In die vom ABB-Konzern hinterlassenen Industriebrache in Deitingen ist definitiv wieder Leben eingekehrt: Nach der Schliessung der Fertigung von Turboladern für Schiffsmotoren 2014 standen die riesigen Hallen vorerst leer.

Vor genau einem Jahr ist dann die Solarmodulproduzentin Megasol eingezogen. Und am Donnerstag nun wurde die neue Fabrik offiziell eingeweiht. Kaum mehr etwas erinnert an die vorherige Schwerindustrie, die Hallen sind hell und in leuchtendem weiss gestrichen. Darin werden mit Robotern und auf voll automatisierten Produktionsanlagen fast filigrane Solarmodule produziert.

«Grösste Anlage in der Schweiz»

«Mit einer Jahreskapazität von 280'000 Solarmodulen ist es die grösste Anlage in der Schweiz», erklärte an der Eröffnung Mitgründer und CEO Markus Gisler. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es hierzulande fast keine anderen Fertigungsbetriebe für Solarmodule gibt. Wie hoch die Kapazitäten aber sind, zeige sich im europäischen Vergleich, ergänzte Daniel Sägesser, Kommunikationsleiter und ebenfalls Mitgründer.

Megasol in Deitingen: Einblick in die grösste Solarmodul-Produktion der Schweiz

Einblick in die grösste Solarmodul-Produktion der Schweiz

In Europa befinde sich Megasol mit der in Energie gemessenen Kapazität von 80 Megawatt unter den Top Ten. Nach der Übernahme des leerstehenden ABB-Areals vor Jahresfrist wurden die bisherigen Standorte von Wangen an der Aare, Wiedlisbach, Zuchwil und Langenthal dorthin gezügelt. In den Ausbau der zuvor in Langenthal stationierten Produktionsanlagen habe man rund vier Millionen Franken investiert; die Kapazität wurde verdoppelt.

Kein Massengeschäft

Während andere Grosshersteller, in Deutschland etwa, angesichts der Solarmodul-Schwemme aus China nach Europa kapitulieren mussten, will Megasol weiter wachsen. Wie ist das möglich auf dem vergleichsweise teuren Werkplatz Schweiz?

Man konzentriere sich nicht auf den Massenmarkt, sondern auf Spezialitäten, erläuterte Gisler auf dem Betriebsrundgang. Roboter beladen ein Förderband mit den Glasscheiben, welche vier Mal härter sind als gewöhnliches Fensterglas. Auf dem Weg durch die riesige vollautomatische Fertigungslinie werden eine Spezialfolie und die eigentlichen Solarzellen (diese stammen aus Taiwan) aufgelegt, die Kontakte hochpräzise verlötet.

Eingepackt mit einer zweiten Glasauflage werden die Solarzellen auf vier Linien einlaminiert, sozusagen mit 160 Grad eingebacken. Die Doppelglas-Module können als Fassadenelemente eingesetzt werden. Das sichtbare Frontglas sei stark lichtdurchlässig und beliebig gestaltbar – bezüglich Grösse, Farbe und Form. Die Solarzellen selbst sind nicht sichtbar. Die Solarmodule mutieren so zum Baustoff für die Gebäudehülle.

Die gebäudeintegrierte Photovoltaik sei ein Zukunftsmarkt, hiess es weiter. Obwohl die Deitinger teurer seien als die Konkurrenz, amortisiere sich eine Solarfassade dank der langen Lebensdauer von 50 Jahren und dem regelmässigen Ertrag in Form von Strom relativ rasch.

Deshalb seien die Megasol-Produkte interessant für grosse Immobilienbesitzer wie Pensionskassen oder Versicherer, aber auch für Einfamilienhausbesitzer. Die Auftragslage sei gut und die Anlagen seien derzeit voll ausgelastet, sagte Daniel Sägesser. Den Exportanteil beziffert er auf 30 Prozent. Umsatzzahlen werden keine bekannt gegeben, aber man befinde sich auf Wachstumskurs.

Zahl der Arbeitsplätze verdoppeln

Aktuell beschäftigt Megasol in Deitingen 80 Mitarbeitende. Hinzu kommen 20 Arbeitsplätze von Drittfirmen, die sich im gleichzeitig auf dem Areal eröffneten Cleantech-Businesspark angesiedelt hätten. Bis im Jahr 2020 sollen zusätzlich 4000 Quadratmeter Produktionsraum geschaffen werden und die Zahl der Arbeitsplätze – Megasol und Businesspark zusammen – soll sich auf rund 200 verdoppeln.

Das 1993 gegründete Unternehmen führt seit 2004 auch einen Betrieb in China. Dort werden mit 120 Angestellten standardisierte Solarmodule vor allem für den asiatischen Markt produziert.

Dass in Deitingen wieder produziert wird, sei grossartig, erklärte an der Eröffnungsfeier Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler. Insbesondere in Zeiten, in denen viele Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagerten, sei diese Ansiedlung für den Kanton Solothurn erfreulich.

«Hier sind Visionäre am Werk, die Gebäudehüllen fertigen, die auch Energie produzieren.» Und Gemeindepräsident Bruno Eberhard strich die Bedeutung der Ansiedlung der Hightechfirma für die Standortgemeinde hervor. Mit der Schliessung der Fabrik der ABB Turbo Systems vor zwei Jahren seien nicht nur Arbeitsplätze weggefallen, sondern auch ein guter Steuerzahler.

Sonnenschein für Arbeitsmarkt

Sonnenschein für Arbeitsmarkt

In Deitingen geht die grösste Solar-Fabrik der Schweiz geht an den Start. In Zukunft sollen bei der Firma Megasol 200 Arbeitsplätze entstehen. Auch TeleM1 war vor Ort.