38 Jahre führten Annemarie und Andreas Graber-Wüthrich erfolgreich den Landgasthof im imposanten Riegelhaus an der Hauptstrasse. «Für uns ist es das grösste Geschenk, dass der ‹Löwen› weiterlebt», sagen die bestandenen Wirtsleute. In diesem Jahr durften sie nämlich den Betrieb an die siebte Generation, Sebastian und Manuela Graber-Willi, übergeben. «In unseren Anfängen war das ‹Gaststubenleben› mit Vereinen und Einheimischen massgebend», blickt Annemarie Graber zurück.

Schon immer aber hätten sie Wert auf eine gute Küche gelegt. Daher sei der Übergang in ein Speiserestaurant nach dem Rückgang der Stammtischgemeinschaft human gewesen. Im «Löwen» habe stets jeder Besucher seinen Stellenwert. «Wenn man dem Gast gegenüber offen begegnet, spürt er, dass er willkommen ist», drückt sie die Philosophie des Hauses aus.

Gelebte Gastfreundschaft

Ob er in die Fussstapfen seiner Eltern treten will, war für Sohn Sebastian Graber nicht immer klar. Spannend fand er nämlich nach der Ausbildung zum Koch und Restaurationsfachmann sowie der späteren Hotelfachschule Belvoirpark HF in Zürich die verschiedenen beruflichen Stationen.

Als dann die Eltern grössere Umbaupläne hegten, entschied er sich für die Rückkehr. Seine Ehefrau lernte er an der Hotelfachschule kennen, wo sie mittlerweile auch unterrichtet. Für sie sei es eine Freude, hier als Teil dieser Generation einsteigen zu dürfen, bekundet Manuela Graber. «Der Löwen soll weiterhin ein Ort der gelebten Gastfreundschaft sein, wo sich Menschen bei einem Bier, einem Kaffee oder gutem Essen – regional und saisonal– begegnen und austauschen können», sagt das junge Wirtepaar. Dabei sei es ihnen auch wichtig, für die Dorfbevölkerung und das Dorfleben da zu sein. Der Hauswein stammt von Sebastians Bruder Samuel, der als Winzer Rebberge in Messen und Ligerz bewirtschaftet. Weiterhin wollen Manuela und Sebastian Graber Lernende ausbilden, im Moment sind es deren sieben, vier im Restaurationsfach und drei Köche. Bis jetzt absolvierten über 50 Lernende im «Löwen» erfolgreich ihre Ausbildung.

Geschichtsträchtiges Haus

Nicht ein Restaurant, sondern eine Zimmereiwerkstatt, beherbergte das markante, denkmalgeschützte Gebäude zu Beginn. Erbaut hatten es im Jahr 1822 die Vorfahren Gisiger im Berner-Riegelbau-Bauernhaus-Stil. Als die Zimmereiarbeiten 45 Jahre später zurückgingen, wurde die Werkstatt in eine Schenke umgebaut. In der Folge erlebte der Landgasthof mehrere Umbauten. So etwa erhält der Gast vom Bistro aus einen Überblick in die vor 20 Jahren errichtete offene Küche. Entstanden sind neben der Gaststube mit Kachelofen diverse Räumlichkeiten, voller Charme, sowie Garten und Terrasse.