Riedholz
Die frühe Ernte verspricht keine Spitzenerträge am Wallierhof

Das Getreide am Wallierhof musste dieses Jahr wegen der Hitze früh geerntet werden. Dies verspricht keine Spitzenerträge.

Marina Stalder
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Der Weizen am Wallierhof muss wegen der Hitze früher geerntet werden.
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Ernte am Wallierhof
Die gedroschenen Weizenkörner der einzelnen Versuchsfelder werden in separate Säcke abgepackt und mit der entsprechenden Etikette versehen.
Die gedroschenen Weizenkörner der einzelnen Versuchsfelder werden in separate Säcke abgepackt und mit der entsprechenden Etikette versehen.
Die gedroschenen Weizenkörner der einzelnen Versuchsfelder werden in separate Säcke abgepackt und mit der entsprechenden Etikette versehen.
Das ist der «Molinera» Weizen (sieht aus wie Roggen oder Gerste aufgrund der Grannen-Fäden) ist aber Weizen. Dank seiner sehr guten Qualität eignet er sich besonders für Brot.

Der Weizen am Wallierhof muss wegen der Hitze früher geerntet werden.

Hansjörg Sahli

Es ist Mittwoch, 11 Uhr, in Riedholz. Über dem Bildungszentrum Wallierhof liegt eine friedliche Ruhe, und der Weizen schwingt sacht im Wind. Doch diese idyllische Stimmung weicht bald dem lauten Motorengeräusch und dem Kreischen der blauen Dreschmaschine, die für die Versuchsernte des Weizens verwendet wird. Barbara Graf, Verantwortliche für die Versuchsfelder am Wallierhof, rennt mit einem leeren Sack zur Dreschmaschine, um die Körner aufzufangen, und schliesst danach den Sack mit dem Binder und der dazugehörigen Etikette. Bei der Ernte packt die junge Frau selbst an, um stets den Überblick zu bewahren, welche Parzelle an der Reihe ist und welche Etikette zum richtigen Sack gehört. Damit die Ernte so reibungslos wie nur möglich abläuft, ist auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Gutsbetrieb, der Personal und Maschinen bereitstellt, vonnöten.

Internationales Jahr des Bodens 2015

Dass die Wichtigkeit der Ressource Boden durchaus anerkannt wird, zeigt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinigten Nationen (FAO), welche dem Boden das internationale Jahr 2015
widmet.

Auch Agroscope, das nationale Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt, setzt sich in diesem Jahr speziell für die Schweizer Böden und ihre enorme Vielfalt ein. So werden spezielle Versuche zu den Wechselwirkungen von Pflanzen und Bodenorganismen durchgeführt.

Zudem richtet der Schweizer Bauernverband einen Wettbewerb für Schulklassen aus, um die jüngeren Generationen zu sensibilisieren und auf die Wichtigkeit der Böden aufmerksam zu machen.

Der Bodenatlas 2015 mit Daten zu Acker, Land und Boden soll den Lesern nahelegen, dass nicht jeder Boden gleich, jeder aber schützenswert ist. Herausgeber sind die Heinrich-Böll-Stiftung, das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Monatszeitung «Le Monde diplomatique». (msb)

Für die Beratungen können sich regionale Landwirte melden, wenn sie eine Auskunft über die passenden Sorten für die spezifischen Bedingungen ihres Standortes oder bezüglich sonstiger Anliegen erhalten möchten. «Wir sehen uns nicht als wissenschaftliche Instanz, versuchen aber stets, unsere eigenen Erfahrungen im Ackerbau in die Beratungen mit einfliessen zu lassen», sagt Graf.

Wie das Modell aus Bildung und Forschung kombiniert wird, sieht man anhand der verschiedenen Aufgabenbereiche, die Barbara Graf selber übernimmt. Sie arbeitet nicht nur als Verantwortliche für die Versuchsfelder, sondern auch als Landwirtschaftslehrerin und -beraterin und als Lehrlingsbetreuerin. Am Wallierhof ist jeder Mitarbeiter für den Bereich zuständig, in dem er über spezielle Fachkenntnisse verfügt. Das Fachgebiet der studierten Agronomin ist der Ackerbau.

Die Ernte ist bereits beendet, denn das Getreide konnte aufgrund der enormen Hitze schon sehr früh «notreif» geerntet werden. Die Gerste wurde bereits am 3. Juli geerntet, am Freitag, 17. Juli, war als letztes Getreide der Dinkel an der Reihe.

Die Versuchsparzellen, von welchen 200 am Mittwoch geerntet wurden, sind 9 Quadratmeter gross. Aufgrund der Grösse wird bei der Ernte dieser Kleinparzellen ein spezieller, kleinerer Mähdrescher benötigt. Beim Weizen waren es drei verschiedene Versuche, die dieses Jahr durchgeführt wurden. Zum einen führte der Wallierhof für Agroscope Sortenversuche durch. Für diese Versuche wurden insgesamt rund 24 verschiedene Sorten verwendet. Unter diesen Sorten befanden sich auch einige Neuzüchtungen oder Sorten, die in der Region bisher noch nicht verwendet werden. Die Sorten mit den besten Ergebnissen bezüglich Ertrag, Resistenzen und Qualitätseigenschaften werden danach in der empfohlenen Sortenliste (ELS) aufgeführt. Zum anderen wurden für das Forum Ackerbau Strohertragsversuche durchgeführt, anhand welcher die unterschiedlichen Ertragspotenziale der verschiedenen Sorten erhoben werden konnten. Zudem wurden auch Düngeversuche vollzogen.

Nach der Ernte werden die Körner in die jeweiligen Labors geschickt und dort diversen Erhebungen unterzogen. Anschliessend werden die Ergebnisse dem Wallierhof zugestellt. Dieses Jahr erwartet Barbara Graf jedoch keine Spitzenerträge. «Dafür sind die Ähren des Weizens wegen der Trockenheit dieses Jahr zu wenig ausgebildet, die Körner sind klein und die Bestandesdichte auf dieser Parzelle zu tief.» Die ersten Teilergebnisse der Ernte erreichen den Wallierhof meist erst Ende August und daher sehr knapp vor ihrem Kurs zu den Ernteergebnissen und Anbauempfehlungen, den sie jedes Jahr für die Landwirte anbieten. So versucht das Bildungszentrum, die Ackerbauern der Umgebung mit einzubinden und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, nachhaltigen und wirtschaftlichen Ackerbau zu betreiben.

Ob der Wallierhof für das internationale Jahr des Bodens etwas Spezielles geplant hat? «Nein, denn für uns ist der Boden immer wichtig», sagt Barbara Graf. «Wir setzen uns jedes Jahr für eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung des Bodens ein und wollen den massvollen Umgang mit der Ressource Boden fördern.»