Deitingen–Gerlafingen
Die Bus-Tangentiallinie ist noch nicht vom Tisch

Die Wasserämter Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten haben gute Argumente für eine Einführung der Buslinie 18 zwischen Deitingen und Gerlafingen.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Der Bus unterwegs im äusseren Wasseramt von Etziken nach Aeschi: Die Wasserämter Gemeindepräsidenten wollen neben Busverbindungen in die Stadt auch Querverbindungen zwischen den Dörfern.

Der Bus unterwegs im äusseren Wasseramt von Etziken nach Aeschi: Die Wasserämter Gemeindepräsidenten wollen neben Busverbindungen in die Stadt auch Querverbindungen zwischen den Dörfern.

Solothurner Zeitung

Es ist nicht lange her, da freuten sich viele Leute im Wasseramt über die Idee einer Bus-Tangentiallinie Deitingen–Gerlafingen. Sie hatte auch schon eine Nummer: Buslinie 18. Sie sollte die Dörfer Deitingen, Subingen, Horriwil, Kriegstetten, Recherswil, Obergerlafingen und Gerlafingen miteinander verbinden und deren Bevölkerung an die BLS-Züge in Gerlafingen sowie an die SBB-Züge in Deitingen anbinden.

Die Idee wurde in einem Volksauftrag angeregt, der vom Regierungsrat erheblich erklärt wurde. Im Globalbudget wurde die Einführung für 2021 angekündigt. Aber im Sommer 2019 wurde aus der Vorfreude Ärger. Das kantonale Amt für Verkehr und Tiefbau erklärte plötzlich, die Linie sei finanziell nicht vertretbar. Der geforderte Kostendeckungsgrad von 20 Prozent werde nicht erreicht, so die Prognose. «Wir wollen aber wenigstens einen Versuchsbetrieb», erklärte Philipp Heri, Gemeindepräsident von Gerlafingen, an der Wasserämter Gemeindepräsidentenkonferenz in Deitingen.

Sechs Personen pro Kurs würden auch reichen

Würde die Linie ins Grundangebot aufgenommen, zahlen die Gemeinden die üblichen 37 Prozent. Ein Versuchsbetrieb käme die Gemeinden auf mindestens 70 Prozent der Kosten zu stehen. Und würden die Gemeinden die Buslinie selbst bestellen, müssten sie natürlich alle Kosten tragen.

Philipp Heri und seine Mitkämpfer für die Buslinie 18 wurden aber auf einen zusätzlichen Aspekt aufmerksam gemacht. In der Grundangebotsverordnung des Kantons ist festgehalten, dass Leistungsvereinbarungen in der Regel nur für Linien abgeschlossen werden, welche einen Kostendeckungsgrad von mindestens 20 Prozent pro Linie erreichen. Oder, und das stand bisher nicht im Vordergrund, einen Auslastungsgrad von durchschnittlich mindestens sechs Personen pro Kurs aufweisen. «Die Analyse das Amtes prognostiziert zwar einen tieferen Kostendeckungsgrad als 20 Prozent für die Buslinie 18, aber auch, dass im Durchschnitt 9,82 Personen pro Kurs zu erwarten seien», so Heri. «Das wurde uns bisher verschwiegen.»

«Demnach sind die Bedingungen für eine Aufnahme der Buslinie ins Grundangebot gegeben», so der Vorsitzende der Konferenz, Martin Rüfenacht (Horriwil). Die Arbeitsgruppe der Gemeindepräsidenten hat deshalb einen Brief an das Amt entworfen, in dem die Einführung der Buslinie 18 verlangt wird. Dazu wurde bereits eine Vernehmlassung in den Wasserämter Gemeinden durchgeführt, um Inputs für den Brief zu erhalten. «Wir wollen, dass alle Wasserämter Gemeinden unterschreiben, auch diejenigen, die nicht direkt von der neuen Buslinie betroffen sind», so Heri und Rüfenacht. An der Gemeindepräsidentenkonferenz sicherten Stefan Hug (Zuchwil), Stefan Hug-Portmann (Biberist), Jeanette Baumgartner (Bolken) und Stefan Berger (Aeschi) ihre Unterstützung zu.

Leiturteil erwünscht bei 5G-Antennenprojekten

Stefan Hug-Portmann (Biberist) hätte gerne gewusst, wie die Gemeinden bei 5G-Projekten am besten handeln können. Neue Anlagen seien kein Problem, weil diese zwingend eines Baugesuches bedürfen, und somit die Einwohnerinnen und Einwohner Gelegenheit erhalten, sich in Form von Einsprachen zu den Projekten zu äussern. «Aber was ist mit den Aufrüstungsprojekten?» Andernorts werden diese Aufrüstungen einfach ausgeführt, zum Teil ohne dass lokale Behörden davon erfahren, wie an der Gemeindepräsidentenkonferenz berichtet wurde. In Biberist müssen Anbieter auch für Aufrüstungen ein Baugesuch einreichen. Aber als die Baubehörde von Biberist vom Mobilfunkanbieter ein Baugesuch verlangte, zog dieser das Projekt zurück. «Dabei hätte ich gerne, dass die Anbieter dagegen rekurrieren, und wir in dieser Sache beispielsweise vom Verwaltungsgericht ein Leiturteil erhalten würden.» Er ärgere sich über Telefonate, warum die Baubehörde Aufrüstungen erlaube. «Dabei sagt der Bund, dass es dafür kein Baugesuch brauche. Aber ich will nicht, dass die Mobilfunkbetreiber durch die Hintertüre einfach aufrüsten dürfen. Schliesslich gibt es grossen Widerstand in dieser Sache in Teilen der Bevölkerung», so Stefan Hug.