Grundwasservorkommen

Die Hälfte der Solothurner bezieht Wasser aus dem Wasseramt

Im einer Serie gehen wir den unterschiedlichen Facetten des Wassers nach. Teil 1 dreht sich ums Grundwasser und damit um die Frage: Woher kommt eigentlich unser Trink- und Brauchwasser?

Grundwasser ist unsichtbar. Im Wasseramt allerdings stösst es teilweise ohne technische Hilfe an die Oberfläche und sammelt sich sichtbar für alle. Grosse Teile des Wasseramtes liegen auf einem riesigen Grundwasserstrom, der vom Emmental her bis zur Aare zieht.

Das Wasser ist je nach Gemeinde nur gerade eineinhalb bis sechs Meter unter der Erdoberfläche, was das Bauen nicht immer einfach macht. Am stärksten zu spüren bekommen das die Bauherren in Recherswil.

Wasser für Grenchen

Was die Bauherren nicht freut, freut die städtischen Werken Grenchen (SWG). Eines der Pumpwerke der Gruppenwasserversorgung Grenchen im Wasseramt steht im Erlenmoos in Recherswil. Im Innern des Pumpwerkes ist der Grundwasserspiegel im Brunnen ablesbar. Zirka drei Meter unter der Oberfläche steht das Wasser.

Grenchen und die Gruppenwasserversorgung konsumieren täglich zwischen 5000 bis 9000 Kubikmeter (5 bis 9 Millionen Liter), wie Gerd Rettschlag (Bereichsleiter Infrastruktur+Technologie, SWG) vor Ort erklärt. Man spüre den Unterschied zwischen den Wochentagen und dem Wochenende stark, so Rettschlag. «Am Wochenende brauchen wir zwischen 1000 bis 1500 Kubikmeter weniger.»

Die Pumpen laufen durchschnittlich zwei bis drei Stunden pro Tag. Eigentümer des Grundwassers ist der Kanton Solothurn. Die Behörden vergeben Konzessionen. «Die Menge, die wir pumpen dürfen, ist beschränkt.» Das mache auch Sinn, wie Rettschlag erklärt. Würde man dauernd zu viel Grundwasser abpumpen, dann würden Biotope und Bäche irgendwann weniger Wasser führen und schliesslich wohl ganz austrocknen.

Kies und Wasser im Untergrund: Geologe Pieter Ouwehand erklärt, wie das mit dem Grundwasser funktioniert

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Ständige Erneuerung

Das Grundwasservorkommen wird ständig wieder aufgebaut, ebenso verliert es ständig Wasser. Ungefähr die Hälfte des Grundwassers im Wasseramt stammt aus dem unterirdischen Grundwasserstrom, ein Drittel stammt aus Bächen, Flüssen und Kanälen, der Rest aus Niederschlägen. Anders ist die Verteilung beim Wegfluss. Um die 26 Prozent werden als Trink- und Brauchwasser genutzt. Der grösste Teil tritt als sogenannte Grundwasserinfiltration in die Oberflächengewässer aus. Nicht umsonst ist das Wasseramt von unzähligen kleineren und grösseren Bächen durchzogen. Das meiste Wasser geht aber in die Aare und die Emme.

Im Mittelland liegt das Grundwasser im Lockergestein. Dies ist typisch für Täler, die in der Eiszeit entstanden. Zwischen den Sandkörnern und Kieselsteinen gibt es viele kleine Poren. Die Poren machen bis zu einem Fünftel des Schotters aus. Darin kann das Grundwasser gespeichert werden. Das Lockergestein filtert und absorbiert zudem Schadstoffe, sodass das Grundwasser in aller Regel ohne Behandlung als Trinkwasser genutzt werden kann.

Spezielles Phänomen

Peter Ouwehand (Geschäftsleitungsmitglied bei Wanner, Geologie und Umweltfragen, Solothurn) ist Geologe und kennt das Wasseramt – wenn es um Wasser geht – fast wie seine Westentasche. «Es ist aber schon ein spezielles Phänomen, dass man das Wasser hier sowohl für die Niederdruckversorgungen als auch für die Trinkwasserversorgung, die über Pumpwerke funktioniert, nutzen kann.» So gibt es im Wasseramt auch heute noch diverse Niederdruckwasserversorgungen. Deren Wasser hat in aller Regel Trinkwasserqualität, wird aber meist nur für Brunnen genützt.

Wasser gibt dem Wasseramt seinen Namen. Die Hälfte der Bevölkerung des Kantons Solothurn bezieht ihr Trink- und Brauchwasser aus dem Wasseramt. Wir gehen in einer Serie den völlig unterschiedlichen Facetten des Wassers nach.

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