Die Gruppe Fokus Riedholz ist wieder aktiv geworden. Wer genau diese Gruppe ist, bleibt aber bis auf den früheren Gemeindepräsidenten Willi Lindner und den früheren Gemeinderat Stefan Ruch weiterhin unklar. «Es ist jedem überlassen, ob er sich outen will», erklärt dazu Lindner, der sich als Kommunikationsverantwortlicher der Gruppe bezeichnet. «Manche befürchten halt Nachteile.»

Die Gruppe hat zuletzt mit sechs Interpellationen auf sich aufmerksam gemacht, in denen quer durch das ganze Spektrum Fragen zur Politik der Behörden gestellt wurden, und die an der letzten Gemeindeversammlung vom Gemeinderat beantwortet wurden. Unausgesprochen hingen damals Vorwürfe in der Luft, dass die Kommissionen und die Verwaltung nicht gut genug arbeiten würden, und die Gemeinde deswegen Geld verliere.

Nach dem gleichen Schema «informiert» nun die Gruppe Fokus Riedholz in ihrem Flyer, der in die Haushaltungen von Riedholz verteilt wurde. Darin wird von «Informationsdefiziten» gesprochen, die im Dialog zwischen Behörden und Einwohnern bestehen würden. Fokus Riedholz will diese Defizite beheben, indem sie Fragen zu Investitionen stellt, «die unweigerlich Konsequenzen auf den Steuerfuss» haben würden. Im Flyer werden die Sanierung oder Neubau Turnhalle, Attisholz Nord, der Ausbau der Waldturmstrasse sowie der öffentliche Verkehr thematisiert. Diese Investitionen führen dann in den Befürchtungen von Fokus Riedholz zu Steuererhöhungen. In einem zweiten Teil ihrer Info bezichtigt Fokus Riedholz die Behörden, beim Gemeindeversammlungs-Geschäft zur neuen Spitex-Leistungsvereinbarung gelogen zu haben.

Gesprächsangebot

«Was tun mit diesem Flyer», war die Frage an der Sitzung des Gemeinderates, der dezimiert tagte, weil Gemeindepräsidentin Jasmine Huber und Gemeinderätin Stephanie Ritschard kurzfristig absagen mussten. «Wir machen dasselbe, was wir auch schon das letzte Mal gemacht haben», schlug der Ressortverantwortliche Finanzen, Martin Reber, vor. «Wir laden die Gruppe Fokus Riedholz in den Gemeinderat ein. Die letzte Einladung zu einem Gespräch wurde abgeschlagen. Vielleicht klappt es jetzt?»

Vizegemeindepräsident und Sitzungsleiter Beat Graf erklärte, dass er von einigen Einwohnern auf diesen Flyer angesprochen worden sei. «Sie wollten wissen, wer dahinter steckt und warum erneut Anschuldigungen auftauchen.» Sandra Morstein findet das Gesprächsangebot sinnvoll. «Wir sind bereit für ein Gespräch und können dann auch Hintergrundinformationen geben.» Sie wünsche sich aber, dass die Gruppe, wenn sie schon Transparenz einfordere, diese auch leben soll, und die Mitglieder der Gruppe sich namentlich zu erkennen geben sollten.

Vorwurf der Willkür

Schwerer wiegt der Vorwurf der Lüge im Bereich der Spitex. Hier werden teilweise historisch geänderte Tarife und Leistungen von Fokus Riedholz hinterfragt. Dabei wird geschrieben, dass diese Spitex-Dienstleistungen willkürlich festgelegt worden seien. Die Gruppe Fokus Riedholz sieht aufgrund ihren Annahmen Mehrausgaben von 76 000 Franken. Die Anschuldigungen werden vom Gemeinderat aus seiner Sicht Punkt für Punkt wiederlegt und erklärt. Auch hier wurden aber die Anschuldigungen nicht weiter diskutiert. «Wir müssen uns nicht rechtfertigen», so der Tenor.

«Ein Gespräch ist immer gut»

Die Gruppe Fokus Riedholz will sich das Gesprächsangebot überlegen. «Ein Gespräch ist immer gut», so Lindner. «Das Problem dabei ist, was denn eigentlich der Sinn des Gesprächs sein soll.» Wohl habe ein Umdenken stattgefunden, erklärt Lindner, aber er habe den Eindruck, «man will uns nur besänftigen».