Es ist früher Abend in der südafrikanischen Transkei. Die Hauptstrasse ist voller Kinder in Schuluniformen, die den Weg nach Hause antreten. Frech, teilweise gar unverschämt anmutend, winken sie mir grinsend zu oder tänzeln neben mir her, während ich mit dem Auto vorbeifahre. Eine Gruppe Mädchen streckt die Daumen raus. Ich lasse sie in mein Auto einsteigen und bringe sie nach Hause. Es sei gefährlich, Anhalter mitzunehmen, wurde mir erklärt. Bei Frauen und Kindern mache ich jedoch eine Ausnahme. «Das ist Afrika», denke ich, während ich auf dieser lebendigen Strasse durch kleine Dörfer und Städte nach Coffe Bay fahre.

Beispiel aus der Timion-Werkstatt.

Beispiel aus der Timion-Werkstatt.

Ich war früher auch schon in Afrika, doch es war ein anderes Afrika, als ich es nun während meiner Arbeit in der Schreinerei von Timion erlebt habe. Die von Daniel Meyer – einem Schweizer – geführte Non-Profit-Organisation Timion stellt Hilfsmittel für behinderte Kinder in Townships her. Während fünf Monaten habe ich in Jeffreys Bay Zivildienst geleistet. Ich habe Verbesserungen in der Werkstatt durchgeführt, die lokalen Schreiner unterrichtet und angeleitet und die Familien in den Townships besucht.

Als mein Einsatz zu Ende war, hatte ich noch fünf Wochen Zeit in Südafrika zu reisen, das Land zu entdecken. Transkei, Durban, Lesotho. Nach einer dreiwöchigen Reise in den wilden Osten Südafrikas, kehrte ich nochmals kurz nach Jeffreys Bay zurück. Da ich während der Reise einen emotionalen Abstand zu diesem Ort herstellte, konnte ich mit einer offeneren Sicht auf meine Dienstzeit zurückblicken, bevor es schliesslich von Kapstadt zurück in die Schweiz ging.

Arbeit gab Mut und Zuversicht

Meine Zeit in Südafrika war von Höhen und Tiefen geprägt. Das Heimweh zu Beginn und das ausgeprägt religiöse Umfeld, welches ich vorfand, machten mir zu schaffen. Persönlich habe ich eine schwere Zeit durchgestanden. Doch die Arbeit gab mir Mut und Zuversicht. Es motivierte mich zu wissen, dass ich hier gestalten, etwas verändern und bewirken kann. Ich habe die Armut in den Townships gesehen, Dankbarkeit für meine Arbeit erfahren und die Auswirkungen meines Handelns direkt wahrnehmen können. Dies sind wertvolle Erfahrungen, welche ich in die Schweiz zurücktrage. Erfahrungen, welche ich jeder jungen Schweizerin und jedem jungen Schweizer wünsche.

Anpassen von Behindertenhilfsmittel.

Anpassen von Behindertenhilfsmittel.

Doch es sind nicht nur die persönlichen Gewinne, welche mich von der Sinnhaftigkeit des Auslandeinsatzes überzeugen. Organisationen wie Timion sind kleine Zahnräder in einem Getriebe, welches die Welt besser macht. Mit ihrer Arbeit wird Familien – meistens alleinstehende Frauen mit behinderten Kindern – geholfen, werden sie ermutigt. Es wird Zuversicht geschaffen. Meiner Meinung nach führt dies auf lange Sicht zu einer stabileren südafrikanischen Gesellschaft. Solche Projekte mit Schweizer Fachkräften zu unterstützen, kann aus meiner Sicht nur im Interesse unseres Landes sein.