Es dauert nicht mehr lange, dann hat der Bucheggberg wieder ein Freilichtspiel. Sind Sie mit den Vorbereitungen im Zeitplan?

Yvonne Hofer Ja, die Proben gehen plangemäss voran. Einmal mussten wir eine Probe ausfallen lassen, weil Bernhard Moser, der Darsteller des «Micheli», krank war. Ohne ihn läuft auf der Bühne kaum etwas.

Der «Schärer Micheli» war ein Wunderdoktor aus dem Emmental. Wie passt dieses Stück in den Bucheggberg?

Das Stück spielt im 18. Jahrhundert in Langnau. Wir wissen nicht im Detail, ob es im Bucheggberg damals genau gleich zuging wie im Emmental. Dennoch gibt es Ähnlichkeiten: Beide Regionen sind nach wie vor ländlich geprägt. Die Mentalitäten unterscheiden sich sicherlich teilweise, dafür ist die Landschaft vergleichbar. Auch sprachlich liegen die Regionen nicht weit auseinander. Wir Bucheggberger sprechen ja eine Mischung aus Bern- und Solothurnerdeutsch. Damit es möglichst authentisch wirkt, achte ich im Stück etwa darauf, dass das solothurnische «Jo» zum bernischen «Ja» wird.

Das letzte Freilichtspiel «Brönz» hatte düstere Facetten. Sollte es dieses Mal etwas Erheiterndes sein?

«Brönz» polarisierte und hatte durch seine Düsternis einige etwas verstört. Den einen gefiel es sehr, anderen überhaupt nicht. Ich stellte fest, dass die Bucheggberger gerne ältere Stücke mögen, in denen die Leute mit Kostümen auftreten oder der Halbleinenbekleidung, wie sie früher auf dem Land getragen wurde. Das zeigte sich bei «Hansjoggeli, dr Erbvetter», das wir 2008 mit grandiosem Erfolg aufführten.

Sie sind ein fester Bestandteil der «Buechiwäger». Wie kamen Sie zum Theater?

Durch meine Familie. Mein Vater war Mitglied der Liebhabertheater-Gesellschaft Solothurn LTG. Schon als Kind faszinierte mich die Theaterwelt. Seit über 30 Jahren bin ich ebenfalls bei der LTG, führte dort Regie und machte Regieassistenz. Auch zu den «Buechiwägern» kam ich über meinen Vater. Er schrieb den Text zum Festspiel «Üse Wäg» 1991 und führte Regie. Bei späteren Stücken der Buechiwäger spielte ich selber mit. Nun führe ich bereits zum dritten Mal Regie.

Was fasziniert Sie an dieser Tätigkeit?

Die Wandlung vom rohen Text und der ersten Vorstellung im Kopf bis zur Aufführung auf der Bühne. Oft unterscheidet sich das Spiel deutlich von der ersten Idee. Manche Schauspielende bringen viel Können mit, bei anderen muss man die Leistung etwas herauskitzeln, damit ein gutes Endprodukt entsteht. Es ist sehr spannend, zusammen mit Menschen ein Stück zu erschaffen.

Sind Sie eine strenge Regisseurin?

Ich habe durchaus meine klaren Vorstellungen und weiss, wie mein Stück aussehen soll. Dann erkläre ich den Schauspielenden jeweils, warum sie eben genau an jener bestimmten Stelle und nicht zwei Meter daneben zu stehen haben. Andererseits kommt bei mir auch viel aus dem Bauch heraus. Ich spüre schnell, wer Talent und Erfahrung mitbringt. Ich arbeite ja auch mit Neulingen zusammen. Sie versuche ich dazu zu bringen, nicht aufgrund einer Regieanweisung zu agieren, sondern intuitiv zu spielen, sodass es von innen herauskommt. Wichtig ist, dass es den Akteuren wohl ist.

Funktioniert dies bereits? Wie harmoniert die Gruppe um den «Schärer Micheli»?

Die Gruppe harmoniert sehr gut. Nina Kopp, die die Frau des Micheli spielt, ist mit 17 Jahren sehr jung. Trotzdem entschied ich, ihr die Rolle zu geben. Das führte am Anfang zu einigem Unverständnis. Aber die Darstellerin ist gross, sie stellt etwas dar, und sie hat eine kräftige Stimme. Das passt zu ihrer bestimmten Art, etwa wenn sie einen Patienten zurechtweisen und Autorität ausstrahlen muss. Dagegen ist die Magd jünger als Michelis Frau, die Darstellerin aber älter. Weil sie kleiner ist und eine feinere Stimme hat, merkt man nichts von diesem Unterschied. Dank Kostümen und Maske lässt sich überdies vieles arrangieren.

Nun ist der «Schärer Micheli» kein Freilichtstück. Kann man dieses Theater überhaupt unter freiem Himmel spielen?

Das ist eine Herausforderung. Zum Beispiel gibt es keine Massenszenen, die ja oft den Charme von Freilichtspielen ausmachen. Da hoffen wir auf die Fantasie und die Vorstellungskraft der Zuschauer. Zudem müssen wir die Untersuchungsstube in den Aussenbereich integrieren. Allerdings funktioniert all dies bei der Sägerei Trittibach in Lüterswil wunderbar. Wir haben diese Spielstätte extra nach den Vorgaben des Stücks ausgesucht. Der Ort ist wirklich genial.

Die Zuschauenden werden also die Faszination des Freilichtspiels erleben können?

Auf jeden Fall. So gibt es etwa eine Szene, in der die Jungfer von Micheli erfährt, dass sie aufgrund ihrer Krankheit dem Tod geweiht ist. Darauf tritt sie von der Bühne ab und geht davon. Micheli tritt an ein imaginiertes Fenster, schaut ihr wehmütig nach und kämpft mit den Tränen. Auf einer Theaterbühne wären solche Feinheiten nicht möglich, weil die Jungfer sofort aus dem Blickfeld der Zuschauer verschwinden würde. Ein Freilichtspiel ist wirklich faszinierend, auch wegen der Einflüsse des Wetters und der tollen Stimmung an diesem schönen Ort in Lüterswil.

Informationen und Tickets unter: www.freilichtspiele.ch