Feldbrunnen-St. Niklaus
Die Bevölkerung ist gegen die Umzonung der Sportwiese

Mit dem räumlichen Leitbild hat die Gemeinde Feldbrunnen-St. Niklaus keine leichte Aufgabe. An der Orientierungsversammlung vom Donnerstag gab es hitzige Diskussionen.

Nadine Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Gibt Anlass zu Diskussionen: Sportwiese beim Schulhaus.

Gibt Anlass zu Diskussionen: Sportwiese beim Schulhaus.

Hanspeter Baertschi

Bei der Orientierungsversammlung vom Donnerstag zum räumlichen Leitbild stellte die Gemeinde den über hundert Anwesenden die überarbeitete Fassung vor. Die rund sechzig Eingaben aus der Bevölkerung sind gemäss Gemeindepräsidentin Anita Panzer zur Kenntnis genommen worden und die meisten in die Überarbeitung eingeflossen. Auch die Stimmen aus der Orientierungsversammlung sollen überprüft werden und je nach dem zu einer weiteren Anpassung des Leitbildes führen, über das bei der Gemeindeversammlung vom 19. Mai abgestimmt werden soll. Es könne dann nur als Ganzes angenommen oder abgelehnt werden.

Das Leitbild biete Chancen, Kulturland zu erhalten. Gemeindepräsidentin Anita Panzer betont: «Es ist nicht das Ziel, zu wachsen, sondern Möglichkeiten zu schaffen, damit sich die Gemeinde weiterhin qualitativ entwickeln kann.» Zwar könne man das Bevölkerungswachstum nicht mit Sicherheit bestimmen, doch vergleiche man mit der Vergangenheit, so sei ein kontinuierlicher Anstieg festzustellen. Auf diesen gelte es zu reagieren, denn mit der gegenwärtigen fünfzehn Jahre alten Ortsplanung gäbe es kaum noch Spielraum, neuen Wohnraum zu schaffen.

Momentan seien noch genügend leere Wohnungen vorhanden, doch es ginge nicht um die Gegenwart. Panzer: «Das Leitbild richtet sich auf die nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahre, wir müssen also an unsere Kinder und vielleicht auch Enkel denken.» Die Berechnungen vonseiten des Kantons vermuten bis dahin ein Bevölkerungswachstum auf über 1200, wenn nicht sogar auf über 1300 Personen. Die Gemeinde hat als machbare Grenze die Zahl auf 1200 Personen festgesetzt.

Das Leitbild als erster Schritt

Keinen Spielraum zu schaffen, bedeute ein Risiko. «Wenn kein Wohnraum mehr vorhanden ist, kommt es zur Stagnation», äussert sich Ortsplanungspräsident Rolf Studer. Dies könne verheerende Folgen für die Gemeinde haben, wie beispielsweise Senkung der Attraktivität und Abwanderung.

Mehrfach wurde von den Mitgliedern der Arbeitsgruppe betont, dass es sich beim Leitbild um einen ersten Schritt handle und man sich keine Fesseln anlegen solle. «Das Leitbild schafft die Möglichkeit, zu handeln», merkt Studer an. Es sei noch kein Nutzungsplan. Über die einzelnen Punkte des Leitbildes müsse nach einer positiven Abstimmung vom 19. Mai zunächst auf behördlicher Ebene verhandelt werden, und bis zu den jeweiligen Baugesuchen habe die Bevölkerung zudem durch weitere Abstimmungen das letzte Wort.

Waldegghof wird nicht überbaut

Der Kanton hat sich wie die Bevölkerung gegen eine Überbauung des Waldegghofs ausgesprochen, sodass dieser aus dem Leitbild gestrichen wurde. Dazu wurden aus den Eingaben der Bevölkerung auch die Belebung der Dorfmitte, die Trennungswirkung der Baselstrasse und des Bipperlisi, die Sicherung des Schulwegs sowie einige Einzonungsbegehren berücksichtigt.

Im Leitbild ist festgehalten, dass künftig dichtere Bauformen folgen sollen. Durch die Einzonung Ost und die Umzonung eines Teils der Sportwiese von einer öffentlichen Bauzone in eine Wohnzone soll zusätzlich neuer Wohnraum geschaffen werden. Die Sportwiese sei eine günstige Chance auf Bauland, da die Wiese der Gemeinde gehöre. Das, was an Natur verloren ginge, würde man an anderer Stelle kompensieren. Die heutige Lebensqualität mit den Naturerholungsräumen soll erhalten bleiben. Zudem verfolge man das Ziel, dass sich jede Altersgruppe im Dorf wohlfühle, und will den Austausch zwischen den Ortsteilen Feldbrunnen und St. Niklaus fördern.

Unsicherheit in der Bevölkerung

Trotz der Beschwichtigung der Gemeinde, dass das Leitbild lediglich eine Grundlage bilde und die Bevölkerung weiterhin mitbestimmen könne, verschwand die Unsicherheit unter den Anwesenden nicht und führte zu hitziger Diskussion. Eine positive Stimme gab es zur Einzonung Ost, da diese bereits einmal eingezont gewesen sei, und deshalb eine Wiedereinzonung verkraftbar mache. Zu reden gab das Bevölkerungswachstum, da es nicht absehbar sei und deshalb infrage gestellt wurde. Die Idee der Umzonung Sportwiese stiess weitgehend auf Ablehnung. Mehrfach wurde die Versetzung der Hecke kritisiert, bei der die Zerstörung des Biotops vermutet würde. Ob dieses wiederkehren würde, wurde angezweifelt. So gab es die Empfehlung von einigen Anwesenden, die Umzonung der Wiese aus dem Leitbild zu nehmen, um eine Ablehnung des Leitbildes am 19. Mai nicht zu gefährden.