Manche nennen sie die Memoiren. Das vermittelt eine gewisse Wichtigkeit. Damit kann Ernst Staub wenig anfangen. Er spricht von Lebenserinnerungen. Dass sein Leben bis anhin wichtig gewesen sei, würde er nicht behaupten. Interessant ist aber alleweil, was Ernst «Änggu» Staub in seinen Lebenserinnerungen verewigt hat. Vorsichtig schreibt er im Titel «Öppe so ischs gsi».

Seine Erinnerungen hat Staub im Derendinger Dialekt verpackt. Die Texte weisen eine zusätzliche Besonderheit auf. Alle sind in Versform verfasst. Sein Derendinger Dialekt hat zudem einen offiziellen Anstrich erhalten. Susanne Sturzenegger und Markus Gasser, Redaktoren der Mundartsendung «Schnabelweid», sind auf Staub aufmerksam geworden.

Das mit dem Bemerken ist gar nicht so einfach. Denn an eine Veröffentlichung dachte und denkt Ernst Staub bislang nicht. Das Buch mit seinen Lebenserinnerungen hat der frühere Papeteriebesitzer, Drucker und Künstler in nur fünf Exemplaren für seine Familie verlegt. Eines für seine Frau, je eines für die beiden Kinder, eines für ihn und eines zur Reserve.

«Darauf gekommen bin ich, als meine Eltern und meine Schwiegereltern gestorben sind. Ich begann Erinnerungen von ihnen aufzuschreiben, damit diese nicht verloren gehen.» 25 Seiten Text, aber nicht in Versform, hatte er beisammen. Dann überkam ihn das Gefühl, eine sinnlose Arbeit zu tun. Er übergab die Texte dem Papierkorb.

Jahre später begann er nochmals, diesmal aber in Versform. Fotos, seine gereimten Mundarttexte sowie einige seiner künstlerischen Druckwerke haben Eingang gefunden. Kaltschnäuzig hat er alles mit dem Kopierapparat produziert. Einzig das Binden des Buches überliess er dem Fachmann. Herausgekommen ist ein wirklich dickes Werk, quadratisch im Format. Seitenzahlen fehlen. Ein Buch dürfte aber gegen 200 Seiten aufweisen. Damit nicht genug, hat er bereits ein zweites fertiggestellt und ist momentan an einem dritten Band.

Enormes Gedächtnis

Ernst Staub schreibt seit zirka sieben Jahren. Dabei hilft ihm sein enormes Gedächtnis. Man liest die Texte gerne, weil sie von Menschen, oft von ihm und seiner Familie erzählen. «Wenn ich beispielsweise jemandem begegne, kann plötzlich eine Geschichte in meinen Gedanken aufscheinen.» Die Geschichten, die er dann in Reimen aufschreibt, haben sich im Rückblick sicher verändert. Aber: «Als ich meinen ehemaligen Klassenkameraden bei Gelegenheit vorlas, sagten diese, ja so sei es gewesen, das hätten sie aber nicht mehr gewusst.»

Das Atelier im Papierhof ist momentan mit den Arbeiten zum 50-Jahr-Jubiläum der Papeterie mit Buchhandlung zugestellt. Staub will die letzten 50 Jahre des Papierhofs in den Schaufenstern Revue passieren lassen. Die Kunden der Papeterie werden ebenfalls in den Genuss eines Teils der Erinnerungen von Ernst Staub kommen. Er hat Müsterchen, die im Zusammenhang mit der Papeterie stehen, zu einer kleinen Broschüre gebunden, die den Kunden abgegeben werden soll.

Die «Schnabelweid»-Radiosendung mit Ernst Staub ist im Internet abrufbar auf: www.srf.ch/sendungen/schnabelweid/ aenggus-gereimte-lebenserinnerungen