«Es tut weh, mega weh. Ich konnte nichts dagegen machen», schilderte Lea A.*, verweint und mit sichtlicher Mühe die Szene, die ihr seit dem Februar 2017 das Leben schwer macht und sie bis heute verfolgt. Der Mann sei über ihr gelegen, habe ihre Beine hochgehalten und sei anal in sie eingedrungen. Ein flüchtiger Kollege hatte sie von einem Maskenball in Deitingen in eine ihr fremde Wohnung gebracht und oral, vaginal und anal mit ihr verkehrt. Obwohl sie sturzbetrunken war, kurz zuvor nochmals erbrochen hatte.

Tom B.*, ein etwa gleichaltriger muskulöser 20-jähriger Schweizer, musste sich gestern vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wegen Schändung sowie auf dem Handy gefundener Tierpornografie und Haschischkonsums verantworten.

Vor dem Maskenball hatte Lea bei einer Freundin etwas gegessen und sich kostümiert. Danach traf sie sich mit andern Frauen, um sich einzustimmen: mit Wodka und mit Likör. Vor der Zweienhalle in Deitingen, wo die Party am 24. Februar 2017 stieg, standen sie um 23 Uhr Schlange. Lea kann sich noch knapp daran erinnern, dass sie ein Eintrittsband erhielt. Danach habe sie einen «Filmriss» gehabt, weiss nur noch die Szene mit dem Analverkehr. Aber ihre Begleiterinnen und mehrere Zeugen hatten ausgesagt, dass sie «kreidebleich», «kaputt» und «extrem voll» gewesen sei. Sogleich habe sie die Toilette aufgesucht und sich übergeben.

Als der Ball volle Fahrt aufgenommen hatte, bemerkte Tom, dass Lea allein am offenen Fenster stand. «Sie sah nicht gut aus. Ich fragte sie, ob alles in Ordnung mit ihr sei», erzählte Tom im Saal. Er habe sich um sie gekümmert, ihr Wasser geholt. Als ihre Kolleginnen dazustiessen, beriet man, was man mit ihr tun solle. Toms Kollege schlug vor, die Ambulanz zu rufen. Doch Tom fand das zu teuer und bot an, sie zu einer Deitinger Wohnung eines Kollegen zu bringen, wo er wie vereinbart übernachten wollte. Zwar hatte er selber auch «einige Biere» intus, aber er achtete darauf, nicht zu viel zu konsumieren, weil er anderntags Auto fahren wollte. Ihm mache es nichts aus, schon zu gehen. Leas Freundin war das recht, denn sie wollte noch nicht nach Hause.

Einvernehmlich? Urteilsfähig?

Lea konnte kaum auf den Füssen stehen, Tom führte sie stützend zunächst zu Fuss durch die Nacht. Die Wohnung war einige Hundert Meter entfernt. Lea setzte sich unterwegs auf die Strasse, ein Auto fuhr daher, der Fahrer fuhr beide zur Wohnung. Um 2 Uhr schrieb Tom eine SMS, dass man in der Wohnung angekommen war. Sie lagen schliesslich auf einer Decke auf dem kalten Boden. Ihm gemäss kam man sich näher, es sei einvernehmlich zu Küssen und ungeschütztem Sex gekommen. Lea sei da in einem besseren Zustand gewesen als vorher.

Verteidiger Marc Aebi plädierte auf unschuldig, die Urteilsunfähigkeit der jungen Frau sei nicht bewiesen. Leas Anwältin, Stephanie Selig, thematisierte das Leiden ihrer Mandantin, erwähnte die «Spitalodyssee» und die psychischen Folgen. Das Gericht mit Ueli Kölliker, Hilda Weibel und Heinz Bucher sprach Tom schuldig, blieb aber mit 13 Monaten bedingter Gefängnisstrafe bei einer Probezeit von 2 Jahren unter der Forderung von Staatsanwältin Kerstin von Arx, die 16 Monate gefordert hatte. Er muss Lea 12'000 Franken Genugtuung bezahlen. Dazu kommen eine Geldstrafe von 6600 Franken für die Pornografie und hohe Anwalts- und Verfahrenskosten.

*Namen geändert.