Gerlafingen
Die Finanzzahlen und das benachbarte Stahlwerk bereiten der Gemeinde Sorgen

Die Gemeinde Gerlafingen braucht zahlungskräftige Zuzüger und sorgt sich wegen Schadstoffen vom Stahlwerk.

Gundi Klemm
Drucken
Teilen
Das Stahlwerk stösst zuviel Zink aus.

Das Stahlwerk stösst zuviel Zink aus.

FG

Erwartungsgemäss nicht allzu rosig sehen die Zahlen des Gerlafinger Finanzplans für die Periode bis 2021 aus. Gemeindeverwalterin Katalin Kulcsar legte dem Rat ein grafisch untermauertes Zahlenwerk als Planungsinstrument und Prognose vor, das auf den Jahresrechnungen 2015/16 und dem Budget für das laufende Jahr basiert. «Es zeigt auf, wie sich der Finanzhaushalt in den nächsten fünf Jahren entwickelt und ob die geplanten Vorhaben tragbar sind.» Bis 2021 sind Nettoinvestitionen von 19,21 Mio. Franken geplant, deren Folgekosten laut Kulcsar nicht vergessen werden dürfen. Sofern kein für das Steuersubstrat positives Bevölkerungswachstum einsetzt, können die betrieblichen Ausgaben der Erfolgsrechnung alljährlich kaum gedeckt werden, so ihre Folgerung.

Bauverwalter Ewald Kaiser ergänzte, dass die in Gerlafingen in den nächsten vier bis fünf Jahren geplanten 200 Wohnungen zu einer kontinuierlichen Zunahme der jetzt rund 5000-köpfigen Einwohnerschaft führen würden. Dies verbunden mit der Hoffnung, dass weder Wohnungs-Leerstände noch Bevölkerungsstruktur die dringend nötige Verbesserung des Steueraufkommens verhindern.

Nur Zink bereitet Sorgen

Seit 1990 unternimmt das kantonale Amt für Umwelt alljährlich Messungen in den Stahlwerk-nahen beiden Ortsteilen der Gemeinde Biberist. Diese Zahlen gelten je nach Windrichtung auch für das benachbarte Gerlafingen. Gemessen werden Niederschläge von Staub, Blei, Cadmium, Zink, Eisen sowie die Konzentration von Feinstaub. Mit Ausnahme von Zink bewegen sich alle Schadstoffmessungen seit Jahren schon unterhalb der Grenzwerte.

Langfristig zeichnet sich auch bei Zink, das sich am gegenüber der EU schärferen Schweizer Grenzwert gemäss Luftreinhalteverordnung zu orientieren hat, eine leichte Reduzierung ab. Dazu Gemeindepräsident Philipp Heri (SP): «Die Umweltmassnahmen im Stahlwerk mit verbesserter Filtertechnik innerhalb der letzten Jahre haben tatsächlich genützt. Immer noch schwierig bleibt es aber bei Zink.» Dennoch, so lautete ein Votum im Rat, sollten alle Grenzwerte bei Schadstoffen eingehalten werden.

Mehr Mittel für Soziale Dienste

Da die Dossierzahlen in den Sozialen Diensten Wasseramt-Süd steigen, wie Sonja Lüthi als Präsidentin der Plenarkommission und Stellenleiter Etienne Gasche ausführten, muss gemäss kantonaler Weisung der Stellenplan aufgestockt werden. Als Leadgemeinde ist Gerlafingen für den Vollzug verantwortlich. Deshalb entschied der Rat einstimmig, das Stellen-Gesamttotal in den Sozialen Diensten um 90 Stellenprozente zu erweitern: aufgeteilt auf die Administration mit 70 und im Fachbereich mit 20 Prozent.

Insgesamt verfügt die in neuen Büros an der Kriegstettenstrasse tätige Organisation im kommenden Jahr über 8,1 Vollzeitstellen. Angesichts der steigenden Beanspruchung handle es sich um ein Besetzungsminimum, erläuterte Lüthi. Dies vor allem, weil nicht aktuelle Dossierzahlen, sondern verzögert jene aus dem letzten Jahr zur Aufstockung des Stellenplans führen. Die Zunahme der Betreuungsfälle bezeichnete sie als gesellschaftliches Problem, an dessen Lösung alle Kräfte mitarbeiten müssen.

Der Gemeinderat hat

- in Nikolas Weingart (Burgdorf) den neuen Schulleiter Bereich Oberstufe der Kreisoberstufe beider Gerlafingen und Recherswil mit einem 80-Prozent-Pensum einstimmig gewählt. Für die Stelle mit Stellenantritt am 1. Februar 2018 waren 30 Bewerbungen eingegangen;

- zugestimmt, dass die auf die Gemeinden übertragene Aufgabe «Start.Integration» zu Jahresanfang 2018 ihre Arbeit aufnimmt. Als Anlauf- und Kompetenzstelle Integration, angesiedelt bei der Plenarversammlung Soziale Dienste, ist sie zuständig für Gerlafingen und die Gemeinden Obergerlafingen, Kriegstetten, Halten, Oekingen und Drei Höfe und dient Zuziehenden aus dem Ausland. Geleitet wird die Fachstelle von der Sozialarbeiterin Sandra Däppen, die Unterstützung durch einen Dolmetscherdienst erhält. Herzlich willkommen sei auch das noch abseits stehende Recherswil, hiess es im Rat;

- die Begleitgruppe für die Ortsplanungsrevision gewählt. Sie besteht aus den Mitgliedern Philipp Heri (SP), Thomas Wenger (SVP), Reto Wegmüller (SP) und, auf Antrag Wenger, aus einem noch zu benennenden Kandidaten der CVP-Fraktion. Als fachliche Vertreter wurden Ewald Kaiser, Guido Brunner und Erich von Allmen berufen;

- sich informieren lassen, dass die Bauabnahme im Schulbau-Projekt «Rochade» sehr zufriedenstellend verlaufen sei, dass der offene Bücherschrank im Oberfeldpark unter der ungebetenen Entsorgung alter Bücherbestände leidet, dass die «Friedensbrücke» als Mittel zur Streitlösung im Schulhaus Gländ 2 eingeweiht wurde, und dass die Feuerwehr beider Gerlafingen zur Hauptübung heute Samstagnachmittag einlädt. (gku)