Bis Ende August haben die Günsberger Einwohnerinnen und Einwohner Gelegenheit, Eingaben zu den Leitsätzen des Räumlichen Leitbildes zu machen. 50 Günsbergerinnen und Günsberger besuchten die Mitwirkungsveranstaltung, an der das Leitbild vom externen Planer Reto Affolter vorgestellt wurde. Die Leitsätze sind in fünf Themenkreise und 27 Aussagen gegliedert.

Entstanden ist der Entwurf des Leitbildes aufgrund des ebenfalls gut besuchten Workshops im April dieses Jahres, dessen Ergebnisse die siebenköpfige Planungsgruppe und der Gemeinderat in eine gut lesbare Form gossen.

An der Veranstaltung hervorgehoben wurde das Ziel des Räumlichen Leitbildes, das behördenverbindlich, aber nicht eigentümerverbindlich die Grundlage zur Revision der Ortsplanung bildet. Die erwarteten Eingaben werden den Entwurf nochmals verfeinern, der voraussichtlich am 5. Dezember im Rahmen der Budget-Gemeindeversammlung verabschiedet werden soll.

Schlankes Leitbild

Nach der Vorstellung aller Sachgruppen wie «Positionierung und Zusammenarbeit», «Bevölkerungsentwicklung und Struktur», «Bauzone, Einwohnerdichte und Siedlungsqualität», «Infrastruktur und Arbeiten» sowie «Umwelt, Natur, Landschaft und Nichtsiedlungsgebiet» gab es unterschiedlichste Feststellungen und Fragen aus der Mitte der Versammlung.
Eine Gruppe von Votanten versammelte sich hinter der Stossrichtung, nicht zu viele Dinge schützen zu wollen und damit die Entwicklung des Dorfes zu hemmen.

Vielmehr gelte es, den Siedlungsraum zu öffnen und keine rückwärts gewandte Bodenpolitik zu betreiben. «Wir wollen uns nicht auf verschärfte Thesen des Leitbildes festlegen lassen», hiess es. Vielmehr müssten die Reserven - Affolter sprach von 65 unbebauten und teils «gehorteten» Parzellen - und noch freie Gebiete wie etwa das Areal in der Nähe des Schulhauses mit aktiver Rolle der Gemeindepolitik in Planungen aufgenommen werden, um ein gesundes Wachstum zu ermöglichen. «Wir können nicht wachsen, weil kein freies Bauland verfügbar ist.»

Mit Blick auf die grossen Industrieansiedlungen in den Gemeinden unterhalb von Günsberg sei das Leitbild zu eng formuliert und trage nur wenig dazu bei, die sich abzeichnenden Chancen zu nutzen, bekräftigte ein weiterer Anwesender.

Dem stand die Position gegenüber, dass der Günsberger Charakter «ländlich und grün» bleiben soll. Kritisch hinterfragt wurde beispielsweise die in Leitsatz 16 formulierte These, die bestehenden Freiräume Buechacker und Vorstettli für die Bevölkerung «erlebbar» zu machen. Vielleicht könne man sich darauf einigen, die Zugänglichkeit zu verbessern, obwohl die Gemeinde ja nichts erzwingen könne, lautete die Antwort.

Mobilfunkantenne verschieben

Angeregt wurde des Weiteren, Lösungen für den Mobilfunk zu suchen, aber die «unser Bauland entwertende Antenne» dringend anders zu positionieren.

Ein Thema, das insbesondere Gemeindepräsident Thomas Jenni aufgriff, war das in der Zone für öffentliche Nutzung im Dorfkern liegende alte Schulhaus. Der Gemeinderat habe mit den beteiligten Parteien Kirch- und Bürgergemeinde Nutzungsmöglichkeiten für das der Gemeinde gehörende Gebäude bereits skizziert. «Aber was möchte die Bevölkerung; sollen wir es abreissen oder lieber sanieren?», fragte er. Darauf erhofft der Gemeinderat eine eindeutige Antwort.

Gegensätzliche Meinungen entstanden zum Gewerbegebiet. Dem Vorschlag, eine gewerblich nicht genutzte baureife Parzelle zu Wohnzwecken zu verkaufen, widersprach ein Beteiligter temperamentvoll: «Für diese Zone, die dringend beibehalten werden muss, haben wir jahrzehntelang gekämpft.» Als Stichwort brachte ein Diskutant kurz «eine Abgrenzung gegen das Asylwesen» ins Spiel, das allerdings nicht weiter ausgeführt wurde.

Eingaben vertraulich

Das Controlling zur Umsetzung des Leitbildes, das regelmässig laut Jenni als Massnahmenkatalog mit möglicher Erfolgsbilanz kommuniziert werden soll, interessierte. Die mit Namen versehenen Eingaben zum Leitbild, die vertraulich behandelt werden, bearbeiten die Plako und danach der Gemeinderat weiter. Individuelle Benachrichtigungen zum Thema Leitbild sind nicht vorgesehen. Es gelte aber, Transparenz zu schaffen und gegebenenfalls das überarbeitete Räumliche Leitbild vor der Genehmigung nochmals öffentlich vorzustellen.