Hersiwil
Die Angst in positive Kraft drehen

Joseph Nicolet erzählte im NäijereHuus in Hersiwil über seine Krisen und Ängste und von der Kehrtwende ins Positive.

Agnes Portmann-Leupi
Drucken
Teilen
Joseph Nicolet hat seine Ängste überwunden

Joseph Nicolet hat seine Ängste überwunden

Agnes Portmann

Das Programm zum Thema «Angst» versprach eine tragikomische Begegnung der speziellen Art. In seinem Ein-Mann-Stück erzählte Joseph Nicolet über Begebenheiten seiner unglücklichen Kindheit. Er schilderte theatralisch seine spätere gesundheitliche Krise – geprägt von panischer Angst – die ihn dazu zwang, alles hinter sich zu lassen. Eine Krise und eine Angst aber, die er nach eigenen Aussagen «an den Hörnern gepackt hat» und ins Positive wenden konnte.

Theaterpädagoge Nicolet begann mit seinem notfallmässigen Spitaleintritt und seinen Erlebnissen in der Aufnahmestation mit verschiedenen Sekretärinnen und Ärzten. Endlich im Spitalbett liegend, überfiel ihn die Angst vor dem Ungewissen und vor dem Tod. Die Behandlung mit dem Wundermittel Cortison lehnte er schliesslich ab. «Ich hatte beschlossen, mich selber zu heilen», sagte er. «Mit dem Gedanken, dass meine Krankheit einen Grund hat, und eben dieser Sache wollte ich auf den Grund kommen.» Und er präzisierte: «Wie eine Raupe, die sich verpuppt und im Kokon steckt, aber dann zum Schmetterling wird.»

Die Kehrtwende

Joseph Nicolet setzte sich mit seiner Biografie auseinander und merkte, dass seine Angst ganz tief sitzt: nämlich nicht zu genügen, abgelehnt oder nicht geliebt zu werden. Er entrollte im NäijereHuus seine schockierenden ersten Kindheitserinnerungen. Er charakterisierte seinen Vater, dem Schläge einfacher von der Hand gingen, als Worte über die Lippen. An einem Seminar um die Angst blieb Nicolet nichts anderes übrig, als die Baustellen anzuschauen.

Die vorgelesene Geschichte über seine armselige Zeugung «Frust nicht Lust» verwandelte er ins Gegenteil. Daraus erblühte die Geschichte der «wunderbaren, lustvollen Zeugung» – für den einen oder andern sicher etwas zu bildlich ausgemalt. «Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht, wenn wir von Ängsten befreit sind, befreit unsere Gegenwart automatisch auch andere», gab er den aufgewühlten Zuhörern mit auf den Weg. «Eine schwere Kost», hielt eine junge Besucherin beim Verlassen des Anlasses fest.

Aktuelle Nachrichten