Infoveranstaltung

Die Gänselochquelle bewegt die Lommiswiler Gemüter

60 Personen nahmen an der Infoveranstaltung in der Dorfhalle teil.

60 Personen nahmen an der Infoveranstaltung in der Dorfhalle teil.

An der gut besuchten Infoveranstaltung zur Zukunft der Wasserversorgung Lommiswil in der Dorfhalle wurden kontroverse Positionen klar gemacht. Aber auch die Verantwortlichen der Gemeinde bekannten Farbe.

Für die Gänselochquelle bei Gänsbrunnen, die seit 70 Jahren Lommiswil mit mehr oder weniger sauberem Trinkwasser versorgt, kann aufgrund der neuen Grundwassergesetzgebung des Bundes keine neurechtliche Schutzzone mehr ausgeschieden werden. Zu viele potenzielle Gefahrenquellen für eine mögliche Verunreinigung bestehen, wie zum Beispiel der Steinbruch Müliberg oder der Bauernhof Montpelon.

Folglich darf Lommiswil diese Quelle, die sie vor 70 Jahren erworben hat, ab 2023 nicht mehr zur Trinkwassergewinnung benutzen, sagt der Kanton, der die Bundesgesetzgebung durchsetzen muss. Insbesondere darum nicht, weil Lommiswil ohne grosse Aufwände sein Trinkwasser anderweitig, sprich von den umliegenden Nachbargemeinden beziehen kann. Eine einfache Güterabwägung.

Verschiedene Szenarien haben noch kein Preisschild

Bleiben konkrete Fragen: Soll die bestehende Leitung durch den Weissensteintunnel, die im Rahmen der Sanierung des BLS-Tunnels zurückgebaut wird, ersetzt werden, um das Wasser aus der Gänselochquelle eventuell später als Brauchwasser zu verwenden? Will Lommiswil sich das Trassee im Tunnel sichern, weil ein späterer Bau der Leitung nach der Sanierung nicht mehr möglich ist? Oder ändert eventuell in ein paar Jahrzehnten die Gesetzgebung und das Wasser kann wieder als Trinkwasser verwendet werden?

Und nicht zuletzt: Welche Preisschilder hängen an den diversen Projekten? Weil die Kosten für eine neue Leitung – inklusive Rückbau und Entsorgung – von der BLS noch nicht bekannt gegeben wurden, ist man auf Schätzungen angewiesen. Diese bewegen sich zwischen 450'000 Fr. und 1,25 Mio. Fr., inklusive aller nötiger zusätzlichen Aufwendungen wie neue Leitungen zu einem alten Reservoir für den Fall, dass man das Gänslocher Wasser künftig als Brauchwasser verwenden möchte.

Warnung vor Wasserknappheit

Die Infoveranstaltung in der Dorfhalle Lommiswil war gut besucht: Rund 60 Lommiswilerinnen und Lommiswiler wollten vom dreiköpfigen Ausschuss für Wasser – Gemeinderätin Daniela Tillessen, Gemeinderat und Brunnenmeister Adrian Flury und Rolf Vögeli, Präsident der Kommission für Anlagen, Infrastruktur und öffentliche Bauten KAIB sowie Projektleiter Christoph Bünger – Antworten auf konkrete Fragen, oder ganz einfach ihre Meinung zu diesem emotionalen Geschäft äussern. Weshalb soll man eine Quelle stilllegen, die während 70 Jahren einwandfreies Wasser geliefert hat? Kann man die Quelle nicht auch ohne Schutzzone weiterverwenden, wenn sich die Umgebungsvariablen nicht verändern?

Mehrere Votanten äusserten sich kritisch, mahnten an die schwierigen Zeiten mit Wasserknappheit, die infolge des Klimawandels auf uns zu kommen. Meinten, der Kanton produziere hier einen Papiertiger und verlangten, man müsse mit etwas mehr Herzblut für das eigene Wasser kämpfen und es sei eine Frechheit, was hier geboten werde, die Gemeinde müsse für die nächsten 100 Jahre und für künftige Lommiswiler Generationen schauen.

Eigentlich – so waren gewisse Voten zu verstehen – müsste man das Gesetz ausser Acht lassen oder abwarten, bis andere Leute das Sagen haben.

Das grosse Dilemma mit dem belasteten Wasser

Insbesondere Projektleiter Bünger versuchte anhand von Skizzen der Geologen und Hydrologen, welche letztes Jahr die Quelle und ihr Einzugsgebiet untersucht hatten, aufzuzeigen, dass die Sachlage eindeutig sei. Die Gänselochquelle ist eine typische Karstquelle. Je nachdem wo eine Verunreinigung durch einen Unfall oder ähnlich geschieht, dauert es nur Stunden oder wenige Tage, bis die Substanzen auch im Quellwasser nachweisbar sind. Das haben die Färbversuche letztes Jahr gezeigt. Die Quellen, aus denen die Nachbargemeinden ihr Wasser beziehen, sind wesentlich weniger anfällig.

Aber – und das ist in der Frage das grosse Dilemma – das Wasser der Gemeinden vor dem Berg ist mit Abbauprodukten des Pflanzenschutzmittels Chlorothalonil belastet. Die Grenzwerte werden in Bellach zeitweise überschritten. Das wiederum führte dazu, dass sich der Kanton nach Intervention des Ausschusses bereit erklärte, eine Übergangsregelung von maximal 10 Jahren zu bewilligen, sollte sich Lommiswil dazu entscheiden, die Leitung neu zu bauen und die Gänselochquelle weiter zu benutzen. Dies mit strengen Rahmenbedingungen und ohne Möglichkeit einer Nachverhandlung. Nach der Übergangsfrist muss die Quelle also zwingend stillgelegt werden.

Trinkwasserbezug von den Nachbarn ist aufgegleist

Lommiswil wird während der Sanierung des BLS-Tunnels so oder so Wasser der Nachbarn benötigen. Ausschuss und Gemeinderat sind der Meinung, man komme um die Stilllegung der Gänselochquelle nicht herum und es wäre das Beste, auch auf die Leitung und die teure Übergangslösung zu verzichten. Aber gerade weil es ein emotionsgeladenes Geschäft ist, soll der Souverän an der Gemeindeversammlung darüber entscheiden.

Ein Planungskredit von 37'500 Franken soll dem Ausschuss ermöglichen, auf die Dezember-Gemeindeversammlung hin konkrete Preisschilder an die verschiedenen Möglichkeiten zu hängen. Beispielsweise, ob es nicht klüger wäre, die rund 700'000 Franken in das bereits bestehende Verbundnetz zu investieren.

Die Chlorothalonil-Problematik könnte man elegant lösen, indem man unbelastetes Wasser – wie beispielsweise jenes aus dem Grenchenberg, das in einer grossen Transportleitung südlich von Bellach ins Wasseramt geführt wird, dem von Bellach – und Lommiswil – beimischt. Auch Langendorf hat Überkapazitäten, es müsste nur noch eine kurze Leitungsverbindung erstellt werden.

Ein wichtiges Votum fiel ausserdem: Wenn Lommiswil sein Wasser aus Quellen bezieht, deren Einzugsgebiet auf Lommiswiler Boden liegt, haben die Einwohner von Lommiswil die Qualität ihres Trinkwassers weitgehend selber im Griff. Denn sie können selber dafür sorgen, dass der Boden darüber sauber bleibt.

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