Vorder-Bleichenberg
Die Farbe formt malerisch ihre Motive

Martin Ziegelmüller zeigt eine grosse Auswahl seiner malerischen Impressionen im Schlösschen Vorder-Bleichenberg in Biberist.

Eva Buhrfeind
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Doppelporträt in Landschaft, eigentwillig inszeniert.

Doppelporträt in Landschaft, eigentwillig inszeniert.

Hansjörg Sahli

81 Jahre alt und kein bisschen «weise» – ja, bei Martin Ziegelmüller ist der malerische Enthusiasmus für den reinen malerischen Prozess als schöpferischer Akt für Neues ungebrochen und unermüdlich, ist die Malerei, sind Farbe und Komposition doch sein Lebenselixier. Der Künstler aus dem Berner Seeland demonstriert die Malerei als vertiefende Wahrnehmung der Farben und damit des Lichtes, der Formen, gestischer oder flächiger Strukturen, auf denen alles aufgebaut ist.

Seine Themen sind auch seine Lebenswelt – der Jurasüdfuss, der Doubs, die Loue, der Chasseral, auch der Jura als steinerne, relikthafte Kontur, das Seeland, Pflanzen in Bewegung, der Fluss als bildhafter Kontrapunkt, überhaupt fliessende Gewässer und Spiegelungen. Oder das Grosse Moos als Sinnbild einer Unendlichkeit des Universums, mit dräuenden Wolken, flammenden oder feinstimmig weiten Himmeln.

Farbe, Licht in Kopf und Herz

Das Landschaftliche des Seelands ist als Horizont meist an den unteren Rand gedrängt, reduziert auf die existenzielle Wirkung einer metaphysisch stimmenden Atmosphäre – bis hin zu flirrenden Kondensstreifen unsichtbar gewordener Flugzeuge oder dem sich im tiefen Schatten entziehenden Neuenburgersee. Daneben findet sich auch Jahreszeitliches, pastös aufgetragen, heftig im Duktus des Pinsels oder sich in Farbgeweben auflösend. Bilderwelten, die vertraut sind und jene Stimmung ausstrahlen, die man nicht in Worte kleiden kann und die auch Ziegelmüller nicht einfach malerisch kolportiert.

Auch wenn er die Natur, die Landschaft vor Augen hat, er hat seine Bilder, die langjährigen Eindrücke, das Kolorit, die Farbe, das Licht im Kopf und im Herzen. Sie bespielt er auf der Leinwand als malerisch-nonchalantes Nachklingen der Impressionen und Emotionen, atmosphärische Phänomene und Naturerlebnisse, reduziert auf das Wesenhafte, das sich ganz aus dem Empfinden trägt und bis zur Beinahe-Abstraktion sich erweitert.

«Malerei muss sich in der Farbe ausdrücken, nicht im Gegenstand», sagte er einst und meint «diese Faszination, den intensiven Ausdruck des Motivs zu steigern», wenn er unter seinen vielen Arbeiten immer wieder solche entdeckt, in denen er «das Optimum nicht erreicht hat». Arbeiten, die er nach Jahren wieder aufgreift, malerisch eingreift, manchmal nur mit wenigen Details neu sichtet und neue Geschichten erzählt und Wirkungen erreicht. «Malen ist an sich eine komplexe Sache», sagt der Maler denn auch und sucht im intensiven Malprozess stets die künstlerische Entwicklung, das wahre Bildmoment.

So wie seine Stadtbilder, die von Anfang an zu seinem künstlerischen Spektrum gehören und die er immer neu findet und erfindet: flirrende Lichtermeere nächtlicher Grossstädte, nach Bern mit seinen Charakteristika auch Biel – theatralische Dramaturgien bunt glühender Lichter in diffuser Finsternis, die er zu universellen, globalen Grossstadtgesichtern erweitert, der Fantasie freien, städtebaulichen Raum lässt.

Doppelporträts in Landschaften

Und natürlich die Porträts, die von Anfang an seine Malerei mitbestimmen. Die entweder als Doppelporträts in seinen Landschaften, eigenwillig inszeniert, mit einer ganz anekdotischen Präsenz das Malerische durchbrechen. Oder eben als reine Porträts der Familie, die im ersten Stock mit ihrer beinahe klassisch wirkenden Interpretation für eine vertraute Kabinettsstimmung sorgen. Auch hier hat der Künstler ursprüngliche Werke aufgenommen und aktuell porträtiert, sodass sich die Generationen zu einem Kreis verschiedener Altersstufen schliessen.

Abgerundet wird die reich bestückte Ausstellung mit einer Auswahl hintersinniger Inhalte aus seinem Radierzyklus «Teilchenbeschleuniger» und filigran gezeichneten Porträts.

Bis 6. November. Geöffnet. Mi + Do 16–19 Uhr, Sa + so 14–18 Uhr. Film-Matinee Rauch der Hexenfeuer/Teilchenbeschleuniger, Sonntag, 23. Oktober, 11 Uhr. Finissage-Konzert, Sonntag, 6.11., 17 Uhr.