Recherswil

Die Gemeinde wächst rasant – und mit ihr auch die Arbeitslast

Keine Gemeinde im Wasseramt ist so schnell gewachsen wie Recherswil.

Keine Gemeinde im Wasseramt ist so schnell gewachsen wie Recherswil.

Kein Dorf im Wasseramt legt bevölkerungsmässig so stark zu wie Recherswil. Das bringt Bürden mit sich.

Es sei kein Zufall, dass Recherswil in den letzten Jahren so massiv gewachsen ist. Gemeindepräsident Hardy Jäggi weiss die Vorzüge des Dorfes im äusseren Wasseramt natürlich zu würdigen. Fakt ist: In den vergangenen vier Jahren nahm die Bevölkerung in Recherswil um rund 300 Einwohner zu. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die 2000er-Marke überschritten wird. Dazu beigetragen hat lange Jahre die extensive Verfügbarkeit von günstigem Bauland. Für 300 bis 350 Franken pro Quadratmeter war es zu haben. Zwar seien noch immer freie Landparzellen vorhanden, sagt Jäggi. Doch sei der grösste Teil nicht verfügbar, weil es von den Grundeigentümern gehortet wird. «Wenn wir bei der Revision der Ortsplanung nicht Land einzonen können, haben wir ein Problem.» Vorderhand hat die Gemeinde gegen die Baulandhortung keine Handhabe. SVP und FDP laufen gegen die von der Regierung vorgeschlagene Bauverpflichtung Sturm. Jäggi seinerseits gibt Kaufinteressenten bekannt, wo sich Parzellen im Dorf befinden – und hofft darauf, dass sich die Grundbesitzer nach mehreren Anfragen vielleicht doch zu einem Verkauf durchringen.

Auch die Verdichtung nach innen, bei der Recherswil Nachholbedarf hat, wird angestrebt. «Wir wollen nicht gegen aussen wachsen.»

Zuzüger aus der ganzen Schweiz

Einen Grund für die vielen Zuzüger – rund die Hälfte davon stamme aus der Region, der Rest aus der übrigen Schweiz – sieht der Gemeindepräsident auch in der guten Verkehrsanbindung Recherswils; insbesondere dank des nahen Autobahnanschlusses sowie des Viertelstundentakts des Busses. Dazu kämen weiche Faktoren. Die Gemeinde habe in den vergangenen Jahren kaum negative Schlagzeilen produziert und verkaufe sich dank moderner und meist aktueller Homepage gut gegen aussen. Zudem verfüge man über eine «andere Bevölkerungsstruktur» als etwa Gemeinden in der Agglomeration, sprich: wenig Ausländer. Die Wirkung dieser Faktoren sei schwierig zu beurteilen. «Aber sie sind sicher kein Hinderungsgrund, nach Recherswil zu ziehen», ist Jäggi überzeugt.

Verwaltung ist überlastet

Die vielen neuen Dorfbewohner bringen auch Bürden mit sich. Ein Doppelkindergarten wird gebaut und das Schulhaus aufgestockt. Die Schülerzahlen nehmen stark zu. Aber auch die Verwaltung wird etwa durch die vielen zusätzlichen Rechnungsstellungen stärker belastet, und der Gemeinderat wälzt mehr Geschäfte. Über die beiden Vorschläge, entweder die Verwaltung oder das Gemeindepräsidium mit mehr Mitteln auszustatten, wollte die Stimmbevölkerung an der Gemeindeversammlung aber nicht diskutieren und trat nicht auf das Geschäft ein.

Vom Tisch ist das Thema der Organisationsstruktur deswegen nicht. Eine Arbeitsgruppe tüftelt an Varianten herum, die an einer Gemeindeversammlung im März 2018 zur Diskussion gestellt werden sollen. Jäggi vermutet, dass es auch dann in Richtung einer Aufstockung gehen wird. Zumal die Verwaltung stark belastet sei, Überstunden anhäufe und Ferien aufschieben müsse. Gehe es so weiter, bestehe das Risiko personeller Veränderungen.

Selber hat Jäggi seit der Gemeindeversammlung Konsequenzen gezogen. Er versucht, sein bezahltes Arbeitspensum von 20 Prozent einzuhalten, statt wie bisher 40 bis 50 Prozent für die Gemeinde aufzuwenden. Die Homepage wird seltener aktualisiert, Berichte aus dem Gemeinderat schreibt er überhaupt nicht mehr. Auch bei der Personalführung könne er dadurch weniger präsent sein. Welche Konsequenzen dies auf die Gemeindeführung hat, sei nicht abzusehen.

Meistgesehen

Artboard 1