere Anbindung an, «beispielsweise als eine Untersektion des Hegerings». Es sei ein turbulentes Jahr gewesen, so Frei, aber er sei guten Mutes, dass wieder Ruhe in der Jägerschaft einkehren wird.