Dokufilm «Voll Verzuckert»
Diabetes als Zivilisations-Krankheit: Zucker ist sogar im Babybrei versteckt

Ein Filmemacher nimmt jeden Tag 40 Teelöffel Zucker zu sich - in Form von Müsliriegeln und Co., die oftmals als gesund eingestuft werden. Wird der Zuckerkonsum durch solche Einschätzungen gesteigert? Wir fragen eine Expertin.

Noëlle Karpf
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Babynahrung mit Aufschrift «ohne Zuckerzusatz» oder «mit Fructose» werden oft fälschlicherweise als gesund eingeschätzt.

Babynahrung mit Aufschrift «ohne Zuckerzusatz» oder «mit Fructose» werden oft fälschlicherweise als gesund eingeschätzt.

AZ

Wie wirken sich 40 Teelöffel Zucker täglich auf den Körper aus? Was passiert, wenn während 60 Tagen so viel Zucker gegessen wird? Im Dokumentarfilm «voll verzuckert» will der Australier Damon Gameau diese Frage mit einem Selbstversuch beantworten.

Dabei nimmt er den Zucker nicht löffelweise zu sich, sondern konsumiert Nahrungsmittel wie Müsli und Joghurt, damit er jeden Tag auf diese hohe Menge kommt.

Gleichzeitig will er aufzeigen, dass Zucker heutzutage auch in Lebensmitteln versteckt ist, die von den Konsumenten als gesund wahrgenommen werden.

Zuckerkonsum ist nicht nur in diesem Dokumentarfilm ( «That Sugar Film - Voll verzuckert!» ) sondern auch in der Schweiz ein Thema. In den nächsten vier Jahren sollen Müsli- und Joghurthersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte senken. Denn heute soll ein Schweizer im Durchschnitt 159 Gramm Zucker pro Tag zu sich nehmen – das ist viel zu viel, meinen der Bund und Lebensmittelfirmen.

Mit dem «versteckten» Zucker und Konsumenten, die sich seiner nicht bewusst sind setzt sich Ernährungsberaterin Petra Martel auseinander. In ihrer Praxis in Zuchwil berät sie ihre Kunden unter anderem zu den Themen Diabetes und gibt Tipps für den Umgang mit Zucker im Alltag.

Frau Martel, was machen 40 Teelöffel Zucker pro Tag mit dem menschlichen Körper?

Petra Martel: Diese hohe Menge kann zu Verdauungsbeschwerden führen. Wird sie über längere Zeit eingenommen beeinflusst sie die Kalorienaufnahme und verursacht so Gewichtszunahme. Wer täglich so viel Zucker isst, leidet wahrscheinlich nach einer Weile auch unter Durchfall.

In welchem Mass ist Zucker denn gesund?

Zucker ist ein Luxusgut, er ist der einzige Stoff, den der Körper gar nicht braucht. Deshalb sollte der Mensch so wenig wie möglich davon zu sich nehmen. Eine Süssigkeit pro Tag sollte generell nicht schaden. Eine Süssigkeit heisst dann aber auch, dass eine Reihe Schokolade gegessen wird, und nicht gleich die ganze Tafel.

Sind zuckerhaltige Lebensmittel, die als gesund verkauft und aufgefasst werden, ein Problem in der heutigen Zeit?

Mit diesem Thema habe ich immer wieder zu tun. Dass zum Beispiel ein Becher Joghurt sehr zuckerhaltig ist, wissen so Einige nicht. Dieses Produkt ist für Viele einfach etwas Gesundes. Auch bei Nahrungsmittel für Babies und Kleinkinder kann dies zum Problem werden. In den Babybreis «ohne Zuckerzusatz» befinden sich trotz der Aufschrift auf dem Etikett Stoffe, die für den Körper genauso ungesund sind wie Zucker selbst – wenn nicht sogar noch schädlicher. Ausserdem gewöhnen sich die Kinder an den süssen Geschmack und zuckerhaltige Lebensmittel. Die Eltern hingegen wissen oftmals nicht, wie viel Zucker sie ihren Kindern zum Essen geben.

Haben Sie in Ihrer Praxis öfters mit Zuckerkrankheit zu tun?

Diabetes ist eine Zivilisationskrankheit – und heute ein grösseres Problem als früher.

Wie behandeln Sie dieses Problem?

Ich rate meine Kunden, frische Mahlzeiten selber zuzubereiten. Dadurch hat man Kontrolle über die Menge an Zucker, die man konsumiert. Beim Einkaufen kann man die Etiketten der Nahrungsmittel studieren, und genau hinsehen, was im Produkt wirklich drin ist. Fructose wird von vielen positiv und nicht als Zucker wahrgenommen – dabei werden dadurch grössere Verdauungsschäden verursacht. Der Konsument muss sich aber im Klaren sein, was er isst, und dass Stoffe, die nicht als Zucker deklariert werden nicht unbedingt gesund sind. Ich versuche, meine Kunden zu schulen und sie durch diese Prävention dazu zu bringen, sich mit den Nahrungsmitteln und ihrem Essverhalten auseinanderzusetzen. Wer das tut, muss bereit sein Zeit aufzuwenden – gerade wenn er oder sie frische Mahlzeiten selber vorbereitet.

«That Sugar Film – Voll Verzuckert» ist am 1. und 2. Dezember um 18.30 Uhr im Kino Uferbau in Solothurn zu sehen.

Im Kino Arthouse Uto in Zürich läuft er bis zum 9. Dezember täglich um 18.00 Uhr.

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