«Es ist eine unglaubliche Freude, so viele Leute hierher bringen zu können», sagte ein sichtlich verblüffter Gemeindepräsident Markus Sieber. Denn beinahe hätte der Mehrzweckraum nicht ausgereicht, so gross war der Andrang zur Informationsveranstaltung über die Ortsplanungsrevision (OPR) in Lohn-Ammannsegg am Mittwochabend. Das zahlreiche Erscheinen, so der Gemeindepräsident weiter, sei ein Zeichen dafür, dass die Bevölkerung an eine Entwicklung der Gemeinde glaube und daran teilhaben möchte.

Gestartet sei die OPR eigentlich bereits im Jahre 2012. Damals konnte sich die Bevölkerung mittels Arbeitsgruppen bei der Mitgestaltung des räumlichen Leitbildes einbringen, welches anschliessend an der Gemeindeversammlung vor fünf Jahren abgesegnet wurde und nun die Grundlage für die OPR bildet. «Wir haben uns gemeinsam angeschaut, wo sich unsere Gemeinde entwickeln könnte», sagte Sieber. Dabei hatten sich drei Schlüsselstellen herauskristallisiert: Der Bahnhof, das Dorfzentrum Lohn, sowie die Anbindung des Heinibühl Quartiers.

Siedlungsgrenzen bleiben

Daher sei relativ früh klar gewesen, dass sich die Siedlungsgrenzen des Dorfes in den kommenden Jahren nur geringfügig verändern würden – wenn überhaupt. «Mit dem neuen Raumplanungsgesetz hat man uns dies dann auch noch ganz massiv bestätigt», so Sieber. Ins gleiche Horn stiess auch Selina Bleuel von BSB+Partner: «Die Rahmenbedingungen haben sich geändert.» Neu müsse die Innenentwicklung und Verdichtung gefördert werden, anstatt weiter nach aussen zu wachsen. Und hier herrscht in Lohn-Ammannsegg noch Luft nach oben. Allein in der Bauzone W2 – dies sind Wohnzonen, in welchen Gebäude mit bis zu zwei Vollgeschossen errichtet werden dürfen – liegt in der Gemeinde eine nicht überbaute Fläche von rund 3,28 Hektaren brach. Angst vor einer Hochhaussiedlung müsse in Lohn-Ammannsegg aber niemand haben. «Verdichtung und Innenentwicklung hat viel mit Qualität und Quartierverträglichkeit zu tun», sagte Bleuel. Hierfür arbeitet BSB+Partner eng mit dem Oltner Architekten Thomas Schwab zusammen, der Quartieranalysen für Ausgangs- und Entwicklungspotenzial vornimmt und anschliessend Schlussfolgerungen und Empfehlungen vorlegt. Dabei würden zwar nicht Quartiere entstehen, die den bereits historisch gewachsenen entsprechen würden, sondern solche, die aus architektonischer und städtebautechnischer Sicht Sinn ergäben. Aber auch wenn Lohn-Ammannsegg keine Hochhäuser drohen, geht Thomas Ledermann (BSB+Partner) davon aus, dass die Gemeinde wahrscheinlich nicht ewig auf dem heutigen Stand verharren könne. Bei 20 Ortsplanungsrevisionen habe er noch nie eine Gemeinde erlebt, die rein aus W2 Zonen bestehe. Ledermann sagte, dass er zwar wisse, dass dies ein heikles Thema sei. Trotzdem sei es aber gut möglich, dass man in die Vorschläge auch W3 oder gar W4 Zonen einfliessen lassen werde.

Abhängig von der zukünftigen Nutzung der Baulandflächen ist auch die mögliche Bevölkerungsentwicklung von Lohn-Ammannsegg in den nächsten 15 Jahren. Das Leitbild sieht ein Wachstum von jährlich einem Prozent vor, was der heute 2786-Seelen-Gemeinde eine Einwohnerzahl von 3366 im Jahre 2035 bescheren würde. Die kantonale Prognose ging hingegen zunächst von einer Zunahme auf lediglich 3040 Personen aus. Diese wurde allerdings in diesem Frühjahr nochmals nach unten korrigiert, sodass der Kanton neu mit 2896 Bewohnern rechnet. «Hier müssen wir uns natürlich möglichst früh finden, denn die Bevölkerungsentwicklung hat Auswirkungen auf alles», so Bleuel.