Die Derendinger Parteien hatten für die, Gemeindeversammlung reichlich mobilisiert. 89 Stimmberechtigte erschienen, um die Anliegen der SP auf der einen und der FDP sowie CVP auf der anderen Seite zu unterstützen.

2012 wurde eine Motion der Sozialdemokraten von der Gemeindeversammlung als erheblich erklärt. In dieser wurde verlangt, notwendige Schritte einzuleiten, um das Label Energiestadt zu erreichen. SP-Ortsparteipräsident und Gemeinderat Markus Baumann ermahnte die Stimmberechtigten, an die Jungen zu denken. «Wir haben die Verpflichtung eine moderne Gemeinde zu sein, welche auch zukünftigen Generationen gerecht wird.» Dafür sei das Label ein geeignetes Instrument, da es immer wieder dafür sorge zu schauen, ob man auf dem richtigen Weg sei.

Für den Erhalt des Labels müssen mindestens 50 Prozent der möglichen Bewertungspunkte erreicht werden. In einem ersten Prüfungsverfahren erhielt Derendingen 43 Prozent. Die Befürworter führten an, dass es ein Leichtes sei, die restlichen benötigten Punkte jetzt und für die Re-Zertifizierung zu erreichen. «Bereits mit kurzfristigen Massnahmen könnten weitere 9 Prozentpunkte generiert werden», sagte Vizegemeindepräsident Roger Spichiger.

Zweite Auszählung verlangt

Die Gegenseite – und mit ihr auch die Mehrheit des Gemeinderates – argumentierte, dass die Ziele des Labels bereits heute Allgemeingut seien und dafür keine teure Zertifizierung notwendig sei. «Hierbei handelt es sich lediglich um einen Papiertiger mit nicht zu unterschätzenden Projektkosten», sagte FDP-Ortsparteipräsident Michael Käsermann.

Ausserdem, so Käsermann weiter, gebe es bereits Gemeinden, welche wieder aus dem Label aussteigen würden, da dieses als unnötig und überteuert wahrgenommen werde. Florian Broghammer (FDP) erläuterte als Vertreter der von Baumann angesprochenen nächsten Generation, dass das Bewusstsein bei den Jungen durchaus vorhanden sei. «Dafür benötigen wir kein Label, bei dem viel Geld für die Bürokratie verbraten wird», erklärte Broghammer.

Nach der hitzig geführten Diskussion kam es während der Schlussabstimmung zu einigen Turbulenzen. Die Auszählung ergab zunächst ein Endergebnis von 43 zu 43, woraufhin der Gemeindepräsident mittels Stichentscheid das Begehren der SP versenkte. Bei diesem denkbar knappen Resultat verlangten die Unterlegenen nun allerdings eine Neuauszählung. Tatsächlich zeigte sich, dass es beim ersten Durchlauf zu einem Fehler gekommen war. Dies half den Befürwortern des Labels allerdings wenig, denn die Motion wurde auch beim zweiten Mal verworfen, mit 42 zu 41 Stimmen.

Für eine günstige Musikschule

Auch die folgende Debatte über die Musikschule war nicht minder stimmungsgeladen. Die SP verlangte in einer von 129 Einwohnerinnen und Einwohnern unterschriebenen Motion, den kostengünstigen Zugang für alle Kinder zur Musikschule als erheblich zu erklären. Darin wurde gefordert, dass der Elternbeitrag auf 120 Franken pro Jahr gesenkt wird.

FDP und CVP wollten jedoch nicht nur den monetären Aspekt der Musikschule behandeln. Sie forderten stattdessen in einer eigenen Motion die ganzheitliche Überprüfung und Neuausrichtung des Konzepts der Musikschule. Dies solle in einer Arbeitsgruppe geschehen mit Vertretern der Kommission für Gesellschaftsentwicklung, Musiklehrkräften, Vertretern der Musik- und Gesangsvereinen, Eltern und Musikschülern sowie der Musikschulleitung.

Beides erheblich erklärt

Markus Baumann erklärte, dass man der Motion der Bürgerlichen durchaus zustimmen könne. Es sei ihm allerdings schleierhaft, was der Nutzen sei, da es für eine Reglementsänderung keiner Motion bedürfe. Beide Motionen wurden von der Gemeindeversammlung für erheblich erklärt. Das Anliegen der SP mit 44 zu 33 Stimmen und jenes von FDP/CVP mit 60 zu 12 Stimmen. Somit wird ein neues Reglement erarbeitet, in dem aufgrund der Motion der Sozialdemokraten ein Tarif von 120 Franken für den Elternbeitrag festgeschrieben sein wird.

Ein Votum aus dem Saal machte deutlich, was viele nach dem zermürbenden Hin und Her dachten: «Früher gab es noch so etwas wie Konsenspolitik. Dann hätte es auch nicht zwei Motionen zu dieser Thematik gebraucht. Stattdessen hätte man eine Kompromisslösung präsentiert.»