Statt Kuhglocken läuten in Etziken jetzt die Alarmglocken.

«Kürzlich habe ich herausgefunden, warum unser geliebtes Kuhglockengebimmel dieses Jahr fehlt. Ein zugezogener Städter hat mit Anwaltshilfe dafür gesorgt, dass seine ‹Nachtruhe› nicht gestört wird», empört sich Anwohner Bernhard Künzi in einem Leserbrief an diese Zeitung. Er ist nicht der einzige Etziker, der so denkt und dem Unmut auf diesem Weg öffentlich Ausdruck gibt.

Auf Anfrage verteidigt auch Gemeindepräsident Bruno Meyer die Kuhglocken im Dorf: «Wer in eine ländliche Gegend zieht, muss mit Kuhglocken rechnen, und wir sind eine ländliche Gemeinde.» Er ist überzeugt, dass Kuhglockengeläut auf der Weide rund um die Uhr zu hören sein dürfe, auch nachts.

Schweigen besser als reden

Besonders das Empfinden gestörter Nachtruhe gibt gelegentlich Anlass zu Spannungen zwischen Bauern und neu zugezogenen Nachbarn. Beim Zwist, der letzten Herbst zwischen dem Landwirt Markus Misteli und einem Anwohner entflammte, ist der Unmut offenbar nicht auf die Nacht beschränkt. Misteli erklärt: «Dieser Mann fühlt sich auch tagsüber gestört, er arbeitet Schicht. Am Tag tragen unsere Kühe Glocken wie bisher. Sobald wir hitzebedingt auf die Nachtweide umstellen, werden die Kühe ohne Glocken weiden.» Eine Regelung, die sich auf die Gerichtspraxis der letzten 40 Jahre stützt (siehe Text unten). Markus Misteli ist froh um die Solidarität des Dorfes mit den Glocken seiner Kühe. Doch er hofft, dass die Aufregung sich rasch legt. «Möglichst nicht darüber sprechen», findet er die beste Lösung für alle Beteiligten.

Keine neuen Vorschriften

Gemeindepräsident Bruno Meyer erinnert sich, dass es im Dorf schon ein Jahr zuvor in einem anderen Fall «eine Geschichte» um Kuhglocken gab. Dort habe sich die Spannung gelegt, weil die Weide inzwischen als Acker genutzt werde. Mit dem aktuellen Streitfall habe er sich nicht befasst, so Meyer. «Aber eines ist klar: Die Sache wird nicht zu neuen Vorschriften führen. Wir werden deswegen keine kommunale Ruheverordnung erlassen.»

«Die Bauern sind kulant. Sie lassen mit sich reden», ist Urs Schläfli überzeugt. Der Deitinger präsidiert den landwirtschaftlichen Bezirksverein Wasseramt. «Wer aus der Stadt oder einer Agglomerationsgemeinde aufs Land zügeln will, soll sich vorgängig informieren», findet er. «Geräusche gibt es immer und überall.» Er bedauert, dass juristische Druckmittel an die Stelle von nachbarschaftlichen Kompromissen treten. Ebenso argumentiert der Solothurner Bauernsekretär Peter Brügger und ergänzt: «Der letzte Streitfall um Kuhglocken im Kanton liegt zum Glück schon einige Jahre zurück.» Auch da wollte die betroffene Bauernfamilie nur eines: ihre Ruhe.

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