Tannenheim

Die Alpakas gehören zu ihrem Alltag

Elisabeth Bucheli-Ryf und Ernst Ryf mit drei ihrer Alpakas vor dem Tannenheim.

Elisabeth Bucheli-Ryf und Ernst Ryf mit drei ihrer Alpakas vor dem Tannenheim.

Das Tannenheim auf dem Oberen Balmberg feiert sein 25-Jahr-Jubiläum – ganz im Zeichen von Entschleunigung und Nachhaltigkeit.

Acht Alpakas geniessen die Morgensonne im Solothurner Jura. Sie gehören zum Ferien- und Seminarhaus Tannenheim auf dem Oberen Balmberg und werden betreut von Elisabeth Bucheli-Ryf mit ihrem Mann Ernst Ryf, die zusammen das Haus seit 25 Jahren führen. Die Alpakas und das mit ihnen mögliche Trekking ist allerdings nur ein kleiner Teil des gesamten Tannenheim-Angebotes. Bucheli und Ryf möchten im Ferien- und Seminarhaus bewusst ein nachhaltiges Angebot stellen. So finden verschiedenste Anlässe wie Schulverlegungen, Lager, aber auch Kurse für mittlere Kader von Firmen oder Hochzeitsanlässe statt. «Entschleunigung und Nachhaltigkeit sind zwei Begriffe, die seit Beginn als Haltung hinter den Angeboten stehen», erzählt Elisabeth Bucheli. Die Gäste sollen ihren Alltag etwas langsamer angehen.

Gerade bei Kaderseminaren beispielsweise seien andere Begegnungen möglich als im beruflichen Alltag und im gewohnten Umfeld, beispielsweise beim gemeinsamen Kochen. Das «Tannenheim» ist mit seinen 38 Betten, erweiterbar bis 50, nämlich auch ein Selbstkochhaus.
Viele Jahre in Zusammenarbeit mit Heidi Kurth aus Attiswil, welche am Aufbau des heutigen Tannenheims stark beteiligt war, führen Bucheli und Ryf das Haus seit 2011 alleine. Dabei können sie heute auf eine grosse Stammkundschaft zählen. Zu den Gruppen, die immer wieder kommen, gehören auch Guggemusiken, welche immer im Zeitraum von November bis Januar im Tannenheim Einzug halten.

Vom Anfang bis zum Ende

Die grosse Vielfalt an Anlässen zeigt sich gemäss Bucheli darin, dass sogar schon eine Taufe stattfand. Dabei sei die runde Grillstelle im Zentrum des Grillplatzes in einen Taufaltar umfunktioniert worden. «Vom Anfang bis zum Ende, der Zeit kurz nach der Geburt bis zum Tod, sind bei uns schon Anlässe durchgeführt worden», hält sie weiter fest. Denn eine Trauergemeinde für eine Urnenabdankung habe auch schon ihren Weg in das Tannenheim gefunden.

Nicht immer dabei waren die Alpakas. Die Tiere kamen vor acht Jahren dazu und sind als weitere Ergänzung gedacht, vor allem für Schulen und Lagergruppen. Es sei nicht ganz falsch, wenn Kinder und Jugendliche die Natur mit den Tieren auf einem Trekking von zwei, drei Stunden einmal ohne Smartphone erleben, sagt Bucheli. Ein besonderes Augenmerk legen Ryf und Bucheli dabei auf eine umsichtige und achtsame Tierhaltung. Angesprochen auf den Begriff der ökologischen Tierhaltung, erklären sie, dass keine Tiertransporte an Trekkingorte ausgeführt werden. Die Alpakas würden nicht durch Transporte gestresst und die Einsätze so gewählt, dass die Tiere ihre nötigen Ruhephasen hätten. Sämtliche Trekkings finden vor Ort statt.

Ort der Begegnungen

Das Tannenheim ist durch seine Lage neben der kantonalen Asylunterkunft auch ein Ort der Begegnung. So seien schon mehrmals spontan gemeinsame Aktivitäten, angeregt durch Feriengäste, mit den Asylsuchenden entstanden. Wegen der ruhigen Lage und der Abgeschiedenheit des Hauses finden auch oft Musikwochen und Musikprojekte statt. Anlässlich eines Abschlussabends einer Schul-Musikwoche seien spontan die Nachbarn aus dem Asylheim zu einem kleinen Konzert eingeladen worden. Am Ende sei ein grosses Musikfest mit Tanz entstanden, zu dem die Asylsuchenden mit ihrer Musik auch ihren Beitrag leisteten.

Als anderes Beispiel erzählt Bucheli von Firmlingen, die sich mit dem Thema Begegnung befassten und dann die Asylsuchenden zum Apéro und gemeinsamen Kochen einluden. Diese ihrerseits hätten die Kontakte und den Einbezug immer sehr geschätzt.

Die 25 Jahre seien natürlich nicht immer nur einfach gewesen. Eine Herausforderung sei gleich zu Beginn ihrer 25 Jahre im Tannenheim die Aufnahme der sogenannten Tschernobyl-Kinder gewesen. Teilweise seien diese in gesundheitlich bedenklichem Zustand gekommen, führen Bucheli und Ryf aus. Nicht aufgrund des Atomunfalls allein, sondern ihrer sozialen Herkunft wegen aus sehr armen Familien mit häufigem Alkoholismus und entsprechenden Folgen.

Bei gewissen Gästen musste auch in der Disziplin nachgeholfen werden. Dabei trete ein gewisses Selbstverständnis an den Tag, das manchmal etwas korrigiert werden müsse. «Als zum Beispiel die fest montierte Wäscheleine fehlte, Duschgardinen abgehängt, Türen aus den Angeln gehoben oder der Seminarraum zur Turnhalle umfunktioniert wurde», so Bucheli.
Unter dem Strich blicken Elisabeth Bucheli und Ernst Ryf auf eine abwechslungsreiche Zeit mit vielen positiven Erlebnissen und Begegnungen zurück und hoffen, das Tannenheim im heutigen Geist der Einfachheit und Nachhaltigkeit weiterführen zu können.

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