Derendingen

Die Gemeinde ist ein bisschen reicher – aber der Zentrumsbau wirft einen Schatten voraus

Viele Verkehrsteilnehmer sind auf der Hauptstrasse in Derendingen unterwegs. Eine Neugestaltung soll das Tempo der Fahrzeuge reduzieren helfen.

Viele Verkehrsteilnehmer sind auf der Hauptstrasse in Derendingen unterwegs. Eine Neugestaltung soll das Tempo der Fahrzeuge reduzieren helfen.

Die Gemeindeversammlung Derendingen konnte eine gute Jahresrechnung verabschieden.

Derendingen wächst – und wie. Während periphere Gemeinden nach Annahme des neuen eidgenössischen Raumplanungsgesetz Stillstand befürchten, wird in der Wasserämter Gemeinde in den kommenden Jahren viel gebaut. Die Grossprojekte Emmenhof und die Zentrumsüberbauung verdichten den Dorfkern. Satte 36,5 Millionen kostet die Überbauung Derendingen Mitte. Doch die Gemeinde kann sich das leisten. «Es kommen harte Jahre auf uns zu», sagte Kuno Tschumi an der Gemeindeversammlung. «Aber das wird uns nicht unter den Boden bringen.»

Der FDP-Gemeindepräsident hat Grund zum Optimismus. Statt einem Verlust schaut in der Rechnung 2016 ein Gewinn von fast 4 Millionen Franken heraus. «Dieses Polster ist wichtig», so Tschumi. Und es beweise, dass gute Steuerung und seriöse Planung grosse Würfe möglich machten. Man werde «Derendingen Mitte» problemlos finanzieren können. «Riesige Freude» hat Finanzleiter Peter Weibel über den Abschluss. Gespart wurde aufgrund weniger Sonderschüler und tieferer Lohnkosten vor allem im Bildungsbereich, aber auch der Unterhalt von Strassen und Brücken sowie von Wasserbauten war weniger teuer als gedacht.

Richtig eingeschenkt wird bei den Steuern, wo ein Mehrertrag von 1,8 Millionen herausschaut. Allein drei Firmen haben 800'000 Franken mehr an den kommunalen Fiskus abgeliefert.
Ein Indiz für die verbesserte Finanzlage sind die Beiträge aus dem kantonalen Finanzausgleich.

Noch immer ist Derendingen Empfängerin, doch die Bezüge sinken. Damit die 61 Stimmberechtigten in der Aula nicht zu euphorisch wurden, dämpfte Markus Zürcher (Finanzkommissionspräsident) etwas ab. Das sei wohl der letzte derart positive Abschluss gewesen. Immerhin: Der Steuerfuss, der erst letztes Jahr gesenkt wurde, muss nicht gleich wieder angehoben werden. Aus dem Überschuss werden 2,6 Millionen Franken für Abschreibungen verwendet und 1,3 Millionen ins Eigenkapital transferiert.

Postulat zurückgezogen

Dass die massive Aufwertung des Dorfzentrums und das Bevölkerungswachstum nicht nur positive Effekte haben, zeigt sich auf Derendingens Strassen. Der Autoverkehr nimmt zu, weshalb die Achse vom Kreuzplatz durch das Dorfzentrum seit Jahren im Fokus der Verkehrsplaner steht. Der Kanton schlug sogar eine Tempo-30-Zone vor. Im Dorf war man darüber verwundert, weil auf Hauptstrassen das Tempo nur selten gedrosselt wird. Als die Pläne des Kantons bekannt geworden waren, stiegen die Gewerbler auf die Barrikaden. Sie befürchteten, aufgrund der verbreiterten Strasse Parkplätze zu verlieren. Die Gemeinde stellte sich aber hinter das Gewerbe und beharrte auf den Parkplätzen.

Um die Sicherheit für Velofahrer, Fussgänger und Anwohner auf der viel befahrenen Route vom Floraplatz bis zum Gemeindehaus zu erhöhen, wurde vergangenen Dezember von 75 Unterzeichnenden ein Postulat zur Einführung von Tempo 30 eingereicht. Auf dem übrigen Gemeindegebiet indes ist dies beschlossene Sache. Die Dringlichkeit des Postulats war von der Gemeindeversammlung im Dezember abgelehnt worden. Der Gemeinderat entschied sich in der Folge knapp für die Beibehaltung von Tempo 50, obwohl das Herz eigentlich für Tempo 30 schlage. Am Montagabend zog Hansruedi Meyer sein Postulat nun zurück.

Dauerbaustelle Hauptstrasse

Wie kam es dazu? Bereits heute sind die Autos auf der belebten Strasse gemäss Messungen kaum je mit 50 Stundenkilometern unterwegs. Zudem werde die Ausgestaltung das Tempo selbst ohne Beschilderung senken und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöhen. Damit sehen die Postulanten ihr Ziel erfüllt. Wegen der regen Bautätigkeit wird auf der Hauptstrasse in den kommenden fünf Jahren kaum einmal Normalbetrieb herrschen.

Danach soll die Situation analysiert werden. Werde trotz der neuen Fahrplangestaltung das Ziel von Tempo 30 tagsüber nicht erreicht, will man sich für eine entsprechende Signalisierung einsetzen, stellte Tschumi in Aussicht. Übrigens: Am 28. Juni wird an einer Veranstaltung im Gemeindehaus klar, wie die Hauptstrasse nach dem Umbau aussehen wird.

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