Recherswil
Die Fibel ist zurück im Dorf und wird im Museum Blumenstein ausgestellt

Lange schien das wertvolle Stück aus der jüngeren Eisenzeit verschwunden. Bis Andrea Nold letzten Herbst in Recherswil auf die Fibel gestossen ist.

Rahel Meier
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Markus Jäggi liess diese kleine Vitrine für die Fibel bauen und bewahrte das Stück als Bürgerammann und Posthalter bei sich auf.

Markus Jäggi liess diese kleine Vitrine für die Fibel bauen und bewahrte das Stück als Bürgerammann und Posthalter bei sich auf.

Zur Verfügung gestellt

1929 fand Karl Siegenthaler-Studer, seines Zeichens Uhrenfabrikant, in der Baugrube für sein Haus an der Hauptstrasse in Recherswil ein Grab aus der Keltenzeit. Darin lag eine Fibel, eine Art Sicherheitsnadel. Laut Gesetz sollte diese den kantonalen Behörden übergeben werden. Siegenthaler weigerte sich aber, das Fundstück herauszugeben, und behielt es bei sich.

Im Archiv der Kantonsarchäologie gibt es einen Brief, der dies belegt, wie Andrea Nold (Kantonsarchäologie, Fachstelle Fundstelleninventar) auf Anfrage erzählt. Als Kompromiss liess der Kanton damals eine Kopie anfertigen, die in die archäologische Sammlung des Museums Solothurn kam.

Auf gut Glück gesucht

Letzten Herbst widmete sich Andrea Nold im Rahmen ihrer täglichen Arbeit der Gemeinde Recherswil und stiess dabei auf die Fibel. Einem Brief aus dem Jahr 1962 konnte sie entnehmen, dass die Kopie der Fibel nicht mehr auffindbar sei. Ebenfalls abgelegt war eine Notiz aus den 1980er-Jahren mit der Adresse der Tochter von Karl Siegenthaler. «Offenbar hat aber niemand Kontakt zu ihr aufgenommen.» Auf gut Glück schrieb Andrea Nold dann einen Brief an einen Herrn Siegenthaler, der heute an der Hauptstrasse in Recherswil wohnt.

Frühe Eisenzeit

Eine Fibel (lateinisch fibula «Klammer, Bolzen, Spange, Schnalle‹ Heftnadel, Schliesse») ist eine metallene, dem Prinzip der Sicherheitsnadel entsprechende Gewandnadel, deren älteste nachgewiesene Formen aus der Bronzezeit stammen und die bis ins Hochmittelalter verwendet wurden. Die Recherswiler Fibel stammt laut Andrea Nold aus der Latènezeit, der jüngeren Eisenzeit. Sie dürfte zwischen 400 bis 350 v. Chr. getragen worden sein. Laut Nold trägt man eine Fibel normalerweise paarweise auf der Schulter. «Wir nehmen an, dass beim Hausbau ein Grab getroffen wurde und man die zweite Fibel übersehen hat.» 1872 fand man in Recherswil beim Bau einer Wasserleitung bereits Armspangen, die von der Art und vom Stil her ähnlich sind und aus der gleichen Zeit stammen. Nold vermutet deshalb, dass es im Bereich der heutigen Hauptstrasse mehrere Gräber gab. Seit 1929 sei übrigens kein Fund aus einem möglichen Grab mehr in Recherswil vermerkt worden. «Wir haben jedenfalls nichts solches vernommen.» (rm)

«Möglicherweise könnte er ja ein Verwandter sein», meinte sie. Das ist er zwar nicht, aber er konnte ihr die Adresse der Enkeltochter von Karl Siegenthaler geben und verwies sie zudem an Markus Jäggi, den ehemaligen Posthalter. Dieser wisse vermutlich etwas über die Fibel, meinte er. «Also habe ich ihn angerufen und er hatte Freude, dass sich endlich jemand für das Fundstück aus Recherswil interessiert.»

Ausgestellt in der Post

Tatsächlich wusste Jäggi auch, wo die Fibel hingekommen ist. Nach dem Tod von Karl Siegenthaler brachten dessen Töchter die Fibel zu Jäggi. Er liess eine kleine Vitrine dafür bauen und stellte sie in der Poststelle aus. Als er pensioniert wurde, kam sie in die Bank und später in die Gemeindeverwaltung.

Auch Jäggi war nicht begeistert von der Idee, die Fibel hergeben zu müssen. Die gehöre doch nach Recherswil, meinte er. «Die Fibel ist sehr speziell», so Andrea Nold. Es sei ein schönes Exemplar und man habe im Kanton Solothurn nur wenige solche Fundstücke. «Wir haben uns deshalb dazu entschlossen, eine Replik anfertigen zu lassen und diese der Gemeinde zu übergeben.» Das Original aber, das werde schon bald im Pächterhaus im Museum Blumenstein ausgestellt. Dort befinden sich weitere archäologische Fundstücke.