Bahnlinie
Die «Elektrische Bahn» verbindet Solothurn seit 100 Jahren mit Bern

Am 9. April 1916 wurde die Bahnlinie zwischen Solothurn und Bern eingeweiht – einen Tag später hielten die ersten Züge am Bahnhof Lohn-Lüterkofen.

Stefan Luterbacher
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Die neue Bahnlinie Bern-Solothurn im Bau, zirka 1912
12 Bilder
Der Eröffnungszug in Schönbühl
Ansichtskarte der Bahneröffnung vom 10.04.1916 mit prominenten Gästen
Jubiläum der «Elektrischen Bahn» zwischen Solothurn und Bern
So erstrahlt der renovierte Bahnhof heute mit einer renovierten Ansicht.
Idylle am Bahnhof in Solothurn.
Das RBS-Depot in Solothurn
Bahnhof Grafenried
Bahnhof Jegenstorf
Bis 1965 fuhr die Bahn direkt auf den Bahnhofplatz in Bern.
Bahnhofplatz Bern, 1960er-Jahre

Die neue Bahnlinie Bern-Solothurn im Bau, zirka 1912

zvg

Schon vor 143 Jahren versuchten in unserer Region verschiedene Kräfte, eine Bahnverbindung ab Solothurn durch das Amt Fraubrunnen nach Bern zu planen. An einer solchen Streckenführung waren auch die Gemeinden Lohn und Ammannsegg sehr interessiert.

1873 beschloss die Gemeindeversammlung von Lohn, sich an einer solchen Bahn mit einer Normalspur zu beteiligen und sprach dafür einen Kredit von 5000 Franken. Da dieses Projekt aber immer wieder Verzögerungen erlitt und die Konzession mehrmals erneuert werden musste, verlangte die Gemeinde den Betrag letztlich unvollendeter Dinge zurück.

Schmalspurbahn war günstiger

Die Bahnbegeisterung war jedoch ungebrochen und 1899 erfolgte ein zweiter Anlauf für eine neue Bahnverbindung «Direkt Solothurn-Bern». Das Projekt sah die Erstellung einer Schmalspurbahn vor, da die Realisierung einer Normalspur finanziell nicht tragbar war und rund eine Million Franken günstiger kam, haben sich die Regierungen von Solothurn und Bern unter Mitwirkung des damaligen Bundespräsidenten Forrer nach langem Hin und Her auf den Bau mit einer Meterspur geeinigt. An die Kosten von rund 2,850 Mio. Franken bezahlten die Einwohner- und die Bürgergemeinde Lohn rund 37 000 Franken.

«Auf die nächsten 100 Jahre»

Der RBS feiert das 100-Jahr-Jubiläum einerseits mit einem ausführlichen Blick zurück: Von April bis Dezember 2016 werden auf der Jubiläumswebsite www.hundertjahre.ch Geschichten aus den letzten 100 Jahren multimedial nacherzählt. Einwohnerinnen und Einwohner können sich an der Erzählung beteiligen und ihre Bilder und Geschichten mit dem Hashtag #100Jahre über Instagram, Twitter oder Facebook teilen. Die Besten werden veröffentlicht und unter allen Einsendungen eine Führerstandsfahrt verlost.

Am Samstag, 27. August, feiert der RBS ein Volksfest an drei Standorten. In Bern und Solothurn werden Besucherinnen und Besucher sich neben Essensständen und Musik auch über eine «Echtzeitverbindung» direkt miteinander austauschen können. Auf dem grossen Festplatz in Jegenstorf treten elf Gemeinden in «Jahrhundertfestspielen» gegeneinander an. Vereine aus der Region zeigen ihr Können sowie Bands und Musikgesellschaften sorgen für die musikalische Untermalung.

Im Jubiläumsjahr will der RBS aber nicht nur zurück, sondern vor allem auch nach vorne blicken. Der RBS plant in den kommenden Jahren weitere Ausbauten auf der Strecke Solothurn–Bern und das Jahrhundertprojekt «Zukunft Bahnhof Bern» mit dem Bau eines neuen RBS-Bahnhofs unterhalb der SBB-Gleise. (mgt)

Bereits im Sommer 1912 wurde die Bern-Zollikofen-Bahn (BZB) eröffnet. Danach wurde auf der Strecke Zollikofen–Solothurn die neuen Geleise bis Ende 1914 fertiggebaut. Trotz Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde aber ungebrochen weitergebaut, damit die Stationsgebäude ebenfalls fertig erstellt werden konnten. Im Geschäftsbericht 1909 war geplant, den Bahnhof in Lohn mit «Lüterkofen-Lohn» anzuschreiben. Auf Intervention der Gemeinde Lohn wurde die Station, welche vollständig auf Lohner Boden lag, schliesslich im Geschäftsbericht 1912 auf «Lohn-Lüterkofen» unbenannt.

Lüterkofen wurde im Stationsnamen aufgenommen, weil die Bucheggberger Gemeinde ebenfalls an der Bahnlinie interessiert war und dafür einen grösseren Gemeindebeitrag leistete. Am 10. April 1916 konnte die «Elektrische Solothurn-Bern-Bahn (ESB)» den Betrieb aufnehmen. Der fahnengeschmückte erste Zug wurde auf der Station Lohn-Lüterkofen stark bejubelt. Damit hatte die 143 Jahre dauernde Eisenbahngeschichte von Lohn doch noch einen erfolgreichen Abschluss gefunden.

Bis 2003 viel Güterverkehr

Viele Jahre hatte der Güterverkehr auf der Bahnstrecke eine wesentlich grössere Bedeutung als der Personenverkehr. Güterzüge hatten Vorrang vor Personenzügen. 2003 wurde der Güterverkehr auf der RBS-Linie eingestellt und die Bahn wurde vollständig für den Personenverkehr eingesetzt.

Der Bahnhof war viele Jahre durch Bahnhofvorstände und Hilfspersonal bedient. Ab 1.1.2010 wurde der Schalter für Bahnkunden geschlossen. Ab dann wurde ein Billettautomat eingesetzt.

Das Bahnhofareal rund um den Bahnhof Lohn-Lüterkofen soll inskünftig aufgewertet werden. Der Gemeinderat von Lohn-Ammannsegg hat letztes Jahr eine Planungszone rund um den Bahnhof aufgelegt, um zukünftig das Areal als «Eingangstor zum Bucheggberg» optimal und sinnvoll weiterzuentwickeln.

Bereits ist neben dem Bahnhof ein Hochhaus mit neun Stockwerken und Dienstleistungslokalen bewilligt. Nun soll bis im Juli noch ein Konzept «Entwicklungsschwerpunkt für das Bahnhofgebiet» unter öffentlicher Mitwirkung erstellt werden.