Wenn 13 Prozent der Bevölkerung die Gemeindeversammlung besuchen, darf von einem Erfolg gesprochen werden. In Balm pilgern 26 Personen in die Zivilschutzanlage, um zwischen grauen Kästen und Belüfter die Dorfgeschäfte zu bereinigen. Neben der positiven Rechnung haben die Anwesenden die Neustrukturierung der Gruppenwasserversorgung Unterer Leberberg zu beraten. «Wir hatten selten ein Thema, das uns so stark im Gemeinderat beschäftigte», erklärt Gemeindepräsidentin Pascale von Roll. «Wir haben nun eine gute Lösung auf dem Tisch.» Stimmen alle bisherigen Träger der Neustrukturierung zu, gilt sie ab 1. Januar 2020.

Im Balmer Zivilschutzkeller ist während der Vortrags von Gemeinderat Christoph Siegel kein Widerstand gegen das Vorhaben zu spüren. Zwar bezieht man mit 200 Einwohnern nur etwa 3 Prozent des Wassers im Verbund, hat aber mit langen Sammelleitungen, unter anderem auf den Balmberg, und zwei Reservoirs einen hohen Anteil an Primäranlagen, für die man bisher selber aufkommen musste. Man hängt am Ende der Leitung, erhält den Wasserüberschuss von der Niederwiler Quelle, die aber eigentlich auf Balmer Boden liegt, oder Wasser vom Pumpwerk 11 in Luterbach, das über mehrere Stufen hochgepumpt wird. Zuletzt mit einem Druck von 50 bar auf den Balmberg hoch. Ein immenser Druck, den man künftig mit einem Zwischenstufenpumpwerk halbieren will, um mögliche teure Ausfälle zu verhindern. Aber der Bau des Zwischenstufenpumpwerks wäre dann Sache der neu strukturierten Gruppenwasserversorgung.

Anschaulich erläutert Siegel Vor- und Nachteile der Restrukturierung, wobei für Balm die Vorteile überwiegen. Hohe Infrastrukturkosten für die Primäranlagen würden nicht entfallen, aber gemeinsam mit den anderen Trägern des Verbunds getragen. In Balm können solche Kosten die Rechnung und das Vermögen stark belasten, wie die kürzlich stattgefundene Sanierung des Reservoirs Oberbalmberg zeigt.

Siegel bringt aber auch das Beispiel einer Reparatur nach einem Wasserbruch, die, weil die Strasse neu geteert werden musste, zum teuersten Laufmeter Wasserleitung in Balm mutierte. Da wird Erleichterung spürbar, dass die teure Wasserversorgungsinfrastruktur künftig, mit Ausnahme des Sekundärnetzes zu den Haushaltungen, nicht mehr Sache der Gemeinde ist. Die Gemeinde profitiert nicht nur im Haushalt, auch die Balmer werden künftig nicht mehr 3.50 Franken pro Kubikmeter Wasser bezahlen müssen. Siegel rechnet vorsichtig mit einem um einen Franken tieferen Wasserpreis.

«Kein Handlungsbedarf»

Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von gut 500 Franken. Budgetiert war ein Minus von 5000 Franken. Dies bei einem Gesamtertrag von 0,950 Mio. Franken. Die Sanierung des Reservoirs Oberbalmberg belastet die Investitionsrechnung mit 380'345 Franken. Das ist viel Geld für die kleine Gemeinde. Das Pro-Kopf-Vermögen von 1538 Franken per Ende 2017 verwandelt sich in eine Pro-Kopf-Schuld von 251 Franken. «Kein Grund zur Besorgnis», so Finanzverwalterin Annette Feller-Flury. «Wir haben nach wie vor einen gesunden Finanzhaushalt. Es besteht kein Handlungsbedarf.»