Aktuell kommt keine Gemeinderatssitzung oder Gemeindeversammlung in Riedholz um das Thema Attisholz Nord herum. Der sogenannte dritte Dorfteil, neben Niederwil und Riedholz, hat Potenzial in jeder Beziehung. Doch wo kann und wo muss die Einwohnergemeinde einwirken?

Betrachtet man das Räumliche Teilleitbild «Attisholz 2030», das in der Turnhalle an der Gemeindeversammlung den 65 anwesenden Stimmberechtigten vorgelegt wurde, erhalten die neuen Eigentümer viel Vertrauen in ihre Vorstellung von der Umgestaltung des Geländes. Dabei stechen zwei verbindliche Leitsätze ins Auge. So sind in den umgebenden Gehöften Ergänzungsbauten möglich. «Die künftigen Wohngebäude ergänzen die Bestandesbauten massvoll», so der Leitsatz. Präzisiert wird mit: Es sollen keine alleinstehenden Einfamilienhäuser errichtet werden, und die Ergänzungsbauten können jederzeit und unabhängig von der Etappierung erstellt werden. Die umgebenden Gehöfte und Villen glänzen natürlich mit der erhöhten Lage über der Aare. Weitere Wohnbauten profitieren ebenfalls davon.

Viel Vertrauen für die Besitzer

Der zweite Leitsatz, der auffällt, betrifft die Nutzung auf dem Industrieareal selber. Auch hier wird den Eigentümern der Firma Halter AG, die mit dem gesamten Führungspersonal an der Gemeindeversammlung teilnahm, viel Vertrauen entgegengebracht. Zwar steht im Leitsatz, dass der Industriecharakter und die bauliche Entwicklungsgeschichte des Standortes auch künftig spürbar und ablesbar sein sollen. Ein rücksichtsvoller Umgang mit der bestehenden Bausubstanz sei zwingend. Ein wirklicher Muss-Satz fehlt. Stattdessen steht geschrieben: «Wo möglich, sinnvoll und wirtschaftlich tragbar sind bestehende Schlüsselbauten und Anlagen zu erhalten und in eine künftige Bau- und Nutzungsstruktur zu integrieren.»

Der Leitbildplan für das Attisholz 2030.

Der Leitbildplan für das Attisholz 2030.

Aber es ist nicht zu befürchten, dass die Industriegebäude auf dem Areal alle plattgewalzt werden. Einige Hallen, Säureturm und Kamin müssen erhalten bleiben. Zudem behalten sich Kanton und Gemeinde vor, qualitätssichernde Verfahren einzufordern sowie ein Beratungsgremium einzuberufen. Letzteres müsse unabhängig und dauerhaft agieren. Aus der Versammlung gab es keine Fragen oder Diskussionsbeiträge. Das Teilleitbild, das die nächsten zehn Jahre beschreiben soll, wurde einstimmig angenommen. «Wir haben die Weichen gestellt. Unser dritter Dorfteil wird Realität», kommentierte Gemeindepräsidentin Jasmine Huber.

Keine Steuersenkung

An der ruhigen Gemeindeversammlung gab es im Weiteren einen konkreten, abgewiesenen und zwei verkappte Anträge. Die zwei verkappten Anträge hatten ebenfalls Attisholz Nord zum Gegenstand. In der Budgetberatung hatte Gemeinderat Martin Reber (Ressort Finanzen) anhand des Finanzplans von einer Steuersenkung abgeraten. Später erklärte Stefan Ruch, warum er eine Steuersenkung für juristische Personen von 115 auf 90 Prozente beantragen wollte, nun aber nach diversen Gesprächen im letzten Moment dies nicht tue. Er verlange stattdessen, dass der Gemeinderat bis zur nächsten Gemeindeversammlung das Thema studieren und dann informieren soll, was dieser tun will. Ruch begründete, dass das Minus in der Kasse mit rund 55'000 Franken gering sei im Vergleich zum Standortvorteil, den man mit dieser Aktion erreiche. «Gerade jetzt, wo wir Gewerbe im Attisholz Nord ansiedeln wollen, macht eine solche Steuersenkung Sinn.» Hintergrund der Gelüste bildet natürlich das positive Budget. Dieses rechnet bei Ausgaben von über 10 Millionen Franken mit einem Ertragsüberschuss von 66'700 Franken. Das Budget wurde einstimmig gutgeheissen.

Auch Pascal Rüede dachte an Attisholz Nord, als er unter Verschiedenem einen Antrag stellen wollte, das Geld, das Riedholz für die Zentrumslasten ausgibt, im Dorf zu behalten. «Warum sollten wir die Hoheit über unsere Kulturgelder abgeben, jetzt wo Attisholz Nord nach Geld für kulturelle Aktionen lechzt.» Seinen Antrag, das Geld in die Verantwortung der Kulturkommission zu geben, die im Attisholz Nord aktiv werden sollte, konnte er aber nicht stellen. Die Gemeindepräsidentin macht ihn darauf aufmerksam, dass dies nach Gesetz nicht möglich ist. «Wir müssen uns aber sicher diesbezüglich Gedanken machen», so Jasmine Huber. Die Kulturkommission suche das Gespräch mit Attisholz-Nord-Vertretern.