Bellach
«Die Biber sind unsere besten Mitarbeiter»

Der Weiher ist jetzt das ganze Jahr offen und die Wasserqualität hat sich verbessert

Rahel Meier
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Zum Schutz vor den Zähnen der beiden Biber-Familien mussten auch die grossen Bäume mit Drahtgeflecht umgeben werden.rm

Zum Schutz vor den Zähnen der beiden Biber-Familien mussten auch die grossen Bäume mit Drahtgeflecht umgeben werden.rm

Rahel Meier

«Ich möchte nach meiner Pensionierung an einem schönen Ort spazieren gehen können», lacht Gemeindepräsident Anton Probst. Eigentlich möchte er damit sagen, dass der Bellacher Weiher das wichtigste Naherholungsgebiet für die Einwohner ist. Dessen sind sich auch Laura und Thomas Stöckli, in deren Besitz der Weiher ist, bewusst. Gemeinsam mit der Gemeinde arbeiten sie stetig an der Sanierung des Weihers.

Im Jahr 2002 wurde in Fronarbeit mit der systematischen Pflege des Bellacher Weihers begonnen. Zu Beginn ging es vor allem um den Kampf gegen die Verlandung und die Wasserqualität. Im Jahr 2010 kam dann das Landwirtschaftsprojekt dazu. Alle 18 Landwirte im 160 Hektaren grossen Einzugsgebiet des Weihers beteiligen sich und setzen Plocher-Produkte zur Aufbereitung der Hofdünger und zur Aktivierung des Bodens ein. Die Plocher-Produkte finden ihren Einsatz auch in der Weiherpflege.

Die Wirkung des Bodenaktivators soll untersucht werden

Das Pilotprojekt für die Sanierung des Bellacher Weihers, das 2004 gestartet wurde, soll nun wissenschaftlich begleitet werden. Insgesamt 165'000 Franken sollen dafür bis ins Jahr 2019 aufgewendet werden.
Hauptthema ist die Untersuchung der Wirkung des Plocher-Bodenaktivators durch die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen.
Dazu werden in der Umgebung des Weihers drei Felder eingerichtet, auf welchen die landwirtschaftlichen Auswirkungen dokumentiert werden. Es handelt sich dabei um Felder, welche bisher noch nicht mit dem Produkt in Kontakt gekommen sind. Damit sollen zentrale Fragen wie die Auswirkung des Produkts auf die Bodenbeschaffenheit, den Nährstoffhaushalt und den landwirtschaftlichen Ertrag beantwortet werden können.
An der wissenschaftlichen Begleitung beteiligt sich zudem auch das Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen IUNR der ZHAW Wädenswil. Im Jahr 2016 wird eine biologische Gewässerbeurteilung anhand einer Analyse der Makrozoobenthos (von Auge erkennbare wirbellose Wassertiere) und der Makrophyten (Wasserpflanzen, die mit dem blossen Auge erkennbar sind) erfolgen. Zusätzliche Messungen in den Jahren 2016 und 2017 sollen zudem eine vertiefte Beurteilung der Wasserqualität im Jahresverlauf ermöglichen. Finanziert werden diese wissenschaftlichen Begleitarbeiten zu einem grossen Teil (24'000 Franken pro Jahr für die Dauer von 5 Jahren) aus dem Alpiq Naturmade Star Fonds. Dazu kommen Beiträge der Gemeinden Selzach (total 25'000 Franken) und Lommiswil (10'000 Franken). Weitere 10'000 Franken zahlt die Gemeinde Bellach. Letztere finanziert zudem weiterhin das Landwirtschaftsprogramm mit rund 20'000 Franken jährlich für die Plocher-Produkte, damit diese gratis an die Landwirte im Einzugsgebiet des Weihers abgegeben werden können. (rm/mgt)

Ehrenamtliche Arbeit

Stöcklis arbeiten aus Freude an der Natur am Weiher. Unterstützt werden sie von einigen freien Mitarbeitern und den Mitgliedern des Vereins Umwelt und Bildung (VUB). Neben der Pflege des Weihers kümmern sich die Vereinsmitglieder auch um die Biberpopulation am Weiher. «Wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt, sind die Biber unsere besten Mitarbeiter», erklärt Thomas Stöckli. Die grossen Bäume rund um den Weiher mussten mit Drahtgittern vor den scharfen Zähnen der Nagetiere geschützt werden. Dafür fressen sich die Biber jetzt durch die Schilfpflanzen im Osten des Weihers. «Die freie Weiher-Oberfläche ist grösser geworden.»

Ohne die Unterstützung der Gemeinde könnten aber Stöckli und der VUB den Weiher nicht so erhalten, wie er sich heute zeigt. Nachhaltigkeit sollte, so Probst, nicht nur ein Schlagwort sein. «Ich bin überzeugt, dass das Landwirtschaftsprojekt mit der Verwendung der Plocher-Produkte nachhaltig ist». Die Wasserqualität verbessere sich stetig, der Weiher sei nicht mehr überdüngt und das Wachstum der Faulschlammschicht sei gestoppt worden. Probst macht den Vergleich zum Inkwilersee, der zu verlanden droht und auch heuer wieder mit Notmassnahmen behandelt werden musste. «Das Absaugen von Schlamm nützt dem See nur kurzfristig, nicht auf Dauer.»

Wissenschaftliche Begleitung

Weil der Einsatz der Plocher-Produkte wissenschaftlich noch nicht erforscht ist, sind Stöckli und Probst froh, dass das Landwirtschaftsprojekt vom Wallierhof begleitet wird. «So haben die Landwirte, die die Produkte einsetzen eine neutrale Fachstelle, der sie vertrauen und die sie bei Fragen kontaktieren können.» Die Landwirte werden zudem alle zwei Jahre befragt und die Auswertung der Umfrage zeigt, dass etwa die Hälfte den Plocher-Produkten eine positive Wirkung zuschreibt, während die anderen sich noch nicht festlegen wollen. Am besten feststellbar ist die Verbesserung der Güllequalität.

Mit der wissenschaftlichen Begleitung bis ins Jahr 2019 soll nun aufgezeigt werden, dass das Pilotprojekt auch für andere Gewässer anwendbar wäre.

www.umweltundbildung.org; www.bellacherweiher.ch

Über 500 Jahre alt

Der Bellacher Weiher wurde bereits im 16. Jahrhundert aus wirtschaftlichen Gründen (Fischzucht) aufgestaut. 1798 war er Schauplatz eines Gefechtes zwischen den Truppen Napoleons unter General Schauenburg und den solothurnischen Truppen des Generals Josef Bernhard Altermatt. Die Franzosen siegten schnell und besetzten danach kampflos Solothurn und den übrigen Kanton. 1861 übernahm die mechanische Baumwollweberei Schwarz & Co. den Bellacher Weiher und nutzte das Wasser für den Antrieb ihrer Maschinen. Im Bellacher Volksmund wird der Teich seither «Schwarzes Meer» oder «Schwarzmeer» genannt. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bellacher Weiher auch genutzt, um Natureis zu gewinnen. Bei entsprechenden winterlichen Witterungsverhältnissen wird er zum Eislaufen genutzt. Besonders im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war dies so beliebt, dass im Winter am Ufer sonntags zuweilen eine Festwirtschaft betrieben wurde. Der Weiher steht seit 1945 unter kantonalem Naturschutz, ist heute 3,3 Hektaren gross und hat eine maximale Wassertiefe von 2,2 Meter. Seit 2001 befindet er sich in Privatbesitz von Laura und Thomas Stöckli. (rm/mgt)

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