Die Vergabe der Sanierungsarbeiten in den Archivräumen brachte die Gemeinderäte in ein arges Dilemma. Einen Auftrag an eine Firma in Deutschland zu vergeben gehe gar nicht, meinte Maria Rothenbühler (CVP). Die Gemeinde sollte doch als Vorbild dienen. Da aber nur zwei Schweizer Firmen offeriert hatten, die geografisch nähere davon aus Bern, bestehe keine Gefahr, das regionale Gewerbe zu konkurrieren, fand Peter Wüthrich (SVP).

Für die Beseitigung des Schimmelpilzes 35'000 Franken mehr von den Steuergeldern abzwacken zu müssen, täte aber doch allzu sehr weh. Mit vier zu zwei Stimmen bei einer Enthaltung entschieden sich die Gemeinderäte schliesslich für den deutschen Anbieter, der die Arbeiten zu einem Preis von umgerechnet 14'710 Franken offeriert hatte.

Kein Interesse der Vereine

Der Aufruf an die Vereine, sich an der Reinigung des Baches zu beteiligen, hat nicht gefruchtet. Nun machte Gemeinderat Christian Erzer (FdP) beliebt, die Pro Work aus Grenchen dafür einzusetzen. «Diese Institution arbeitet mit Ausgesteuerten und Asylsuchenden», erklärte er. Gemeindepräsident Hardy Jäggi (SP) unterstützte diesen Vorschlag. Er begrüsse es, dass die Pro Work Leuten eine Tagesstruktur gibt, die sonst auf die schiefe Bahn gerieten. Einstimmig beschloss der Rat, einen Versuch mit dieser Institution zu wagen, anstatt die Arbeiten an eine auf diese Arbeit spezialisierte Firma zu vergeben.

Ausbildung für Bauverwalter

Der Gemeinderat bereut es nicht, einen vollamtlichen Bauverwalter eingestellt zu haben. Die Erfahrungen waren bislang sehr positiv. «Es ist wichtig, dass ein direkter Ansprechpartner vor Ort ist», schätzte Gemeindeschreiberin Gabriella Meili. Um sich in sein Metier einzuarbeiten, durfte der Bauverwalter in das Tagesgeschäft einiger umliegenden Gemeinden Einblick halten. Für die Einarbeitung beschloss der Gemeinderat einen Nachtragskredit von 2'000 Franken. Auch im nächsten Jahr wird ein Betrag ins Budget aufgenommen, damit sich der Bauverwalter in fachspezifischen Kursen tieferes Wissen aneignen kann.

Abschreibungen schenken ein

Die Rechnung 2015 schliesst auf den ersten Blick viel schlechter ab als budgetiert. Mit einem 780'000 Franken höherem Aufwandüberschuss als vorgesehen, ergibt sich ein Minus von 955'000 Franken. Blendet man jedoch die zusätzlichen Abschreibungen von rund 787'000 Franken aus, ist es fast eine Punktlandung. Die augenfälligste Abweichung ist bei den Einlagen in die Spezialfinanzierungen Wasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung zu finden. Anstatt 110'500 Franken wurden insgesamt 256'000 Franken in diese Aufgabenbereiche eingebracht. Diese Einschüsse werden zurückgelegt und dienen bei allfälligen künftigen negativen Abschlüssen als Reserve.

Dreimal höher als budgetiert schliessen die Vermögenserträge ab. Dies vor allem, weil die Verzugszinsen neu bereits bei Rechnungsstellung fakturiert wurden, nicht erst bei vollständiger Begleichung der Steuern. Ausserdem fielen die Einnahmen bei den Wasseranschlussgebühren höher aus als erwartet.

Trotz dem negativen Rechnungsabschluss will der Gemeinderat an einem Steuerfuss von 120 Prozent festhalten. «Da wir im 2015 so hohe Abschreibungen machen konnten, wird dafür die diesjährige Rechnung entlastet», diagnostizierte der Gemeindepräsident.