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Die Genossenschafter pfeifen den Elektra-Vorstand zurück

Die Generalversammlung der Elektra äusseres Wasseramt (EAW) verlief turbulent. Die Genossenschafter wiesen die Rechnung 2016 zurück.

Urs Byland
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Edgar Schreier, Präsident Elektra Äusseres Wasseramt (Archiv)

Edgar Schreier, Präsident Elektra Äusseres Wasseramt (Archiv)

Stefan Bucher

Strub muss es zugegangen sein an der Generalversammlung der Elektra äusseres Wasseramt vor über zwei Wochen. Die Genehmigung der Jahresrechnung 2016 wurde verweigert. Der Vorstand erhielt keine Decharge. Im Gegenteil wurde eine Sonderprüfung der betrieblichen Aufwände durch eine externe Stelle in Auftrag gegeben. Dies berichtet ein besorgter Genossenschafter.

Es sei nicht das erste Mal, dass eine Generalversammlung mit grösseren Nebengeräuschen über die Bühne ging. Bereits 2016 musste eine ausserordentliche Versammlung durchgeführt werden. Er habe einen «sichtlich überforderten Präsidenten der EAW erlebt», berichtet der Genossenschafter. Abstimmungen mussten wiederholt werden. Neumitglieder, die noch nicht formell aufgenommen wurden, hätten mitgestimmt. Und der Vorstand habe sich in allen kritischen Abstimmungen geschlossen enthalten, dies sogar auch bei der Jahresrechnung, welche er selber der Versammlung zur Genehmigung vorgelegt hatte.

Ein weiterer Genossenschafter bestätigt, er habe schon etliche Generalversammlungen miterlebt, aber diese nun sei grottenschlecht geführt worden. «Alle haben kopfschüttelnd den Saal verlassen.»

EAW-Präsident Edgar Schreier bestätigt die Probleme, führt aber an: «Die Akustik war im Saal schlecht.» Es habe Diskrepanzen wegen der Stimmenzähler gegeben, weshalb er zuerst über eine neue Abstimmung abstimmen liess und danach nochmals über das Geschäft. «Da bestand ein Missverständnis.» Zum Vorwurf, formell noch nicht aufgenommene Neumitglieder hätten abgestimmt, erklärt Schreier: «Das entzieht sich meiner Kenntnis.»

Ungenügende Erklärungen

Die zuvor erwähnten Genossenschafter kritisieren zudem einzelne Posten der zurückgewiesenen EAW-Rechnung 2016. Sie könnten die «wahnsinnigen» Kosten nicht nachvollziehen. «Wir haben die mit den Finanzen beauftragte Firma gefragt, was mit dem übrigen direkten Aufwand von 34'214 Franken bezahlt werde. Es dauerte zehn Minuten, bis eine völlig ungenügende Erklärung herauskam.» Bemängelt werden zudem der Personalaufwand in der Höhe von 111'000 Franken sowie der Verwaltungsaufwand in der Höhe von 94'000 Franken.

Also beinahe eine Viertelmillion Franken Ausgaben für einen Betrieb ohne Festangestellte, der alle Arbeiten extern ausführen lässt. Eine Hochschulstudie über ähnlich strukturierte Schweizer Elektra-Unternehmen zeige, so einer der Genossenschafter, dass der Aufwand pro Zähler bei 40 bis 70 Franken liege. «Bei uns liegt dieser Wert bei 140 Franken.»

Präsident Schreier hat die Kritik wohl gehört. «Im Vergleich zu anderen Anbietern im Kanton Solothurn gehören unsere Strompreise zu den niedrigsten», holt er aus. «Es bestand Uneinigkeit unter den Genossenschaftern, wie der Gewinn verwendet werden soll. Hier ist die Verwaltung dazu angehalten worden, Lösungen zu präsentieren.» Er wisse auch, dass die Kosten kritisiert worden sind. «Das werden wir ebenfalls in der Tiefe abklären. Dazu werden wir einen Vergleich mit gleich gelagerten Elektrizitätswerken anstellen.» Er sei daran, diese Fragen abzuklären.

Organisation anpassen

Teilweise Unterstützung erhält Schreier von einem dritten Genossenschafter, der bei Vergleichen Vorsicht anmahnt. «Ich kenne die Studie nicht und kann nicht mit Sicherheit sagen, dass Gleiches verglichen wird.» Aber auch er sagt, dass an der Versammlung nicht alle Fragen geklärt worden seien.

Der Vorstand habe nun den Auftrag erhalten, die offenen Fragen zu klären. «Es geht dabei auch um Fragen, wie die Genossenschaft organisiert ist, ob man mit den richtigen Instrumenten arbeitet. Der Elektromarkt ist ja stark im Umbruch, vielleicht gibt es ja Varianten, die billiger sind. Aber vielleicht sind diese mit anderen Nachteilen behaftet.»

Erstes Anliegen muss es sein, die Dienstleistungen der EAW günstig zu erbringen. «Die Genossenschaft muss ja nicht primär Gewinn erzielen, aber die Kunden wollen gute Bedingungen.»

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