Schnottwil
Die Buben stellen ein Tannli, die Mädchen bedanken sich kochend

In der Nacht auf Sonntag werden Luca Schluep und seine Helfer den Mädchen von Schnottwil ein Tannli stellen. 14 Bäume sind es in diesem Jahr. Als Dank erwarten die Jahrgänger ein Essen.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Die Stellbuebe (von links) Benjamin Trittibach, Andy Willi, Florian Eberhard, Marc Schluep, Luca Schluep, Cedric Lützelschwab und Lukas Gutknecht holen die Tannli im Wald.

Die Stellbuebe (von links) Benjamin Trittibach, Andy Willi, Florian Eberhard, Marc Schluep, Luca Schluep, Cedric Lützelschwab und Lukas Gutknecht holen die Tannli im Wald.

Hansjörg Sahli

Die Stellbuebe haben es in Schnottwil nicht einfach, aber sie haben es gut. Die Gemeinde lässt zwar, wie andernorts auch, die jungen Mitbürger wissen, dass in der Nacht auf den 1. Mai keine Rechtsmissbräuche geduldet werden. Aber die Behörden bemühen sich wirkungsvoll darum, dass der Brauch in Dorf am Rand des Bucheggberges weiterlebt. So freundlich, wie auf der Internetseite der Gemeinde die Stäcklibuebe oder Stellbuebe eingeführt werden, werden diese selten beschrieben.

Damit ist halbwegs belegt, dass der Brauch in der Nacht auf den 1. Mai in Schnottwil erwünscht ist. Das ist nicht genug. Die Tannen spenden die Bürger und vor der mühevollen Nacht stärken sich die Burschen in der Krone, wo sie gratis Speis und Trank erhalten. Dieses Jahr sind es insgesamt 16 junge Männer, berichtet Luca Schluep, die mithelfen und den jungen Frauen ein Tannli in den Garten stellen.

D’Gschicht vom Stäckli zieh u vom Maitannli

Während der französischen Besetzung hatten die Dörfer Soldaten für die napoleonischen Truppen zu stellen. Da sich für diese ungeliebte Aufgabe kaum Freiwillige meldeten, wurden angeblich die neuen Soldaten jeweils mit «Stäckli zieh» unter den ledigen jungen Männern ausgelost. Den daraus abgeleiteten Namen «Stäcklibuebe» oder «Stellbuebe» behielt man auch bei den späteren Rekrutenaushebungen bei. Diese «Wehrpflichtigen» stellten auch jeweils den Maibaum für die Mädchen ihres Jahrgangs. Daraus entstand der Brauch des «Maitannli-Setzens» in der Nacht auf den 1. Mai auf die Hausdächer der heiratsfähigen Dorfschönen, doch nur der «braven». Nach dem Löschen der Strassenbeleuchtung um 24 Uhr begann die harte Arbeit der 16- bis 25-jährigen «Maibuebe». Inbegriffen war die von den Mädchen gespendete Stärkung. Zum nächtlichen Treiben gehörte auch die «Dorf-Kosmetik»: Was im Dorf nicht niet- und nagelfest war, wurde entführt und auf dem Dorfplatz zur Schau gestellt. Beim Abräumen der Tannli luden die Familien der Mädchen die Burschen zum Essen ein. Und nicht selten wurde da eine spätere Heirat besiegelt. (mgt)

Nicht wie andernorts nur die Jahrgänger leben in Schnottwil gleich Jungs dreier Jahrgänge gemeinsam den Brauch. Luca Schluep ist schon zum dritten Mal mit dabei und vielleicht hilft er auch 2017 noch einmal und führt die Nachfolger in die Organisation des Anlasses ein. Auch bei den Mädchen werden drei Jahrgänge berücksichtigt. «In diesem Jahr sind es ausnahmsweise nur 2 Jahrgänge. Das sind dann 14 Tannli, die wir stellen müssen. Im letzten Jahr mit 3 Jahrgängen waren es 24 Tannli. Das war zu viel für eine Nacht», berichtet Schluep.

Wenn die Tannli stehen, deren Giebel mit Bändern geschmückt und an deren Stamm ein Schwartenladen genagelt ist, auf dem der Name des Mädchens gesprayt steht, unternehmen die Jungs einen Dorfrundgang und hoffen auf etwas Tranksame.

Wo nichts Flüssiges gespendet wird, kann es schon vorkommen, dass kleinere, nicht gesicherte Objekte sicher auf dem Dorfplatz entsorgt werden. Dort wird in einer fröhlichen Runde das gesicherte Gut bewacht. Dabei sitzen die Jungs um einen Grill und bräteln das vom ehemaligen Metzger von Schnottwil gespendete Fleisch. «Es ist eine coole Sache, in der Nacht arbeiten und im Teamwork die Bäume aufstellen», sagt Schluep.

Die Tannli werden nach einem Monat abgeräumt. Mit einer Ausnahme. Das Tannli für die Krone bleibt länger stehen. Diese wird extra belohnt für ihre grosszügige Spende. Nicht fehlen darf am Ende die heiss ersehnte Belohnung, die Einladungen der Mädchen für ein Essen. Diese sollten innerhalb eines Jahres erfolgen, bevor die nächsten Maitannli stehen. «Früher bekochte uns jeweils jedes Mädchen einzeln, heute laden drei Mädchen zusammen ein», sagt Luca Schluep. In seinen Worten liegt ein Hauch des Bedauerns.